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Erlkönig Porsche Mission E (Code J1)

Elektro-Sportwagen für 2020 auf geheimer Testfahrt

Porsche Mission E Erlkönig Foto: Stefan Baldauf 32 Bilder
Update

Auf der IAA 2015 hatte Porsche mit dem Mission E gezeigt, wie ein künftiger Elektro-Porsche aussehen könnte – 2020 geht der 600-PS-4-Sitzer mit Allradantrieb auf einer eigenen Plattform nahezu unverändert in Serie. Jetzt haben wir den Mission E als Erlkönig abgeschossen.

18.10.2017 Holger Wittich, Uli Baumann, Thomas Gerhardt 16 Kommentare Powered by

Porsche testet aktuell sein neues Sportcoupé Mission E mit Elektroantrieb auf der Nordschleife – allerdings noch unter der modifizierten Karosserie eines Porsche Panamera – und interessanterweise mit auffälligen Auspuff-Endrohren. Unter dem Blechkleid sind jedoch schon der Antriebstrang, Fahrwerk und weitere technische Komponenten des künftigen Elektroporsche verbaut, die von den Ingenieuren auf Herz und Nieren geprüft werden. Die neusten Bilder geben auch einen ersten Eindruck von den Abmessungen des neuen Elektro-Porsche. Die Abgasanlage dient offenbar eher der Irreführung von Beobachtern – unser Erlkönigfotograf gab jedenfalls zu Protokoll, dass ihnen weder Schall noch Rauch entwich. Das ließ sich ausgerechnet beobachten, als die Testflotte in eine Tankstelle einfuhr. Begeleitet wurden die Mission E-Erlkönige übrigens von Tesla Model S- und Model X-Modellen.

Mission E mit Porsche-Dynamik

IAA 2015, Porsche Mission E
Porsche Konzeptstudie Mission E auf der IAA 1:25 Min.

Vor mehr als einem Jahr – genauer am 4. Dezember 2015 – verschickte Porsche eine Pressemitteilung, in der der Mission E angekündigt wurde: „Der erste rein elektrisch angetriebene Porsche kommt auf die Straße. Der Aufsichtsrat hat grünes Licht für das Projekt Mission E gegeben“. Der neue Porsche-Chef Oliver Blume, glaubt man schlage damit ein „neues Kapitel in der Sportwagengeschichte auf“. Wermutstropfen: Das Fahrzeug – intern unter dem Code „J1“ geführt – soll erst Ende dieses Jahrzehnts auf den Markt kommen. Aber angesichts der Eckdaten des Mission E stehen die Chancen gut, dass auch Porsches Elektrosportwagen die markentypische Dynamik nicht vermissen lassen wird.

Denn das genau ist Porsche natürlich besonders sehr wichtig. Gegenüber dem britischen Magazin „Top Gear“ sagte Blume: „Es ist wichtig das Fahrerlebnis von Porsche auf ein Elektroauto zu übertragen. Wir können kein E-Auto unter der Marke Porsche bauen, das nicht die Erwartungen der Kunden an ein Porsche-Modell erfüllt“. Der Mission E werde sich wie ein 918 Spyder im E-Modus fahren.

Porsche 918 Spyder im SupertestDer Herr des Rings

Türkonzept des Porsche Mission E wird überarbeitet

Auch zum kommenden Design des Porsche Mission E äußerte sich der CEO: „Das Design wird sehr ähnlich sein, wir müssen jedoch ein paar Kleinigkeiten ändern“, so Blume. Insbesondere das Tür-Konzept mit den gegenläufig zu öffnenden Türen ohne eine B-Säule wird wohl nicht in die Serie zu retten sein. „Das ist ein großes Problem“, so der Porsche Boss, „aber unsere Idee ist, etwas ähnliches zu machen.“

Auch in Sachen Technik gibt es bereits die ersten Hinweise. Die Stuttgarter bauen für den Porsche Mission E (J1) eine Elektroplattform auf, die strukturell unterschiedlich zu der EV-Plattform von Volkswagen ausfällt. Des Weiteren soll die Reichweite der Studie von 500 km auf das Serienmodell übertragen werden, ebenso die Ladezeit von 15 Minuten. Allerdings ist sich Porsche bewusst, dass es aktuell keine Ladeinfrastruktur mit 800-Volt-150 kW-Ladesäulen gibt. Gegenüber auto motor und sport sagte Blume: „Wir sind gemeinsam mit dem Volkswagen-Konzern in Gesprächen sowohl mit der Bundesregierung wie auch mit anderen Herstellern. Der Staat möchte Elektromobilität fördern und wird deshalb Investitionen in die Infrastruktur tätigen müssen. Aber als Hersteller haben wir auch ein großes Interesse an einem schnellen Ausbau des Ladenetzes. Ich will nicht ausschließen, dass wir selbst in Lade-Infrastruktur investieren. Wichtig ist, dass ein solches Netz nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern schnell entsteht. Für uns liegt die Priorität dabei auf einem flächendeckenden Schnellladenetz mit einer Leistung von über 150 kW pro Ladestation.

Abmessungen und Karosserie-Layout

09/2015, Porsche Mission E Foto: Porsche
Das Design des Mission E wird in weiten Teilen in die Serie gerettet.

Der nur 1,30 Meter hohe Porsche Mission E trat auf der IAA 2015 als viersitzige Studie an, und liegt mit seinem Design irgendwo zwischen 911 und Panamera. Im Streben nach aerodynamischer Effizienz trägt der Mission E zahlreiche Luftein- und -auslässe an Front, Seite und Heck. Die so durchströmte Karosserie aus Aluminium, Stahl und kohlefaserverstärktem Kunststoff soll den Verbrauch drücken und die Fahrdynamik steigern. So verbessern integrierte Luftführungen die Umströmung der Räder, Auslässe in den Flanken verringern den Überdruck in den Radhäusern und damit den Auftrieb. Die Front des Mission E wird durch Matrix-LED-Scheinwerfer im Vier-Punkt-Lichtdesign geprägt. Die Flanken zeigen gegenläufig öffnende Türen ohne B-Säule, sowie 21 und 22 Zoll große Räder aus Kohlefaserlaminat. Die Außenspiegel wurden durch Kameras ersetzt. Am Heck sorgen kräftig ausgeformte Radläufe, ein schmales dunkles Lichtband unter einem Spoilerbürzel sowie eine fette Diffusorschürze für die entsprechende Sportwagenoptik.

Sitzprobe Porsche Mission E

Porsche Mission E Sitzprobe Foto: Stefan Baldauf / Guido ten Brink

Porsche hatte uns auf der IAA 2015 exklusiv die Türen der Elektrostudie Mission E geöffnet und erste Einblicke in die Zuffenhausener Sportwagen-Zukunft gewährt. Die gegenläufig angeschlagenen, aber leider serienfernen Türen sind natürlich optisch erste Sahne, erleichtern aber auch den Einstieg in den Innenraum enorm, denn wer den Mission E entern will, muss sich ohnehin schon tief ducken. Vorbei an den breiten Seitenschweller aus Carbon geht es auf eng geschnittene, recht spärlich gepolsterte Sportledersitze, die auch in der zweiten Reihe in gleicher Form verbaut sind, die Studie ist als Viersitzer konzipiert. Die schmale Mittelkonsole läuft bis nach hinten durch.Besonders imposant ist der Arbeitsplatz des Fahrers. Das Lenkrad kennen Sportwagen-Fans schon aus dem 918 Spyder. Ähnlich wie im Hybrid-Sportwagen verläuft die frei stehende Mittelkonsole mit integriertem Touch-Pad und kleinem Getriebewähl-Knubbel schräg nach oben in den Armaturenträger – der Herberge zahlreicher Displays. Der gebogene Bildschirm hinter dem Lenkrad ist im Vergleich zu den volldigitalen Instrumenten aus aktuellen VW- und Audi-Modellen riesig und liefert dem Fahrer neben den wichtigsten Fahrinfos auch die Bilder der Außenkameras (ersetzen die Außenspiegel), Verkehrs- und Wetterdaten sowie Neuigkeiten aus sozialen Netzwerken. Weitere Daten des Infotainmentsystems liefert ein zweiter, schmaler Bildschirm der ab der Mittelkonsole bis zum Beifahrer reicht. Natürlich ist der Mission E auch vernetzt – so können die Passagiere online gehen oder sich das Fahrzeug beispielsweise mit der Werkstatt in Verbindung setzen. Einem wichtigen Alleinstellungsmerkmal bleibt Porsche aber auch in seinen Zukunftsmodellen treu: Der Startknopf für die E-Motoren befindet sich linker Hand.

Porsche Mission E in 15 Minuten weitestgehend nachgeladen

Die schöne neue Porsche-Welt soll aber auch dynamisch fahren können. Dazu trägt der Mission E zwei Elektromotoren – an jeder Achse einen – die zusammen über 600 PS leisten und ihre Kraft per Torque Vectoring an die einzelnen Räder abgeben. Eine Allradlenkung sorgt für Agilität. Für den Spurt von Null auf 100 km/h gibt Porsche 3,5 Sekunden an, die 200-km/h-Marke soll in unter 12 Sekunden fallen. Vmax? keine Angabe. Dafür soll der Porsche Mission E die Nordschleife in unter 8 Minuten schaffen.

Als Reichweite mit einer Batterieladung nennt Porsche rund 500 Kilometer. Revolutionär soll aber die Turbo Charging-Ladetechnik sein. Über einen 800 Volt-Anschluss soll die im Wagenboden liegende Lithium-Ionen-Batterie in rund 15 Minuten zu etwa 80 Prozent wieder geladen sein – das wäre Saft für 400 Kilometer. Der Mission E soll sich sich aber auch konventionell und sogar induktiv laden lassen.

Neuester Kommentar

Da muss ich naja... allemal Recht geben. Mit Panamera hat das Auto nicht viel zu tun. Leider sieht das schon zu fertig aus, um noch Hoffnungen zu haben, dass die Studie in die Serie umgesetzt wird (die nun mal wirklich hinreissend geformt war, allein dieser Schnitt der Seitenfenster: Genial). Und so wird es für mannmithund ähnlich enden wie beim Boxter (wo ich das Serienfahrzeug dann ähnlich enttäuschend fand wie beim Vergleich Audi TT Studie vs. Serie). Schade.

austinmini 8. Oktober 2017, 17:26 Uhr
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