McLaren MCL35M - Formel 1 - 2021 McLaren
McLaren MCL35M - Formel 1 - 2021
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McLaren MCL35M - Formel 1 - 2021 23 Bilder

Neuer McLaren MCL35M für 2021: Bilder und Infos

Neuer McLaren MCL35M für 2021 Mercedes-Power für Ricciardo

McLaren hat als erster Rennstall sein neues Auto für die Saison 2021 präsentiert. Die Entwicklung fand im Detail und hauptsächlich unter der Verkleidung statt. Mit dem Mercedes-Motor will McLaren den Abstand zum Klassenbesten Mercedes verringern.

Die Statistik spricht für McLaren. Daniel Ricciardo und Lando Norris treten wie üblich mit ihren Startnummern drei und vier an. Die beiden Glückszahlen hatte McLaren zuletzt 2012 auf seinen Autos. Es war die letzte Saison, in der McLaren Rennen gewonnen hat. Damals steckte ein Mercedes-Motor im Heck. So wie jetzt wieder nach einer Pause von sieben Jahren.

McLaren ist seit 2017 auf dem Weg der Besserung. Innerhalb von vier Jahren steigerte sich der zweitälteste Rennstall der Königsklasse auf den dritten Platz. Da bleibt nicht mehr viel Luft nach oben. Ein zweiter oder dritter Platz wäre vermessen. Da müsste McLaren ja schon Red Bull oder den neuen Motorenpartner Mercedes schlagen.

Bester Mercedes-Kunde gefällt McLaren-Chef Zak Brown als Zielsetzung aber auch nicht: "Wir dürfen nicht in diesen Dimensionen denken. Unser Ziel muss sein, näher an das beste Auto heranzukommen, welches auch immer das ist."

Die Sonderrolle von McLaren

Teamchef Andreas Seidl präzisiert die Aufgaben, die er und das Team sich für die 56. Formel 1-Saison von McLaren seit 1966 gestellt haben. "Auf der Fahrzeugseite den Abstand zu Mercedes weiter verringern. Wir wollen uns bei den Boxenstopps verbessern und auf der Seite der Haltbarkeit und der Strategie das hohe Niveau der Vorsaison halten."

"Realistisch gesehen werden wir uns wieder im Kampf zwischen Platz drei und sechs befinden. Wir rechnen damit, dass Ferrari zurückkommt, und Alpha Tauri darf man auch nicht unterschätzen. Sie waren letztes Jahr schon stark und werden die Synergien mit Red Bull eher noch ausweiten."

McLaren MCL35M vs. MCL35 - Formel 1 - 2021
McLaren
Der Umbau auf den Mercedes-Motor ist auch von außen sichtbar. Die Lufthutze in der Airbox ist nur noch in drei Kanäle unterteilt.

McLaren spielt in dieser Saison wegen seines Motorwechsels eine Sonderrolle. Mit Mercedes und Daniel Ricciardo kommen zwei Faktoren in die Partnerschaft, die an anderer Stelle schon GP-Siege eingefahren haben.

Der Umstieg von Renault zu Mercedes verschaffte McLaren Privilegien und Einschränkungen. Als einziger Teilnehmer durfte der britische Traditionsrennstall das Chassis und das Getriebe anfassen, um den Einbau des neuen Motors und seines Kühlsystems zu ermöglichen. "Wir durften am Chassis und am Getriebe aber nur Punkte verändern, die direkt mit der Motorinstallation zu tun haben. Das ist nicht ganz optimal im Vergleich zu totaler Freiheit", relativiert Technikchef James Key.

Auf Papier weniger Abtrieb

Dafür bekam McLaren im Gegensatz zur Konkurrenz keinerlei Entwicklungs-Token zugesprochen. Größere Eingriffe außerhalb der Aerodynamik musste die Truppe um Key vor der Frist Ende September 2020 abarbeiten. McLaren baute im Eilverfahren eine neue und schlankere Nase und modifizierte die Radträger.

Bei der Nase schenkte man wegen des Zeitdrucks das ein oder andere Gramm her, und sie hätte vielleicht auch noch eine Windkanalschleife mehr vertragen, aber dafür, so Teamchef Seidl, "konnten wir damit schon Erfahrung auf der Strecke sammeln und Fehler aussortieren."

Die strengen Homologationsbestimmungen für diese Übergangssaison vor dem großen Neustart 2022 verhindern quer durch das Feld, dass das Rad neu erfunden werden kann. Trotzdem steht die Entwicklung in der Formel 1 nicht still. Der nach hinten abgeschrägte Unterboden, die eingeschränkten Bremsbelüftungen hinten und die gekürzten Diffusor-Bleche – wie vom neuen Reglement vorgeschrieben – verlangten umfangreiche Gegenmaßnahmen.

McLaren MCL35M vs. MCL35 - Formel 1 - 2021
McLaren
Der Einschnitt des Unterbodens vor den Hinterrädern ist vom Reglement vorgeschrieben.

Auf dem Papier ergibt die kastrierte Aerodynamik rund um die Hinterräder einen Verlust von knapp zehn Prozent Abtrieb. Das Abdichten des Diffusors gegen Luftverwirbelungen durch die Hinterreifen ist deutlich schwieriger geworden. Trotzdem hoffen die McLaren-Ingenieure, dass sie die Saison auf dem Stand von 2020 beginnen können.

Selbst wenn man zunächst noch Verluste von der Aerodynamik in Kauf nehmen muss. Die sollte der Mercedes-Motor kompensieren. Wie viel genau der Mercedes-Bonus ausmacht, wird das erste Rennen in Bahrain zeigen. Die Motorenstrecke lässt direkt einen guten Vergleich zu.

Schrittweise zum 2021er Abtrieb

McLaren will sich schrittweise den alten Abtriebswerten annähern. "Mit dem Präsentationsmodell haben wir uns bereits einen Teil des theoretisch verloren gegangenen Anpressdrucks zurückgeholt. Den zweiten Schritt erledigen wir mit der Spezifikation für das erste Rennen. Mein Gefühl sagt mir, dass wir am Ende alles zurückholen. Wissen werden wir es aber erst beim Auftaktrennen", erklärt Key.

Die deutlichsten Neuheiten am MCL35M finden sich im hinteren Bereich des Autos. Nach dem Vorbild von Mercedes folgen die Seitenkästen nun den Elementen, die sie verdecken, was ihnen einen wellenförmigen Verlauf mit mehreren kleinen und großen Bäuchen verleiht und mehr Fläche auf dem Unterboden schafft. Die Spiegel sind ein Stück weiter innen am Cockpit montiert und die Kühlrippen wanderten ein paar Zentimeter nach oben.

Der Einlass der Airbox bekam eine neue Form und hat nur noch drei statt vier Kanäle. Es fehlt die Zusatzöffnung unter dem ovalen Einlass. Die Heckflügelendplatten wurden neu gestaltet. Sie erinnern nun an Red Bull und Hasa. An den Leitblechen sind dagegen nur in Nuancen Änderungen zu erkennen. Der Frontflügel ist noch der alte. Man darf davon ausgehen, dass wir in Bahrain das Modell 2021 zu Gesicht bekommen und dass auch die Vorflügel vor den Kühleinlässen ihre Form und Zusammenstellung noch verändern.

Daniel Ricciardo - McLaren - F1 - 2021
McLaren
Daniel Ricciardo bringt die Sieger-Mentalität zurück zu McLaren. Der Einstieg fiel wegen Corona allerdings etwas schwieriger aus als sonst.

Ein Auto aus dem Home Office

Der neue McLaren entstand wegen der Corona-Pandemie größtenteils im Home Office. Und war trotzdem früher fertig als alle Mitbewerber und Vorgänger. Die Teamleitung führt das auf die schlankeren Strukturen und kürzeren Entscheidungswege zurück. "Es war trotz Corona ein reibungsloser Ablauf bei der Entwicklung. Obwohl wir wegen des Motorwechsels das ganze Auto neu bauen mussten, lagen mit dem ersten Anlassen des Motors am 26. Januar sogar noch vor dem Zeitplan", lobt Seidl.

Offen ist noch, wann die Ingenieure voll auf die Entwicklung des 2022er Autos umschwenken können. Viel wird davon abhängen, wie sich McLaren bei den ersten Rennen im Konkurrenzumfeld schlägt. Das kann ein Gewissenskonflikt werden, wenn der angestrebte Kampf um Platz drei vielleicht noch einen Entwicklungsschritt verlangt. Gewinnt das Herz des Racers oder die Vernunft?

"Das klare Ziel ist möglichst früh auf 2022 umzuschwenken. Die Entwicklung für das 2022er Auto läuft parallel zum 2021er Auto. Hier die richtige Balance zu finden ist die große Herausforderung. Wir haben einen Plan wie wir das angehen möchten", betont Seidl.

Der WM-Dritte will das große Ziel nicht aus den Augen verlieren und mittelfristig wieder ganz vorne mitfahren. Und dazu braucht man einen guten Start in die neue Ära. Bei weiter eingeschränkter Windkanalzeit und CFD-Nutzung zählt jede Stunde.

Ricciardo schießt sich online auf McLaren ein

McLaren hat nicht nur beim Motor aufgerüstet. Die Fahrerpaarung zählt zu den besten im Feld. Zu Supertalent Lando Norris gesellt sich mit Daniel Ricciardo ein amtlich beglaubigter Siegfahrer. Der Australier trainierte über den Winter in den USA und verlegte Anfang Februar sein Basislager nach England.

Seidl verrät: "Lando geht mit uns in seine dritte Saison. Er hat sich mit dem Team entwickelt und sich jedes Jahr gesteigert. Daniel ist ein First-Class-Racer, bringt viel Erfahrung mit und ist zudem noch ein super Charakter, der sich schnell ins Team integriert hat. Wir haben ihn online darauf vorbereitet wie wir arbeiten, sind verschiedene Themen durchgegangen wie Lenkrad und Systemeinstellungen. Seit er bei uns ist kamen Sitzanpassungen und Simulatortests dazu."

Daniel Ricciardo - McLaren - F1 - 2021
McLaren
Ricciardo nimmt das Orange seines Autos auch im neuen Helm auf. Der Australier liebt es bekanntlich farbenfroh.

Die Mischung stimmt. Daniel Ricciardo ist zehn Jahre älter als sein Teamkollege. "Und trotzdem kann ich von Lando lernen. Ich habe mehr Formel-1-Erfahrung, er hat mehr McLaren-Erfahrung." Der 31-jährige Australier hat sich für drei Jahre bei seinem fünften Rennstall nach HRT, Toro Rosso, Red Bull und Renault verpflichtet.

Die ungewöhnlich lange Dauer zeigt, dass er an das Team glaubt: "McLaren befindet sich auf einem guten Weg. In den letzten Jahren wurde viel in die Infrastruktur und in den Neuaufbau des Teams investiert. Ich hoffe, dass ich ein weiterer Stein in dem Puzzle sein kann. Mit drei Jahren habe ich mir genug Zeit gegeben, das Ziel zu erreichen."

Lando Norris sieht in dem Neuzugang eine neue Messlatte auf dem Weg zum absoluten Spitzenfahrer: "Daniel ist gut in jedem Bereich. Er weiß, wie man auf das Podium und um Siege fährt. Für mich ist das die Chance, mein Spektrum an Erfahrungen zu erweitern. Ich werde von ihm andere Dinge lernen als von Carlos." Ein klares Ziel hat sich der 21-jährige Engländer noch nicht gesetzt: "Ich will so in die Saison einsteigen wie ich letztes Jahr aus der Saison ausgestiegen bin."

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