Volkswagen bereitet für 2027 einen neuen Amarok für den südamerikanischen Markt vor. Der Pick-up wurde beim Auftakt der Festa do Peão de Barretos in Brasilien erstmals offiziell gezeigt. Das Fahrzeug war dabei noch vollständig getarnt. Die Produktion soll weiterhin im argentinischen General Pacheco erfolgen. Dort wird der Amarok seit dem Jahr 2010 gefertigt, ursprünglich stammten auch die ersten Europa-Amarok von dort.
Dritte Amarok-Baureihe
Mit dem Generationswechsel geht Volkswagen in Südamerika einen anderen Weg als bei der zweiten Amarok-Generation für die übrigen Märkte samt Europa. Das seit 2023 in Südafrika gebaute Modell basiert auf einer gemeinsamen Entwicklung mit dem Ford Ranger, während der Südamerika-Pick-up weiterhin auf Basis der ersten Amarok-Generation gebaut wird. Der neue Amarok für Argentinien. Brasilien und Co. ist dagegen keine Weiterentwicklung, sondern der Umzug auf eine neue Plattform aus China. Diese soll vom Interstellar X-Pick-up der chinesischen SAIC-Tochter Maxus sein.
Volkswagen arbeitet mit SAIC in China bereits seit den 1980er-Jahren zusammen. Die gemeinsame technische Basis soll eine kürzere Entwicklungszeit und reduzierte Kosten ermöglichen. Die Plattform des Maxus ist von Beginn an für unterschiedliche Antriebsarten ausgelegt, also Verbrennungsmotoren, Hybridantriebe und vollelektrische Systeme.
Die südamerikanischen Entwicklungsabteilungen von Volkswagen sollen das Fahrzeug jedoch laut Hersteller an die regionalen Anforderungen anpassen. Vorgesehen sind unter anderem eigene Abstimmungen von Fahrwerk, Lenkung und Fahrdynamik sowie Anpassungen der elektronischen Systeme. Erprobt werden die Prototypen unter unterschiedlichen Bedingungen in mehreren Ländern Südamerikas. Dazu gehören Städte und Autobahnen ebenso wie unbefestigte Wege und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Auch Tests bei Hitze, Kälte, großer Höhe und hoher Staubbelastung sind Teil des Entwicklungsprogramms.
Neuer Amarok wird größer und elektrisch
Der neue Amarok wird größer als das bisherige Modell. Der chinesische Maxus Interstellar X ist 5,5 Meter lang, zwei Meter breit und 1,86 Meter hoch. Der Radstand beträgt 3,30 Meter. Zum Vergleich: Der heutige südamerikanische Amarok kommt auf 5,35 Meter Länge und einen Radstand von etwa 3,1 Meter. Der größere Abstand zwischen den Achsen soll beim neuen Modell dem Platzangebot im Innenraum zugutekommen.
Der chinesische Interstellar X wird als Diesel und als Elektro-Pick-up angeboten. Die Dieselversion verfügt über einen 2,5-Liter-Turbodiesel mit 224 PS und 520 Newtonmetern Drehmoment sowie ein Achtgang-Automatikgetriebe von ZF. Die elektrische Variante besitzt zwei Motoren. An der Vorderachse stehen 187 PS und 250 Newtonmeter zur Verfügung, an der Hinterachse 299 PS und 450 Newtonmeter; die Systemleistung liegt laut chinesischen Quellen bei 481 PS. Für die in Deutschland vertriebene Variante (Maxxus eTerron 9) werden vom Importeur allerdings geringere Leistungsdaten angegeben.
Massive Leistungssteigerung
Für den Amarok hat Volkswagen bislang keine konkreten Angaben zu Motor, Batterie oder elektrischer Reichweite gemacht. Bestätigt ist lediglich, dass die neue Generation elektrifiziert wird und die bislang höchste Leistung eines Amarok erreichen soll. Nach früheren Berichten aus Südamerika könnte eine Plug-in-Hybridversion als Amarok 800 TSI mehr als 460 PS und 800 Newtonmeter entwickeln. Diese Angaben sind von Volkswagen bisher nicht offiziell bestätigt.
Auch bei den Abmessungen gibt es noch keine endgültigen Werksdaten. Die Ladefläche des Interstellar X misst 1,561 Meter in der Länge und 1,60 Meter in der Breite. Das chinesische Modell verwendet eine verstärkte selbsttragende Karosseriestruktur mit Leiterrahmen-ähnlichen Grundkonstruktion, ähnlich zu sogenannten Uniframe-Konstruktionen aus dem Geländewagenbau.
Vom endgültigen Design des Amarok ist bislang wenig bekannt. Die ersten offiziellen Fahrzeuge tragen eine Tarnbeklebung, die Motive aus verschiedenen Regionen und Kulturen Südamerikas aufgreift. Trotz der Tarnung sind die Proportionen und die Fensterlinie des Interstellar X erkennbar. Volkswagen wird vor allem die Frontpartie mit eigener Gestaltung, Kühlergrill, Stoßfänger und Lichtsignatur vom chinesischen Plattform-Spender absetzen.
Aus Argentinien für Südamerika
Die Fertigung bleibt im argentinischen Werk General Pacheco. Volkswagen will dort im Rahmen eines größeren Investitionsprogramms rund vier Milliarden brasilianische Real investieren, umgerechnet rund 665 Millionen Euro. Für die Amarok-Produktion sind unter anderem eine Modernisierung des Werks und Anpassungen der Fertigung für elektrifizierte Fahrzeuge vorgesehen. Seit 2010 wurden dort rund 800.000 Amarok produziert, mehr als 465.000 davon für den Export in über 100 Märkte.
Der heutige südamerikanische Amarok bleibt bis zum Start der neuen Generation im Programm. Anders als der weltweit angebotene Amarok II handelt es sich dabei weiterhin um die erste Generation, die 2010 eingeführt und mehrfach überarbeitet wurde. In Südamerika stehen derzeit Zweiliter-TDI-Motoren mit 140 und 180 PS sowie ein 3,0-Liter-V6-TDI mit 258 PS zur Verfügung.
Marktstart 2027
Für 2027 hat Volkswagen den Generationswechsel inzwischen bestätigt. Der genaue Verkaufsstart, die Ausstattung, die endgültigen Abmessungen und die technischen Daten der elektrifizierten Antriebe sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden. Zusätzlich gibt es Hinweise auf ein mögliches SUV-Derivat mit drei Sitzreihen und sieben Plätzen, das intern als "Atacama Project" bezeichnet werden soll. Volkswagen hat dieses Modell bislang nicht offiziell angekündigt.












