Die Leistungen von Audi sollte man nicht unterbewerten. Als neuer Motorenbauer hat man es in der Formel 1 besonders schwer. Nicht nur der Antrieb selbst, sondern auch das Getriebe und Teile der Hydraulik bezog das neuformierte Werksteam früher von Ferrari. Jetzt muss man alles selbst entwickeln und produzieren. Dabei sind die Ingenieure über einige Probleme gestolpert.
Das Beispiel von Aston Martin zeigt, wie kompliziert die Aufgabe ist. Die Briten fahren trotz Milliarden-Investitionen meilenweit hinterher. Und hier alleine Honda den schwarzen Peter zuzuschieben, wäre nicht ganz fair. Umso höher ist es einzuschätzen, dass Audi in den ersten Rennen zumindest immer ordentlich im Mittelfeld mitschwimmen konnte.
Schlechte Starts, unglückliche Strategieentscheidungen und Zuverlässigkeitsprobleme, die ihren Ursprung zum Großteil im operativen Bereich hatten, sorgten allerdings dafür, dass der Neuling unter den Werksteams seit Melbourne keine Punkte sammeln konnte. In Montreal ließen die falsche Reifenentscheidung der Fahrer am Start sowie das Problem, die Reifen ins Arbeitsfenster zu bekommen, alle Punkteträume zerplatzen.

Audi hat Probleme beim Herausbeschleunigen aus langsamen Kurven.
Schwächen in langsamen Kurven
Beim Klassiker in Monaco will man einen neuen Anlauf starten. Für den Start der Europa-Saison hat sich hoher Besuch angekündigt. Audi-Chef Gernot Döllner will sich die Entwicklung seines Rennstalls aus der Nähe ansehen. Dazu feiert das neue Motorhome des Teams seine Premiere. Audi hat die alte Hospitality, die noch aus BMW-Sauber-Zeiten stammte, in der Winterpause in Rente geschickt.
Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass der enge Stadtkurs dem R26 liegen könnte. Audi kämpft bekanntlich mit einem nicht unerheblichen Leistungsdefizit. Mangels langer Geraden sollte der schwache Motor in den engen Gassen des Fürstentums keine allzu große Rolle spielen.
Der Antrieb ist aber nicht die einzige Achillesferse. Was in Monaco schwerer zum Tragen kommt, ist die Schwäche in langsamen Kurven und bei der Traktion. Die hat mehrere Ursachen: Das Getriebe des Audis ist in den unteren Gängen etwas lang übersetzt. Dazu kommt die schlechte Fahrbarkeit, die vor allem langsame Passagen in niedrigen Gangstufen betrifft. Das haben die Piloten schon in Montreal bemängelt.

Nico Hülkenberg dürfte von Monaco nicht zu viel erwarten. In Barcelona sollte es danach wieder besser laufen.
Schlechtes Ansprechverhalten des Turbos
Der Audi R26 ist zudem mit einem relativ großen Turbo bestückt, der Defizite beim Ansprechverhalten hat. Das wirkt sich vor allem beim Beschleunigen aus niedrigen Drehzahlen negativ aus. Die genannten Faktoren sind auch für die schwachen Starts der Audi-Piloten verantwortlich. Die Teamführung hat die Probleme aber schon erkannt und Gegenmaßnahmen eingeleitet. So einfach zu lösen sind sie aber nicht.
Beim Getriebe kann man mit einer geänderten Übersetzung für etwas Linderung sorgen. Problematischer ist die schlechte Fahrbarkeit, deren Hauptursache in der Software und der Motor-Elektronik verborgen liegt. Laut Hülkenberg müssen sich die Piloten hier noch etwas gedulden, bis Abhilfe geschaffen wird. Als neuer Motorhersteller muss Audi in diesem Bereich noch Kompetenzen aufbauen.
Die Stärken des Audi R26 kommen in Monaco leider nicht zum Tragen. Das Auto besticht vor allem durch seine aerodynamische Effizienz. Gute Abtriebswerte bei gleichzeitig niedrigem Luftwiderstand – diese Kombination hilft aber vor allem in schnellen Kurven. Auch mit der Balance sind die Fahrer zufrieden. Erst auf der Allrounder-Strecke in Barcelona (14.6.) sollte dann wieder besser laufen.












