Kopf statt Füße voran im Hypercar - genial oder Sicherheits-Albtraum?

Hypercar-Idee Sanrivatti Apex Position
Kopf statt Füße voran - genial oder Sicherheits-Albtraum?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 26.06.2026
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Sanrivatti Apex Position mit Jörn Thomas
Foto: Sanrivatti / Frank Eppler / Collage: ams

Das Netz ist geduldig. Schön, irgendwie. Dann können sich auch komische Ideen auf ihren Weg um die Welt machen. Etwa von einem Designer Mitte 20 aus Uruguay über ein niederländisches Start-up namens Sanrivatti bis zu uns. Früher wäre diese Idee, genannt "Apex Position", vermutlich schon am nächsten Ortsschild verendet, heute reist sie um die Welt, reizt zu Kommentaren.

Was genau ist der Sanrivatti Apex Position?

Doch um welche Idee geht es eigentlich bei der Apex Position? Um ein Hypercar, bei dem der Fahrer nicht wie gewohnt mit den Füßen voran sitzt, sondern wie auf einem Sportmotorrad mit dem Oberkörper voran zu hocken scheint, noch dazu in einem wenig ergonomischen Winkel. Warum? Hm. Gute Frage. Wegen der besseren Übersicht und des direkteren Kontakts, sagt Santiago Sanchez, der Gründer. Immerhin ergänzt er, keine Lösung präsentieren zu wollen, sondern eine seriöse Idee zum Thema Kontrolle, Einbindung und Begeisterung des Fahrers.

Da muss man unter anderem an Nissan denken, die 2015 in Le Mans mit drei vorderradgetriebenen Hybridautos an den Start gingen. Gegen jede Logik. Und doch behaupteten sie, das Ding würde so richtig rocken. Letztlich fielen zwei aus, einer schaffte nicht die erforderliche Rundenzahl, um überhaupt in die Wertung zu kommen. Das Konzept verschwand.

Ich behaupte jetzt mal mutig: Der Sanrivatti Apex Position kommt erst gar nicht in die Lage, wieder verschwinden zu können, weil er gar nicht erst seriös entstehen wird. Denn um so ein Ding zu bauen, brauchst Du Geld. Viel Geld. Und das dürfte für so ein Gerät nur jemand geben, der es ansonsten auf einen Haufen geschmissen, angezündet und sich dann am Feuerschein erfreut hätte. Das Konzept verbindet nämlich ein paar Nachteile. Etwa Sicherheit. Wie soll der Fahrer gesichert werden? Mit einem Gurt geht das nicht. Ebenso wenig mit Airbags, denn der nach vorne gebeugte Pilot kann nicht passend fixiert werden.

Entspannt lenken? Schwierig!

Übrigens: Etwas entfernt Ähnliches gab es schon Anfang der 50er-Jahre, als NSU Geschwindigkeitsrekorde mit Motorrädern einfuhr. Dazu setzte man den Fahrer in eine geschlossene Karosserie, zunächst konventionell mit dem Oberkörper nach vorn, später mit den Füßen voran ("Liegestuhl"), um eine noch bessere Aerodynamik beim Geradeausfahren auf dem Salzsee zu bekommen.

Das hat funktioniert. Ein Auto mit nach vorn kauerndem Fahrer dürfte nicht so gut funktionieren, zumal dieser zwar eine motorradähnliche Sitzposition einnimmt, jedoch eine viel indirektere Verbindung als auf dem Sportbike hat. Wo der Motorradfahrer gezielt Gewicht verlagert, ist der Sanrivatti-Pilot passiv. Und das entspannte Steuern per Lenkrad entfällt ebenfalls mangels akkurater Körperunterstützung. Zumindest, soweit diese aus der rudimentären Strich-Skizze hervorgeht, die auch über Dinge wie Antrieb, Chassis und Co den schwarzen Mantel des Schweigens hüllt.

Aber hey: Das Leben und das Netz sind geduldig und überraschend und der Mensch musste irgendwann auch mal den aufrechten Gang lernen. Was damals sicherlich auch viele schockierte.

Fazit