Formel 1: Antonelli vs. Russell – Wie lange hält der Frieden bei Mercedes?

Antonelli läuft Russell den Rang ab
Hält der Hausfrieden bei Mercedes?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.05.2026
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Es ist eines der ältesten Gesetze der Formel 1. Jeder Pilot muss zunächst seinen Teamkollegen bezwingen. Wer das schafft, hat in der Regel eine lange Karriere in der Königsklasse vor sich und wird ein Kandidat für Top-Teams. George Russell ist das seit seinem Einstieg 2019, bis auf eine Ausnahme, immer gelungen. Während im ersten Jahr der an der rechten Hand beeinträchtigte Robert Kubica beim Speed keine Hürde darstellte, war in den Jahren 2020 und 2021 Nicholas Latifi nur ein Sparringspartner.

Das von Mercedes geförderte Talent stieg vor vier Jahren zum Werksteam auf und bekam es mit Lewis Hamilton zu tun. In drei Jahren gewann er zwei Mal das Duell. Hamilton verabschiedete sich 2025 zu Ferrari. Russell stieg zum Team-Kapitän auf. Sein neuer Stallgefährte wurde Andrea Kimi Antonelli. Mercedes hatte den damals 18-Jährigen ebenfalls seit Jahren gefördert. Er galt in Fachkreisen bereits als Wunderkind.

Antonelli erlebte in seiner Debütsaison einige Aufs und Abs. Das ist verständlich für einen Neuling, dennoch war die Presse häufig kritisch mit dem Mann aus Bologna. Einige Experten zweifelten daran, ob der Teenager wirklich so gut werden könne, wie angepriesen. George Russell hingegen überzeugte mit beeindruckender Konstanz. Zudem half dem Engländer, dass er mehr Erfahrung hatte und mit dem zur Saisonmitte schwierig zu fahrenden W16 besser umgehen konnte.

Russell gerät ins Hintertreffen

Teamchef Toto Wolff stellte sich öffentlich immer vor seinen Schützling. Hätte er Max Verstappen allerdings von Red Bull losgeeist bekommen, hätte wohl Antonelli Platz machen müssen. Doch der Ex-Champion blieb bei seinem Team und Antonelli durfte sein Cockpit neben Russell behalten.

Mercedes lieferte über den Winter ab. Der W17 gilt als Messlatte im ersten Jahr des neuen Technik-Reglements. Vor dem Saisonauftakt war George Russell der Top-Favorit bei den Buchmachern und der 28-Jährige kam mit dem Erfolg in Melbourne (8.3.) glänzend aus den Startlöchern. Antonelli wurde zwar Zweiter, hatte aber sein Auto im dritten Training abgelegt und sich auf den letzten Drücker noch qualifizieren können.

Nur eine Woche später schlug Antonellis große Stunde: Russell hatte mehr mit seinem Auto zu kämpfen als sein Teamkollege, der die Chance nutzte und sein erstes Rennen gewann. In Japan legte Antonelli nach und übernahm mit dem zweiten Sieg in Serie die WM-Führung. Russell wurde hingegen nur Dritter hinter McLaren-Mann Oscar Piastri.

Das Moment war gekippt. Trotz der fünfwöchigen Pause lief es für Russell auch in Miami schlechter als für Antonelli, der seinen dritten Erfolg in Serie einfuhr und trotz der Strafe im Sprint seinen Vorsprung in der Tabelle auf 20 Punkte ausbaute. Vor allem wie er dem Druck von Lando Norris im Rennen standhielt, brachte ihm Lobeshymnen ein. "Für mich war es sein bislang bestes Rennen. Es erinnert mich an seine Kart-Zeit oder die Zeit in der Formel 4. Er hat keine Fehler gemacht", schwärmte Toto Wolff.

George Russell - Mercedes - Formel 1 - GP Miami 2026
Wilhelm

Nächster Silberpfeil-Stress?

George Russell musste sich mit Rang vier begnügen und hat 21 Zähler Vorsprung auf Charles Leclerc im Ferrari. Sollte sich der Trend aus Miami fortsetzen, scheinen aber die McLaren-Piloten die größere Gefahr für Rennsiege zu sein. Sowohl auf Lando Norris als auch Oscar Piastri haben die Mercedes-Chauffeure jedoch einen Sicherheitsabstand.

Einen Nummer-1-Status gibt es bei den Silberpfeilen seit dem Abgang von Valtteri Bottas nicht mehr. Der Finne spielte nach dem Karriereende von Nico Rosberg die zweite Geige hinter Lewis Hamilton. Die beiden Rivalen hatten sich von 2014 bis 2016 auf und neben der Strecke bekämpft. Die Zeit kostete Toto Wolff viele Nerven. Einen erbitterten Zweikampf im eigenen Team will der Österreicher vermeiden. Aber geht das gut, wenn beide Fahrer um den Titel fahren?

"Er ist ein fantastischer Fahrer und seit Tag eins unglaublich schnell. Du kannst nicht alle Meisterschaften als junger Typ gewinnen, wenn du nicht den Speed dafür hast", lobte Russell in Miami Antonelli öffentlich. Eine verbale Spitze gab es noch von keinem der beiden Piloten.

Laut dem ehemaligen F1-Pilot Juan Pablo Montoya muss Russell aber beim nächsten Grand Prix in Kanada (24.5.) schnell die Wende schaffen und sieht eine große Chance für Antonelli. "Wenn er George dort schlagen kann, hat er ihn mental im Griff und das ist immens." Das sieht der Teamchef erwartungsgemäß anders. "Ich habe immer gesagt, dass George kein Grand-Prix-Sieger wäre, wenn er kein Killer wäre", stellte sich Wolff vor Russell und schob hinterher: "Es sind noch 18 Rennen zu fahren und viele Punkte zu holen. Es ist nicht wichtig, darüber nachzudenken, was am Ende des Jahres sein könnte."

Fazit