Kein Hybridantrieb, keine Turbolader und möglichst wenig Elektronik – der Nilu27 geht einen ganz eigenen Weg in der Hypercar-Welt. Jetzt hat der von Hartley Engines entwickelte 6,5-Liter-V12 seinen ersten Prüfstandslauf absolviert – und die ursprünglich angepeilte Leistung bereits übertroffen.
Bereits bei der Vorstellung des Projekts im Sommer 2024 hatte Nilu27 für seinen Zwölfzylinder eine Leistung von rund 1.070 PS angekündigt. Nach den ersten Dyno-Läufen meldet das Unternehmen nun, dass der Motor diese Zielmarke bereits übertroffen habe. Einen exakten Leistungswert nennt der Hersteller zwar noch nicht, bestätigt aber eine maximale Drehzahl von 11.000 Umdrehungen pro Minute. Damit dürfte der frei saugende V12 zu den leistungsstärksten Serien-Saugmotoren gehören, die jemals für ein Straßenfahrzeug entwickelt wurden.
Gemeinsam mit Hartley Engines entwickelt
Der Motor entstand in Zusammenarbeit mit dem neuseeländischen Spezialisten Hartley Engines. Das Unternehmen ist bislang vor allem für Hochleistungsaggregate im Motorsport sowie aufwendig umgebaute V8- und V12-Motoren bekannt. Für den Nilu wurde jedoch ein komplett neues Triebwerk entwickelt.
Technisch setzt der Motor auf einen Hubraum von 6,5 Litern, zwölf Einzeldrosselklappen und einen Bankwinkel von 80 Grad. Anders als nahezu alle aktuellen Hypercars verzichtet das Aggregat vollständig auf Turboaufladung oder elektrische Unterstützung. Die Leistung entsteht ausschließlich durch hohe Drehzahlen, großen Hubraum und eine konsequent auf maximale Gasannahme ausgelegte Konstruktion.
Hot-V-Layout ohne Turbolader
Eine Besonderheit stellt die sogenannte Hot-V-Architektur dar. Während dieses Konzept normalerweise bei Turbomotoren eingesetzt wird, nutzt Nilu27 die Bauweise ohne Aufladung. Dabei liegen die Abgaskrümmer im V zwischen den beiden Zylinderbänken, während die Ansaugwege außen verlaufen. Dadurch entstehen besonders kurze Abgaswege und eine sehr kompakte Bauform. Gleichzeitig kann die Hitze über den weitgehend offenen Motorraum nach oben entweichen. Das Triebwerk selbst wird damit bewusst zum gestalterischen Mittelpunkt des Fahrzeugs.
Handschalter statt Doppelkupplung
Der V12 wird mit einem manuellen Siebengang-Getriebe kombiniert. Die offene Schaltkulisse gehört ebenso zum Konzept wie eine mechanische Rückwärtsgang-Sperre. Moderne Doppelkupplungsgetriebe oder automatisierte Schaltsysteme kommen bewusst nicht zum Einsatz.
Die Kraft gelangt über Zentralverschlussräder auf Semislicks des Typs Michelin Pilot Sport Cup 2 R. Für die Verzögerung sorgt eine Carbon-Keramik-Bremsanlage von Brembo. Das Fahrwerk setzt auf Doppelquerlenker mit Pushrod-Anlenkung an Vorder- und Hinterachse. Elektronisch einstellbare Fahrmodi oder adaptive Dämpfer sucht man dagegen vergeblich.
Carbon-Monocoque und analoges Cockpit
Die Karosserie basiert auf einem Monocoque aus Kohlefaser. Aluminium-Hilfsrahmen tragen Motor und Fahrwerk. Rund um das Getriebe kommen keramisch beschichtete Strukturen zum Einsatz, die sowohl die Wärmeableitung verbessern als auch Wartungsarbeiten erleichtern sollen.
Auch im Innenraum verfolgt Nilu27 konsequent den Analog-Gedanken. Einzig ein Display für die Rückfahrkamera findet sich im Cockpit. Dahinter stehen klassische Rundinstrumente für Geschwindigkeit und Motordrehzahl sowie zwei zusätzliche Anzeigen. Lenkrad, Pedalerie, Kopfstützen und Außenspiegel werden ausschließlich mechanisch verstellt. Multifunktionstasten oder digitale Menüs gibt es nicht.
Erst Prüfstand, dann Prototyp
Nach den erfolgreichen Prüfstandsläufen in Neuseeland soll der Motor nun nach Deutschland transportiert werden. Im Werk in Lahr entsteht der erste fahrfähige Prototyp des Hypercars. Dort folgen die Integration des Antriebs sowie weitere Erprobungs- und Abstimmungsfahrten.
Parallel kündigen Nilu27 und Hartley Engines die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens an. Künftig sollen dort auch straßenzugelassene Hochleistungsmotoren für externe Kunden entwickelt und produziert werden.
Kleine Stückzahlen geplant
Das Hypercar soll zunächst in einer auf 15 Exemplare limitierten Track-Version entstehen. Anschließend ist eine straßenzugelassene Variante vorgesehen, deren Produktion auf 54 Fahrzeuge begrenzt werden soll. Einen offiziellen Preis nennt Nilu27 bislang nicht. Angesichts der aufwendigen Konstruktion, der Kleinserie und der exklusiven Technik dürfte sich der Preis jedoch deutlich im siebenstelligen Euro-Bereich bewegen.












