In Grünwald bei München parkt ein Auto, das Hypercar-Fans normalerweise nur aus Bildern kennen: ein Koenigsegg One:1 in schwarzem Sichtcarbon mit pinken Konturstreifen. Genau um dieses Exemplar rankten sich im Zusammenhang mit dem Betrugsverdacht gegen Ex-Formel-1-Pilot Adrian Sutil zuletzt dramatische Erzählungen – bis hin zu einer angeblich erpressten "Abholung" aus Monaco.
Wir haben den One:1 am 19. Mai 2026 vor den Geschäftsräumen von AIL Leasing gesehen. Wir haben Details am Auto fotografiert, wir haben die Fahrgestellnummer geprüft und wir haben die Fahrzeugpapiere in Augenschein genommen. Der Kilometerstand des Ausnahme-Wagens beträgt an diesem Tag 4.167 Kilometer.
Was die Papiere zeigen – und was nicht
Die von auto motor und sport eingesehene Zulassungsbescheinigung Teil II weist den One:1 nicht auf Adrian Sutil aus. Als erster Halter steht dort PACE (Premium Automotive Concept Esser) aus Düsseldorf.
PACE trat als Vertriebs- und Servicepartner für Koenigsegg in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf. AIL Leasing aus Grünwald finanzierte den One:1. AIL-Geschäftsführer Christian Finke nennt für das Fahrzeug eine monatliche Leasingrate von 31.000 Euro netto.
Seltenheit, Leistung, Preis: Warum dieser Koenigsegg so elektrisiert
Der One:1 basiert technisch auf der Agera-Familie, Koenigsegg kombinierte das Konzept aber mit einem radikalen Ziel: 1:1 bei Leistung und Gewicht. Der 5,0-Liter-Biturbo-V8 leistet 1.360 PS, das Fahrzeuggewicht beträgt rund 1.360 Kilogramm – daher die Typbezeichnung.
Koenigsegg hat den One:1 als Kleinstserie gebaut und jedes Exemplar als Einzelstück konfiguriert – sechs Serienmodelle und ein fahrbarer und zugelassener Prototyp sind aus der Manufaktur im südschwedischen Ängelholm gerollt. Der Neupreis des Modells betrug circa 3,3 Millionen Euro. Heute bewegen sich die aufgerufenen Summen im Sammlermarkt – je nach Spezifikation und Historie – in Regionen von bis zu 22 Millionen Euro.

Wer in diesem One:1 am Lenkrad sitzt, gehört zu den wenigen, die so ein Auto überhaupt erleben: Das Cockpit ist einer der exklusivsten Plätze der Autowelt.
Carspotter‑Auflauf und ein Detail, das alles klärt
Am 19. Mai stand der Koenigsegg One:1 dann mit seiner Sichtkarbon-Karosse in Grünwald vor den Geschäftsräumen der AIL für uns zur Besichtigung bereit. Die pinken Applikationen leuchten in der Nachmittagssonne mit dem Magenta des AIL-Firmenlogos um die Wette – die erstaunliche Ähnlichkeit der Farben setzt der Unwirklichkeit der Begegnung die Krone auf.
Bei der Ankunft ist der Supersportwagen längst Fotobjekt für gefühlt 50 Prozent der Carspotter-Szene Münchens. AIL hat eine jahrelange Expertise in Sachen Hypercars und ist deshalb für sie ein lohnendes Ziel, wie ein giftgrüner Lamborghini Countach LPI 800 beweist, der gerade auf dem Hof geparkt wird. Aber diesmal sind die überwiegend sehr jungen bis jugendlichen Autofans wegen der super seltenen Karbonflunder da. Und sind trotzdem viel zurückhaltender und höflicher als der Großteil des Publikums auf dem Genfer Autosalon während der Premiere des Koenigsegg One:1 am 3. März 2014.
Uns geben die jungen Leute von heute Zeit und Raum, um alle Details einschließlich der pinken Applikationen und Bremssättel sowie die Fahrgestellnummer am unteren Rand der Frontscheibe abzufotografieren: YT9**********7108 (die vollständige Fahrgestellnummer ist der Redaktion bekannt). Dass die Fahrgestellnummer auf 7108 endet, macht die Geschichte an einer Stelle plötzlich konkret – die komplette Auflösung der 7107/7108‑Verwechslung und die Unterschiede der beiden Autos liefern wir hier.

auto-motor-und-sport-Redakteur Gerd Stegmaier hat sich den Koenigsegg One:1 vor Ort in Grünwald genau angeschaut und auch die Zulassungsbescheinigung Teil II gecheckt.
31.000 Euro im Monat: So lief das Leasing
Auch wenn der Koenigsegg etwas sehr Besonderes ist: AIL finanziert regelmäßig außerordentlich teure Fahrzeuge. Das Unternehmen macht mit 30 Mitarbeitern 440 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Die Firma ist seit 40 Jahren im Geschäft und betreibt quasi Boutique-Leasing, sucht und vermittelt Kunden ihren Traumwagen und stellt die Finanzierung. Das kann vom Fiat 500 über den Ferrari Roma zum Porsche Carrera GT aber alles sein. Die Leasingrate berechne sich aber auch bei solchen Autos wie bei jedem anderen vor allem in Abhängigkeit von Preis und Art der Nutzung, erklärt AIL-Geschäftsführer Christian Finke. Beim One:1 belief sie sich auf 31.000 Euro netto – im Monat. In dem Betrag eingeschlossen: ein Tilgungsanteil, der als Kompensation des Wertverlusts üblich ist. Allerdings, so Finke, wäre der bei Autos wie dem One:1 an sich nicht nötig, denn statt eines Wertverlusts wäre eher eine Wertsteigerung zu erwarten – siehe oben.
Und natürlich brauchen auch solche Exoten eine Vollkasko-Versicherung. Die ist in Relation zum Kaufpreis gar nicht mal so teuer, findet Finke. Beim Bugatti Chiron etwa koste die Vollkasko etwa 30.000 Euro im Jahr. Allerdings sei das Risiko für die Versicherung auch überschaubar, denn die Jahresfahrleistung sei auf 200 Kilometer beschränkt und man müsse eine sichere Garage mit Alarmanlage nachweisen.
Was vom "Sutil‑Auto" übrig bleibt
Rund um Adrian Sutil kursierten zuletzt Geschichten, die den One:1 als Teil einer privaten Sammlung erscheinen ließen. Die Papiere, die auto motor und sport gesehen hat, stützen diese Zuspitzung bei diesem Exemplar nicht: In der von uns eingesehenen Zulassungsbescheinigung Teil II taucht Sutil nicht als Halter auf; als erster Halter steht, wie oben erwähnt, PACE (Premium Automotive Concept Esser) eingetragen. PACE finanzierte den Wagen über AIL. Aber es gibt Fotos mit Sutil und dem Auto – eine mögliche Verbindung beleuchten wir hier.
Allerdings hat jemand das Auto am 9. September 2015 das erste Mal zugelassen – wer das war, geht aus den aktuell verfügbaren Dokumenten nicht hervor. Gerüchteweise soll der chinesische Investor Yin Xidi der erste Eigentümer gewesen sein. Xidi tritt in sozialen Medien auch als JC Yin auf, weshalb dieses One:1-Exemplar bei Fans den Beinamen "JC" trägt. Yin Xidi ist der Sohn des Gründers des chinesischen Fahrzeugherstellers Lifan Group – ob er das Auto je angemeldet oder nach China gebracht hat, ist unbekannt.
Damit wirkt der Lebenslauf dieses One:1 deutlich weniger dramatisch als das, was im Zuge des Sutil-Komplexes über "verschwundene" Fahrzeuge erzählt wurde – auch wenn Ermittler einzelne Schilderungen weiterhin prüfen. Wir baten Sutils Anwalt um eine Stellungnahme; eine Antwort steht noch aus.
Den Koenigsegg One:1 hat AIL inzwischen weiterverkauft – an einen Käufer aus Oberösterreich.












