Die FIA hat auf die Herausforderungen und Probleme der ersten vier Grands Prix in dieser Saison reagiert. In einer Online-Sitzung der Formel-1-Kommission am Freitag (8.5.) wurden signifikante Änderungen für 2027 verabschiedet.
Das Ziel der Anpassungen ist es, die Charakteristik der Power Units zu verändern und die Abhängigkeit von komplexen Ladestrategien zu verringern. Seit Monaten gab es innerhalb und außerhalb des Formel-1-Zirkus viel Kritik am in den Augen vieler Beobachter zu künstlichen Racing. Superstar Max Verstappen war einer der schärfsten Kritiker der neuen Hybrid-Ära.
Die zentrale Änderung betrifft die Leistungsabgabe der Aggregate. Die Verantwortlichen wollen dem abrupten Einbrechen der Geschwindigkeit auf den Geraden vorbeugen. Das passierte vor allem in den ersten Rennen häufig, weil die Elektro-Energie zu schnell aufgebraucht war. Deshalb wird die Rolle des Verbrennungs-Motors gestärkt:
- Verbrennungs-Motor: Die Leistung des V6 wird durch eine Erhöhung der Kraftstoffdurchflussrate um etwa 50 kW (ca. 67 PS) angehoben.
- Elektro-Motor: Die maximale Leistung der MGU-K wird im Gegenzug um 50 kW reduziert.
Mit dieser Maßnahme reagiert der Verband auf den "wertvollen Input" der Fahrer aus den ersten Saisonrennen. Die Piloten hatten wiederholt kritisiert, dass das extreme Energiemanagement den reinen Rennsport überlagere. Durch die Verschiebung soll der Fahrverlauf wieder intuitiver werden, da mehr Grundleistung über den klassischen V6-Turbo zur Verfügung steht. Wegen des nahezu 50:50-Splits zwischen Verbrenner und Elektro-Motor, müssen die Fahrer am Ende der Geraden Sprit verbrennen, damit die MGU-K beim sogenannten Super-Clipping elektrische Energie für die Batterie generiert.
Nachjustierung im laufenden Betrieb
Rückblickend bewertete die Kommission die technischen Anpassungen beim Großen Preis von Miami als Erfolg. Dort war kurzfristig am Protokoll zur Energierückgewinnung geschraubt worden, um das übermäßige Laden der Batterie (Super-Clipping) einzudämmen. Diese Erfahrungen fließen nun direkt in die langfristige Reglement-Gestaltung ein.
Neben der Motoren-Frage wurden weitere operative Details für die laufende Saison besprochen. Für den kommenden Grand Prix in Kanada stehen Verbesserungen der visuellen Warnsysteme an den Fahrzeugen sowie Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit bei Regenrennen auf der Agenda. Zudem wird die Heiztemperatur für Intermediate-Reifen bei kühlen Bedingungen leicht angehoben, um den Fahrern mehr Grip in der entscheidenden Startphase zu ermöglichen.
Die Beschlüsse zur Motorenformel 2027 müssen nun noch formal per E-Mail-Abstimmung durch den Motorsport-Weltrat (WMSC) bestätigt werden. Damit vollzieht die Formel 1 eine frühe Korrektur ihres ehrgeizigen Hybrid-Weges, den sie erst mit dem diesjährigen Technik-Reglement eingegangen war.












