Der Kraftprotz geht in die nächste Runde, Mercedes-AMG hat den neuen GLE 63 präsentiert. Damit folgt das High-Performance-Flaggschiff auf das Ende Mai vorgestellte generelle Facelift der Baureihe. Den "63er" wird es wieder als klassischen Steilheck-SUV und als Coupé (siehe Video oben) geben.
Auf den ersten Blick fallen die neue Frontpartie mit dem markanten AMG-Kühlergrill, größere Lufteinlässe und die überarbeitete Lichtsignatur mit den stilisierten Mercedes-Sternen als Tagfahrlicht-LED auf. Die eigentliche Neuheit steckt jedoch unter der Motorhaube. Der Vierliter-Biturbo-V8 feierte Anfang des Jahres im Mercedes S 580 Premiere und zieht jetzt in einer leistungsstärkeren Variante in den Power-SUV ein.
Achtzylinder mit Flatplane-Kurbelwelle
Der M177 Evo genannte Achtzylinder bleibt im GLE 63 mit 612 PS und 850 Newtonmetern auf dem Leistungsniveau seines Vorgängers. Dennoch handelt es sich nicht um ein einfaches Update des bisherigen Motors. Im Hinblick auf weltweite moderne Abgasnormen bis hin zur Euro-7-Norm wurde der Achtzylinder praktisch neu konstruiert. Die größte Umstellung dabei ist der Einsatz einer sogenannten Flat-Plane-Kurbelwelle – eine Technik, die bislang vor allem bei Hochleistungssportwagen zum Einsatz kam.
Während bei einem klassischen V8 die Hubzapfen der Kurbelwelle um 90 Grad versetzt angeordnet sind, liegen sie bei der Flatplane-Ausführung in einer Ebene mit 180 Grad Versatz – daher der Name "Flat Plane", flache Ebene. Das reduziert die rotierenden Massen und lässt den Motor leichter hochdrehen. Zusätzlich verbessert die Konstruktion die Strömungsverhältnisse auf der Abgasseite. Die Abgasimpulse treffen gleichmäßiger in der Abgasanlage ein, wodurch die Brennräume effizienter gespült werden können; ein wichtiges Detail für die Reduzierung der Emissionswerte.
Neben der neuen Kurbelwelle bietet die Maschine im Vergleich zum Vorgänger weitere technische Änderungen. Mercedes-AMG nennt unter anderem eine überarbeitete Einlassnockenwelle, neu gestaltete Ein- und Auslasskanäle, ein optimiertes Einspritzsystem sowie Modifikationen an den Turboladern. Hinzu kommt eine überarbeitete Abgasnachbehandlung mit serienmäßigem Partikelfilter.
Hybrid-Unterstützung
Unterstützung erhält der Verbrenner von einem integrierten Startergenerator der zweiten Generation. Das 48-Volt-System liefert bei Bedarf zusätzliche 23 PS und 205 Newtonmeter. Vor allem beim Anfahren und bei niedrigen Drehzahlen hilft die Elektromaschine dabei, den Leistungsaufbau zu unterstützen und den Motor spontaner wirken zu lassen. Die Fahrleistungen bleiben entsprechend brachial, erst recht für einen SUV dieser Gewichtsklasse. Der GLE 63 S sprintet in 3,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und erreicht bis zu 280 km/h. Die Kraft gelangt über das AMG-Speedshift-TCT-9G-Getriebe an den vollvariablen Allradantrieb AMG Performance 4-Matic+.
Passend zum neuen Motor entwickelte AMG auch die Performance-Abgasanlage weiter. Der Auspuff verfügt über elektrisch gesteuerte Klappen, die Lautstärke und Klang je nach Fahrprogramm zwischen nachbarschaftstauglich und Angriffsmodus verändern; Mercedes nennt letzteres "emotionale Präsenz".
Adaptive Luftfederung
Auch beim Fahrwerk haben die Affalterbacher Hand angelegt. Das serienmäßige AMG Ride Control+ kombiniert Luftfederung mit adaptiver Dämpfung und passt sich laufend an die jeweilige Fahrsituation an. Je nach Fahrprogramm verändert sich nicht nur die Dämpfercharakteristik, sondern auch die Fahrzeughöhe. Für den Geländemodus "Trail" steigt die Bodenfreiheit um 55 Millimeter, während sich das Fahrzeug in den sportlichen Fahrprogrammen um zehn Millimeter absenkt.
Zur Serienausstattung gehört außerdem die aktive Wankstabilisierung AMG Active Ride Control. Elektromechanische Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse reduzieren Karosseriebewegungen in Kurven und sollen für ein präziseres Fahrverhalten sorgen. Unterstützt wird das System von einem elektronisch geregelten Hinterachs-Sperrdifferenzial, das die Antriebskraft variabel zwischen den Hinterrädern verteilt.
AMG-Fahrprogramme
Über die bekannten AMG-Dynamic-Select-Programme lässt sich der Charakter des Fahrzeugs anpassen. Neben den Modi Comfort, Sport und Sport+ stehen auch Einstellungen für rutschige Straßenverhältnisse, leichte Geländeeinsätze sowie ein frei konfigurierbarer Individual-Modus zur Verfügung.
Im Innenraum setzt Mercedes-AMG auf das aktuelle Betriebssystem MB.OS. Die digitalen Anzeigen bieten neben den klassischen Fahrinformationen zahlreiche AMG-spezifische Darstellungen, darunter Daten zur Drehmomentverteilung, G-Kräften oder verschiedenen Motorparametern. Dazu kommen neue Lenkradvarianten (jetzt auch mit 12-Uhr-Markierung) sowie erweiterte Möglichkeiten zur Individualisierung über das Manufaktur-Programm.
Marktstart und Preis
Zur Präsentation gibt es noch keine Angaben über den Verkaufsstart, der GLE 63 dürfte allerdings in Kürze im Konfigurator bei Mercedes-AMG erscheinen. Preislich dürften sich SUV und SUV Coupé leicht über den Vor-Facelift-Modellen bewegen, das entspräche rund 170.000 beziehungsweise ungefähr 180.000 Euro.












