Bulgarien ist in der Vergangenheit nicht gerade als Land mit großer Motorsport-Begeisterung in Erscheinung getreten. Doch Nikola Tsolov ist gerade dabei, einen schlafenden Riesen zu wecken. Seitdem der 19-Jährige in der Formel 2 um den Titel kämpft, ist in seiner Heimat eine wahre Euphorie ausgebrochen. Man mag sich nicht vorstellen, was passiert, wenn es wirklich klappt mit dem Aufstieg in die Königsklasse.
Von 2022 bis 2024 war das Nachwuchstalent noch in Alpine-Farben unterwegs. Doch seit dem Wechsel in den Junior-Kader von Red Bull nahm die Karriere richtig Fahrt auf. 2025 beendete Tsolov seine zweite Formel-3-Saison als Vizemeister. In der Formel 2 knüpfte der Youngster aus Sofia dieses Jahr direkt an die starken Leistungen an. Nach vier Siegen liegt Tsolov aktuell auf Rang zwei der Fahrerwertung – nur zwei Zähler hinter Spitzenreiter Gabriele Mini.
Die Rufe werden immer lauter, dem Ausnahmetalent auch mal eine Chance in einem Formel-1-Auto zu geben. Doch bis auf einen Auftritt in einem alten Red Bull RB7 von 2011 im Rahmen eines Showruns in Sofia blieben die Rennwagen der Königsklasse dem Youngster bisher verwehrt. Doch spätestens nach dem dominanten Formel-2-Sieg am vergangenen Wochenende beim Red-Bull-Heimspiel in Österreich wächst der Druck auf die Verantwortlichen.

Der Formel-2-Sieg beim Red-Bull-Heimspiel in Österreich kam für Nikola Tsolov zum richtigen Zeitpunkt.
TPC-Test schon in Planung
Mit den verpflichtenden Rookie-Einsätzen in den ersten Trainings gäbe es eigentlich eine gute Gelegenheit, dem Teenager die Möglichkeit zu geben, sein Talent auch mal in einem Grand-Prix-Rennwagen zu zeigen. In Spielberg durfte aber der japanische Ersatzfahrer Ayumu Iwasa für Liam Lawson in der Auftaktsession einspringen. Die Regel, dass Stammfahrer zwei Mal pro Saison aussetzen müssen, gilt übrigens nicht für Teamkollege Arvid Lindblad. Rookies dürfen alle FP1-Sessions fahren.
Bei Red Bull laufen aber schon die Vorbereitungen, dass Tsolov wenigstens den zweiten Ersatz-Einsatz für Lawson absolvieren darf. Dafür benötigt der Teenager eine sogenannte Trainings-Lizenz. Diese stellt die FIA aus, wenn ein Fahrer 25 Super-Lizenz-Punkte auf dem Konto hat. Zum Vergleich: Für eine Teilnahme an einem Grand Prix ist die richtige Super Lizenz nötig, die es ab 40 Zählern gibt.
Eigentlich hat Tsolov mit dem zweiten Platz in der Formel 3 die notwendigen 25 Punkte schon in der Tasche. Doch offenbar reicht das noch nicht, wie Racing-Bulls-Geschäftsführer Peter Bayer am Sky-Mikrofon erklärte: "Wir überlegen uns gerade, dass wir mit ihm einen TPC-Test absolvieren wollen, weil er ja für das Fahren im Freien Freitagstraining eine Lizenz braucht. Da fehlen ihm noch ein paar Kilometer unterm Gürtel. Und das planen wir jetzt für den Herbst."

Bei einem Formel-1-Showrun in seiner Heimat Sofia durfte Tsolov schon einmal in den Racing-Bulls-Anzug schlüpfen.
Formel-1-Aufstieg noch nicht fix
Bei sogenannten TPC-Tests, die während der Saison absolviert werden dürfen, kommen Rennwagen der letzten Generation zum Einsatz. Hierbei soll sich Tsolov an die höheren Geschwindigkeiten in einem modernen Formel-1-Renner gewöhnen. Danach steht einem ersten Freitagseinsatz am Ende der Saison nichts mehr im Weg.
Einge Medien hatten bereits spekuliert, dass der Aufstieg des Bulgaren für 2027 bereits fix sei. Das dementierte Bayer jetzt: "Das sind nur Gerüchte. Er macht einen tollen Job und ist ein ganz großes Talent, das wir natürlich auf dem Radar haben. Aber wir haben gerade einmal sieben Rennen gefahren und Liam und Arvid machen einen genauso tollen Job. Das ist also gerade überhaupt kein Thema."
Sollte sich Tsolov aber tatsächlich den Meistertitel in der Formel 2 sichern, müssen sich die Red-Bull-Verantwortlichen etwas einfallen lassen. Der F2-Champion muss die Nachwuchsserie bekanntlich immer verlassen. Damit dürfte auch der Druck auf Lawson und Lindblad steigen.












