Max Verstappen - Red Bull - GP Japan 2022 - Suzuka xpb
Leclerc - Verstappen - Formel 1 - GP Japan 2022 - Suzuka
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Japan 2022 - Suzuka
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Verstappen-Krönung Suzuka: Kein Team kennt Regeln

Verstappen-Krönung in Suzuka Kein Team kennt das Reglement

GP Japan 2022

Max Verstappen ist der neue, alte Weltmeister der Formel 1. Er wusste nach der Zieldurchfahrt und Korrektur des Ergebnisses selbst nichts von seinem Glück. Zehn Teams und fast alle im Fahrerlager rechneten falsch, weil sie das Regelwerk nicht genau genug kannten. Das Rennen in Suzuka war einmal mehr eine Machtdemonstration des Champions.

Das gab es noch nie in der Geschichte der Formel 1. Ein Fahrer ist Weltmeister, doch weder er noch das Team wissen um ihr Glück. Und auch 99,9 Prozent des Fahrerlager staunten nicht schlecht, als Max Verstappen erst wenige Minuten nach Zieldurchfahrt zum neuen Weltmeister erklärt wurde.

"Wir haben es erst durch die Verkündung des Streckensprechers kapiert", berichtete Red Bulls Sportchef Helmut Marko. Teamchef Christian Horner ergänzte: "Erst als es Jenson Button gesagt hat, haben wir es realisiert. Wir dachten, Max sei um einen Punkt am vorzeitigen Titelgewinn vorbeigeschrammt."

25 statt nur 19 Punkte

Die Formel 1 stolperte mal wieder über ihr viel zu kompliziertes Reglement, das niemand voll im Kopf haben kann. Der Regen verhinderte in Suzuka, dass die volle Renndistanz abgespult werden konnte. Der Sieger legte nur 28 der eigentlich vorgesehenen 53 Rennrunden zurück. Da dachten alle, dass nach Kolumne 3 unter Artikel 6.5.f des Sportlichen Reglements die Punkte vergeben werden. Die Tabelle ist auf Seite 5 von 107 festgehalten.

Weil zwischen 50 und 75 Prozent der Ursprungs-Distanz zurückgelegt wurden, dachten praktisch alle, dass der Sieger mit nur 19 statt 25 WM-Punkten entlohnt wird. Der Zweitplatzierte mit 14 und der Dritte mit 12. Demnach hätte Verstappen dem Teamkollegen nur fünf Punkte abgenommen. Er brauchte deren sechs. Und Leclerc nur sieben statt den erforderten acht.

Doch es gab beim Weltverband FIA offenbar einen Aufpasser, der sich im Gegensatz zu den Teams mit dem Reglement exakt auskannte. Die Punkte werden nur gekürzt, wenn ein Rennen abgebrochen und nicht wieder aufgenommen wird. Dieser Wortlauf ist entscheidend. Der GP Japan wurde nach zwei Runden unterbrochen, allerdings nach fast zwei Stunden wieder aufgenommen. Also gab es volle Punkte für den Sieger. So holte er sieben Zähler mehr als Perez und zehn mehr als Leclerc. Der zweite Weltmeister-Titel in seiner Karriere ist perfekt.

Max Verstappen - Red Bull - GP Japan 2022 - Suzuka
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Max Verstappen fuhr in Japan das perfekte Rennen.

Verstappens perfekte Fahrt

Bei Red Bull herrschte dennoch irgendwie gedämpfte Stimmung. Man gewann gar nicht den Eindruck, dass da ein Fahrer Weltmeister geworden war. Im Fahrerlager kamen sofort Gerüchte auf. Hat die FIA Red Bull bereits über die Strafe für einen Verstoß gegen den Budgetdeckel 2021 unterrichtet? Nein, hieß es dazu aus dem Red-Bull-Lager. Sportchef Marko klärte auf: "Wir haben keine Nachricht der FIA bekommen. Wir wurden nur überrascht, dass Max schon Weltmeister ist. Das hatte keiner auf dem Zettel." Red Bull ist sich auch keinem Fehlverhalten bewusst. Nach eigener Kalkulation liegt man mehrere Millionen unter der Obergrenze.

Im halben Rennen von Suzuka zeigte Verstappen einmal mehr seine aktuelle Ausnahmestellung im Formel-1-Feld. Er kam zwar am Start überhaupt nicht vom Fleck, wehrte Charles Leclerc aber mit einem Ritt auf der Außenseite der ersten Kurve ab. "Da ist er die Kart-Linie gefahren", schildert Horner. "Max hat mir in der Pause gesagt, dass er sich voll in dieses Manöver stürzte." Marko applaudierte seinem Schützling: "Was er da aufgeführt hat, war einfach nur außerirdisch."

Auch nach der fast zweistündigen Unterbrechung fuhr der Weltmeister in einer eigenen Liga. Charles Leclerc verheizte sich hinter ihm die Intermediate-Reifen. Verstappen streichelte sie. "Diese Strecke saugt die Reifen aus. Speziell im ersten Sektor. Max hat kontrolliert, dass die Hinterräder nicht durchdrehen. Er hatte stets ein Auge auf die Temperaturen. Er hat die Vorderreifen nicht überlastet", erklärt Horner. "Das war eine dominante Leistung. Max fuhr so bestimmt wie in der gesamten Saison." In 21 Runden distanzierte er Leclerc nach dem Reifenwechsel von Extrem-Wetterreifen auf Intermediates um 26,763 Sekunden. Das sind Welten.

Perfektes Wochenende von Red Bull

Red Bull legte nach den Pannen von Singapur das perfekte Rennwochenende hin. Wie es Verstappen gefordert hatte. Man war so schnell wie Ferrari im Trockenen. Verstappen holte die Pole. Im Regen konnte keiner dem Champion folgen. Nach den Eindrücken vom verregneten Freitag und mit Blick auf den Wetterbericht hatte Red Bull nach dem dritten Training noch etwas Flügel draufgepackt. Ein Gurney-Flap erhöhte den Anpressdruck. Das half besonders auf einer nassen Fahrbahn.

Gegen Rennende kam die Überlegung auf, Verstappen ein zweites Mal zum Reifenwechsel zu holen. Und ihn dann auf die schnellste Runde loszulassen. Dann hätte man Leclerc nach Red-Bull-Rechnung die geforderten sechs Punkte abgenommen. Das Team sah davon ab. "Wir haben den Gedanken verworfen, weil es mit zu viel Risiko behaftet war", erklärte Horner. Bei einem Boxenstopp kann immer etwas schiefgehen.

Erst die Strafe gegen Charles Leclerc fürs Abkürzen der Schikane in der letzten Runde brachte die Titelentscheidung. Sergio Perez kam auf der Strecke nicht vorbei, schlüpfte dafür aber im Nachgang durch. Mit einem zweiten Platz des Ferrari-Piloten hätte Verstappen den vorzeitigen Titelgewinn um einen Punkt verpasst.

Max Verstappen - Charles Leclerc - GP Japan 2022 - Suzuka
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Charles Leclerc war der große Gegner. Doch Verstappen war zu stark, Ferrari patzte zu oft.

Nach Frankreich auf siegessicher

Der Weltmeister sprach von einer Saison, die noch besser gelaufen sei als 2021. Red Bull startete mit leichtem Rückstand gegenüber Ferrari ins Jahr. "Doch wir waren schon ziemlich konkurrenzfähig. Das war eine Überraschung für uns." Weil Red Bull viel in den Titelgewinn 2021 investiert hatte. Die beiden Ausfälle in Bahrain und Australien im ersten und dritten Saisonrennen waren für Verstappen die negativen Punkte eines ansonsten fast makellosen Jahres.

Nach Paul Ricard sah er sich auf der Siegerstraße. Der große Rivale Leclerc hatte gepatzt, der Vorsprung stieg an. "Da dachte ich mir, diesen Titel geben wir nicht mehr aus der Hand. Wir hatten ein großes Polster und ein wettbewerbsfähiges Auto." Red Bull entwickelte den RB18 über die Saison zum besten Auto im Feld. Die Ingenieure stabilisierten den Anpressdruck und vergrößerten das Arbeitsfenster. Und sie speckten ihr Auto gewaltig ab.

Spa ist das persönliche Highlight. In Belgien fuhr Verstappen Kreise um die Konkurrenz. Er gewann trotz Startplatzstrafe lockerleicht. "Das war pure Dominanz. Wochenenden von dieser Sorte hast du nicht oft. Ich hatte nachts realisiert, dass mir da etwas Spezielles gelungen ist." Red Bull will jetzt auch noch den Konstrukteurs-Pokal erobern. Den ersten seit 2014.

Ein wichtiger Tag steht dem Team am Montag nach Suzuka bevor. Dort will die FIA die Zertifikate verschicken, wer 2021 innerhalb des Budgetdeckels lag und wer nicht. Die Konkurrenz glaubt, Red Bull lag darüber. Das Team bestreitet es. Es geht um mehrere Posten, über die Uneinigkeit mit den Buchprüfern der FIA herrscht. Bei Ferrari glaubt man, dass allein der Fakt, dass der Weltverband die Verkündung um ein paar Tage nach hinten verschoben hat, ein starkes Indiz dafür ist, dass da etwas im Busch ist.

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