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Williams - Formel 1 - GP Portugal 2021
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Tod von Sir Frank Williams: Der eiserne General

Sir Frank Williams ist tot Abschied vom eisernen General

Die Formel 1 beklagt den Verlust einer ihrer größten Persönlichkeiten. Sir Frank Williams ist im Alter von 79 Jahren verstorben. Der "eiserne General" prägte als eines der Gesichter die Formel 1 über fünf Jahrzehnte. Und gewann mit seinem Team sieben Mal die Fahrer-Weltmeisterschaft und neun Mal den Marken-Pokal.

Es ist der Abschied von einer Legende. Die Formel 1 reagiert bestürzt auf den Tod von Sir Frank Williams. Ein Mann, der sich gegen alle Widerstände durchsetzte. Dem lange das Geld fehlte, um einen schlagkräftigen Rennstall aufzubauen, der am Ende aber doch neun Mal Konstrukteurs-Weltmeister war. Den ein Verkehrsunfall 1986 in den Rollstuhl verbannte, ihm aber nicht den Lebenswillen raubte.

Die Nachricht ereilte die Formel 1-Gemeinschaft am Sonntag (28.11.2021). "Mit großer Trauer kann das Team im Namen der Familie Williams den Tod von Sir Frank Williams CBE, Gründer und ehemaliger Teamchef von Williams Racing, im Alter von 79 Jahren bestätigen", heißt es in einem Statement des Rennstalls aus dem englischen Grove.

"Nachdem er am Freitag ins Krankenhaus eingeliefert worden war, ist Sir Frank heute Morgen friedlich im Kreise seiner Familie gestorben. Heute zollen wir unserem geliebten und inspirierenden Aushängeschild Tribut. Frank wird uns sehr fehlen. Wir bitten alle Freunde und Kollegen, die Wünsche der Familie Williams nach Privatsphäre zu diesem Zeitpunkt zu respektieren."

Formel 1-Chef Stefano Domenicali ehrte den eisernen General, der mit seiner Mannschaft 114 Grand Prix-Siege und 128 Pole Positions verbuchte. "Er war ein wahrer Gigant unseres Sports, der die größtmöglichen Herausforderungen im Leben annahm und sie bestand. Er hat jeden Tag gekämpft, um auf und abseits der Rennstrecke zu gewinnen. Wir haben ein sehr geliebtes und sehr respektiertes Mitglied der Formel 1-Familie verloren. Er wird von allen Seiten sehr vermisst werden. Seine Erfolge und seine Persönlichkeit werden nie vergessen."

Frank Williams - Ayrton Senna - Formel 1 - 1994
Motorsport Images
Ayrton Senna und Frank Williams: Der Tod des Brasilianers 1994 war die schwerste Stunde für den Rennstall.

Williams ohne Geld

Frank Williams wurde am 16. April 1942 im englischen South Shields geboren. Er wuchs als Sohn eines Offiziers der Luftwaffenstreitkräfte (Royal Air Force) auf, und begeisterte sich früh für den Motorsport. Es war eine Leidenschaft, die ihn zeitlebens nie mehr loslassen sollte. Obwohl sich vor Frank Williams allerlei Hindernisse auftürmten, die er aber stets zu überwinden wusste.

Es begann mit dem Verkauf und Handel von gebrauchtem Rennwagenzubehör. Und setzte sich fort mit der Gründung eines eigenen Rennteams Mitte der 1960er-Jahre. Williams fuhr Formel 3, dann Formel 2 und stieg schließlich mit eingekauften Chassis in die Formel 1 auf. Der Engländer und seine Mannschaft lebten, wie man so schön sagt, von der Hand in den Mund. Es fehlte eigentlich das Budget, um in der Königsklasse mitzumischen. Um wirklich erfolgreich zu sein. Es brauchte Kredite, und vor allem Leidenschaft wie Durchhaltevermögen.

Schwere Rückschläge kennzeichneten den Weg, der ihn zu einem der größten Teamchefs der Geschichte machte. Der Tod von Piers Courage beim Großen Preis der Niederlande 1970. Williams verlor nicht nur einen Rennfahrer, sondern auch einen Freund. Der Tod von Ayrton Senna in Imola 1994, der im Williams doch eigentlich die Formel 1 hätte dominieren sollen. Es war die wahrscheinlich schwärzeste Stunde für den Traditionsrennstall.

Erster Williams-Sieg 1979

Es brauchte zwei Versuche, bis sich Williams überhaupt in der Formel 1 etablieren konnte. Geldsorgen trieben ihn beim ersten Mal in den Zusammenschluss mit dem austro-kanadischen Unternehmer Walter Wolf, und schlussendlich aus dem eigenen Rennstall. Er baute zusammen mit Patrick Head einen neuen auf und meldete sich 1978 auf der großen Bühne zurück. Diesmal allerdings unter anderen Vorzeichen.

Jahrelang hatte Frank Williams jeden Cent umdrehen müssen. Jahrelang hatte er nach jedem Strohhalm greifen müssen, um den Betrieb am Laufen zu halten. Nun aber hatte Frank Williams zahlungskräftige Sponsoren aus Saudi-Arabien an der Hand, die den Rennstall auf eine solide Basis stellten.

Der Erfolg stellte sich nach dem Neuaufbau schnell ein. 1979 feierte Williams mit Clay Regazzoni ausgerechnet beim Heimspiel in Silverstone den ersten GP-Sieg. Spätestens da war der Rennstall nicht mehr aus der Formel 1 wegzudenken. 2012 errang Pastor Maldonado in Spanien den 114. und vorerst letzten Erfolg für den drittältesten Rennstall der Formel 1 nach Ferrari und McLaren.

Dazwischen liegen sieben Fahrer- und neun Konstrukteurs-Pokale. Der erste 1980 als Team und mit dem Australier Alan Jones als Weltmeister. Der letzte mit Jacques Villeneuve 1997. Damals setzte sich der Kanadier trotz Rammstoß von Michael Schumacher durch – und Williams gegen Ferrari. Danach allerdings kamen keine weiteren Weltmeisterschaften mehr hinzu. Williams schloss sich mit BMW zusammen (2000-2005), jedoch setzte die englisch-bayerische Allianz nie zum Höhenflug an. Ferrari war Anfang der 2000er zu dominant.

Claire Williams - Frank Williams - Formel 1 - GP England 2019
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Claire und Frank Williams beim GP England 2019 in Silverstone.

1999 zum Ritter geschlagen

Der größte Schicksals-Schlag schränkte Sir Frank körperlich ein, doch er minderte nicht die Leidenschaft, nicht den Lebenswillen, nicht die Arbeitswut des eisernen Generals, der auch mal Weltmeister vor die Tür setzte. Nach Testfahrten in Paul Ricard im März 1986 wollte der Engländer zu schnell an den Flughafen – und bezahlte es mit einem schweren Verkehrsunfall, der ihn für das restliche Leben an den Rollstuhl kettete. Eine Querschnittslähmung machte den zuvor leidenschaftlichen Läufer zum Pflegefall. Er ertrug es, ohne zu klagen.

Allerdings tauchte Sir Frank, der 1999 von Queen Elizabeth II zum Ritter geschlagen wurde, schnell wieder an den Rennstrecken dieser Welt auf. Er blieb ein Besessener. Ein Getriebener. Einer, der sich zu 100 Prozent dem Motorsport verschrieb. Ein Energie-Bündel im Rollstuhl. Er war kein Genie des Rennwagen-Baus wie Colin Chapman, dafür aber ein guter Organisator. Er hatte ja mit Technikchef Patrick Head einen kongenialen Partner.

Frank Williams suchte die Herausforderung, und die Formel 1 gab sie ihm. Er war ein Arbeitstier, das Weihnachten lieber im Büro verbrachte als zu Hause bei der Familie. Den es nach der eigenen Trauung nicht zur Feier, sondern erst einmal an den Arbeitsplatz trieb.

Sir Frank Williams gehörte seit der 1970er Jahre zum Fahrerlager-Inventar. Er war einer dieser klassischen englischen Garagisten, die aus wenig viel machten – dank Herzblut. In den letzten Jahren zog er sich immer weiter zurück und tauchte nur noch gelegentlich am Rennplatz auf. Zum Beispiel 2019 als ihn Lewis Hamilton in einem Straßenauto um den Kurs von Silverstone fuhr.

Der Verkauf von Williams

Da hatte der rüstige Engländer seine Aufgaben schon längst weitergegeben. 2016 schwächte ihn eine Lungenentzündung. Frank reichte den Staffelstab endgültig an seine Tochter Claire weiter, die sich fortan noch stärker um die Geschäfte kümmerte. Jedoch ohne, dass sich der Erfolg wieder einstellte. Das Geld blieb stets ein Faktor. Auch Bernie Ecclestone soll dem Team mehrmals ausgeholfen haben. Im August 2020 verkaufte Williams den Rennstall an die private US-Investment-Firma Dorilton Capital. Der Dino ist seither nicht mehr in Familienbesitz, behält aber seinen Namen.

Auch wenn die persönlichen Erinnerungen an eine Hollywood-reife Lebensgeschichte in den letzten Jahren mehr und mehr verblassten – Sir Frank Williams hat sich in den Geschichtsbüchern verewigt. Er wird für immer unvergessen bleiben.

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