04/2020, Ferrari 250 GTE 2+2 Polizia Girardo & Co. / Tom Gidden
04/2020, Ferrari 250 GTE 2+2 Polizia
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04/2020, Ferrari 250 GTE 2+2 Polizia 15 Bilder

Ferrari 250 GTE 2+2 Polizia (1962)

Verbrecherjagd mit ganz viel Stil

Dieser 250 GTE 2+2 war in den Sechzigerjahren im regulären Einsatz bei der römischen Polizei. Jetzt soll das bestens erhaltene einstige Behördenfahrzeug verkauft werden.

Traumjob Polizist? Nun ja, wenn man dessen Gefährlichkeit, den Schichtdienst, die schlechte Bezahlung und einige weitere Nachteile denkt, verliert die Sache schnell an Reiz. Es sei denn, man gehört zu jenen Abteilungen, die ihren Dienst in schönen Autos verrichten dürfen. Man denke an den traumhaften Fuhrpark der Dubai Police oder die Lamborghinis, die in Italien ihren Polizeidienst verrichten. Wobei Letztere bekanntermaßen eher Showzwecken dienen, als regulär auf Verbrecherjagd zu gehen.

Am Steuer: Polizisten-Legende Armando Spatafora

Das war bei diesem Ferrari 250 GTE 2+2 anders. Das herrschaftliche Coupé wurde im November 1962 gebaut, Anfang des Jahres 1963 von Roms Polizei als Streifenwagen übernommen und bis 1968 im ganz normalen Dienst eingesetzt. Die römischen Ordnungshüter hielten ihr neues Behördenfahrzeug für notwendig, denn die Gegenseite rüstete auf. Im von vielen Verfolgungsjagden geprägten Polizeialltag im Italien der Sechzigerjahre gerieten sie mit ihren wahrlich nicht langsamen Alfas an ihre Grenzen. Also musste etwas Schnelleres her. Da traf es sich gut, dass ein Sportwagenhersteller aus dem Norden des Landes das passende Fahrzeug liefern konnte.

04/2020, Ferrari 250 GTE 2+2 Polizia
Girardo & Co. / Tom Gidden
Der Polizei-Ferrari befindet sich im Bestzustand, obwohl er nie restauriert wurde.

Hauptverantwortlich für die Anschaffung zweier Ferrari 250 GTE 2+2 war Armando Spatafora. Er gehörte zu den renommiertesten Polizeibeamten des Landes und wurde gefragt, was er benötigte, um seinem Job nachgehen zu können. "Was könnte besser sein als ein Ferrari?", antwortete Spatafora. Also tat ihm sein Dienstherr den Gefallen und nahm zwei wunderschöne Exemplare des Gran Turismo in seinen Fuhrpark auf. Der andere 250 GTE wurde schon nach wenigen Wochen im Streifendienst zerstört, aber der Ferrari mit der Chassis- und Motornummer 3.999 überlebte bis heute.

Mit 243 PS auf über 250 km/h

Und was für ein Motor da unter der langen Haube als Antriebsquelle dient: Der Dreiliter-Colombo-V12 mit Vierventil-Technik, Weber-Dreifachvergaser und 60 Grad Zylinderwinkel, der 243 PS bei 7.000 Umdrehungen leistet. Das Triebwerk ist an ein Viergang-Schaltgetriebe mit Overdrive gekoppelt und treibt den Streifenwagen zu Geschwindigkeiten jenseits der 250 km/h.

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Girardo & Co.
Und es klicken die Handschellen: Spatafora und seine Truppe machen einen Delinquenten dingfest.

Um angemessen mit dem Sportwagen umgehen zu können, wurden vier römische Polizeibeamte zu einem Hochgeschwindigkeits-Fahrkurs nach Maranello geschickt. Einer von ihnen war selbstverständlich Spatafora, der die Übungen dem Vernehmen nach sehr souverän absolvierte und im Anschluss an die Fahrschule seinen neuen Dienstwagen in Empfang nahm. Der Legende nach soll es für Roms Verbrecher zur Prestigefrage geworden sein, Spatafora und seinen Ferrari in einer Verfolgungsjagd zu schlagen. Viele von ihnen dürften für ihren rennfahrerischen Ehrgeiz mit klickenden Handschellen bestraft worden sein.

VW Passat GTE Polizei
Verkehr

Der Polizei-Ferrari wurde noch nie restauriert

Wenn man sich den 250 GTE in schwarzer Pininfarina-Karosserie mit braunem Kunstleder-Interieur heute so anschaut, fällt es schwer zu glauben, dass er vor gut 50 Jahren Roms Unterwelt aufmischte. Klar, die "Polizia"-Kennzeichen, die seitlichen Aufschriften, das Blaulicht und die lange Antenne sind eindeutige Indizien seines früheren Lebens. Auch innen unterscheidet er sich mit der zusätzlichen Bedieneinheit auf der Beifahrerseite von seinen Modellgeschwistern. Dennoch rollt er genauso erhaben wie jeder andere 250er GTE über das italienische Kopfsteinpflaster und erstrahlt in absolutem – und zudem unrestaurierten – Bestzustand. Auch Getriebe und Hinterachse sind noch original.

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Auf der Beifahrerseite gibt es eine weitere Bedieneinheit für die polizeispezifischen Funktionen.

Dabei teilt er nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst dasselbe Schicksal vieler Behördenfahrzeuge, die heutzutage den Dienst quittieren: Er wurde bei einer wenig glamourösen Auktion versteigert. Dort schlug Alberto Capelli aus Rimini zu. Der Italiener wusste genau über die Historie des Autos Bescheid und sorgte dafür, dass Spatafora und sein ehemaliger Ferrari 1984 bei einem Oldtimer-Bergrennen noch einmal aufeinander trafen – und die zweitschnellste Zeit erzielten.

Sirene und Blaulicht funktionieren

Ansonsten war das Auto auf vielen Messen, Ausstellungen und auch im Römer Polizeimuseum zu sehen. Bis 2015 behielt Capelli den 250 GTE, der das einzige Privatfahrzeug in Italien ist, das dank einer Sondergenehmigung mit funktionierender Sirene samt Blaulicht und "Squadra Volante"-Lackierung am Verkehr teilnehmen darf.

Der aktuelle Besitzer bietet das Auto nun erneut zum Verkauf an. Und mit ihm die originalen Baupläne sowie die komplett vom Werk in Maranello durchgestempelten Servicehefte. Alle erdenklichen Oldtimer-Zertifikate und natürlich ein 2014 erstelltes Gutachten von Ferrari Classiche zementieren den Legendenstatus dieses Autos.

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Der normale 250 GTE. Das Polizei-Outfit steht diesem herrschaftlichen Coupé nicht.
Die Polizeiversion. Der Uniform-Look und die Historie sind einfach hinreißend.

Fazit

Einen Preis nennt der Händler Girardo & Co., der den Polizei-Ferrari im Kundenauftrag verkauft, nur auf Anfrage. Billig dürfte er nicht werden: Normale Ferrari 250 GTE in gutem Zustand werden bereits zu Summen von bis zu 500.000 Euro gehandelt. Ob das die Polizeiversion toppen kann? Es ist leider höchst fraglich, ob wir das je erfahren werden.

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