Zipses Finale bei BMW: Verbrenner retten, Elektro bauen

BMWs Neue-Klasse-i3
Zipses cleveres E-Auto mit Verbrenner-Inklusion

ArtikeldatumVeröffentlicht am 23.03.2026
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Für die Präsentation eines neuen Modells geriet die i3 -Welt-Premiere reichlich groß: Allein am 18. März hatten die Münchner 4.000 Menschen in der früheren Rudi-Sedlmayer-Halle (heute passenderweise BMW-Park) versammelt. Und die Veranstaltung wiederholte der Autobauer siebenmal mit jeweils 3.500 bis 4.000 Mitarbeitern. Gut 30.000 von insgesamt etwa 50.000 Münchner BMW-Mitarbeitern waren dabei – angeblich die größte Firmenveranstaltung in der Unternehmensgeschichte.

Wer dabei war, wähnte sich angesichts lauter Musik mit Bässen, die zwischendurch die Hosenbeine flattern ließen, aufwendiger Lichtanlage und Leuchtarmbändern für die Besucher eher auf einem Rockkonzert denn auf einer Modellpräsentation. Dargeboten wurde zunächst ein Autoballett mit sieben Generationen des BMW 3ers. Der Star war Generation 8 in Form des neuen i3. Und der scheidende CEO – der mit plakativen Gesten suchte, den für Externe auffällig oft aufbrandenden Applaus auf das neue Auto zu lenken. Aber die Botschaft der Mitarbeiter war klar: Dieser BMW-Chef hat ihre Anerkennung.

i3 als Meisterstück der Neuen Klasse und Zipses

Der i3 Jahrgang 2026 passt wie bestellt als Leistungsbeweis der Amtszeit von Oliver Zipse: Er ist ein E-Auto aus dem Kernsegment der Münchner, trägt die symbolträchtige Typbezeichnung des ersten Serien-Stromers von BMW und markiert die gelungene Antriebswende der Bayern perfekt. Sie trägt die Zipses Handschrift. Seine Dienstzeit begann 2019. Schon im Jahr darauf initiierte er das Projekt "Neue Klasse". Und der i3 ist nach dem iX3 das zweite Modell auf Basis dieses Technologiepakets, das nicht nur aus einer E-Auto-Architektur, sondern auch aus einer für die Elektronik passende Software sowie einem neuen Bedienkonzept besteht. Die letzten beiden Punkte sind ausdrücklich auch für die Verbrenner-Modelle gedacht.

Und so folgt dem i3 ein 3er mit Verbrennungsmotoren, aber vier Zentralrechnern und einem breiten Display über den ganzen unteren Bereich der Frontscheibe. Auch das passt zu Zipse, der stets vehement Technologieoffenheit forderte und sich gegen ein Verbrenner-Aus ab 2035 stellte. Mit technologischer Rückwärtsgewandtheit und Aversion gegen die neue Antriebstechnik hatte das bei Zipse indes nichts zu tun.

Für gute E-Autos, nicht gegen Verbrenner

Ablesen lässt sich das daran, wie ernsthaft und ambitioniert er BMW mit dem Projekt "Neue Klasse" gerade für die Antriebswende neu aufgestellt hat. Denn die E-Auto-Architektur bringt dem i3 dank neuer Batterien 900 Kilometer WLTP-Reichweite und dank 800-Volt-Plattform Ladeleistungen von bis zu 400 kW beziehungsweise 400 km Reichweite binnen zehn Minuten Ladezeit. Werte, die i3 und iX3 zu ernst zu nehmenden Alternativen selbst für Diesel-Modelle machen. Mit nachhaltiger Reduktion des CO₂-Fußabdrucks: BMW hat ausgerechnet, dass der iX3 seine höheren Treibhausgasemissionen bei der Produktion im ungünstigsten Fall bereits nach weniger als 23.000 Kilometern Fahrleistung amortisiert hat.

Dass "Pro Verbrenner" beim scheidenden BMW-CEO nicht "Anti Elektro" bedeutet, goutieren auch die Kunden: Schon im Jahr 2025, noch weitgehend ohne Neue Klasse, waren 26 Prozent des BMW-Gesamtabsatzes elektrifiziert, vollelektrische Fahrzeuge machten rund 18 Prozent des weltweiten Gesamtabsatzes aus. In Europa lag der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge sogar bei über 40 Prozent.

Das Bayerische Motorenwerk München wird elektrisch

Und BMW-intern gelang es offenbar, die Mitarbeiter mitzunehmen: Die Produktion des iX3 erfolgt zwar in einem neuen Werk im ungarischen Debrecen. Aber die Serienproduktion des neuen i3 läuft in der zweiten Jahreshälfte 2026 im Stammwerk in München an, das BMW im laufenden Betrieb umfassend modernisiert hat. Ab Ende 2027 produziert es ausschließlich E-Autos. Dazu haben die Bayerischen Motorenwerke die Produktion ausgerechnet der Verbrennungsmotoren ins Ausland verlagert (Steyr und Hams Hall), mehr als 1.000 Mitarbeiter in München müssen umschulen. Dafür startet in einem neuen Werk in Irlbach-Straßkirchen (Niederbayern) die Produktion von Hochvoltspeichern. Vielleicht blieb deshalb der Aufschrei nach Bekanntgabe der symbolträchtigen Verlagerung aus. Vielleicht auch, weil Zipse öffentlich sagt, dass er sich BMW ohne Produktion in München nicht vorstellen kann.

Die Schlussfolgerung: BMW setzt damit offenkundig auf E-Autos. Im Werk Shenyang entstehen ebenfalls Neue-Klasse-Modelle in China und für China. Selbst BMWs größtes Werk Spartanburg in Donald Trumps USA wird für die Neue Klasse modernisiert und im nahegelegenen Woodruff entsteht eine neue Montagefabrik für Hochvoltspeicher. Allein bis 2027 verspricht Zipse mehr als 40 neue oder überarbeitete Modelle, die alle von Neuer-Klasse-Technik profitieren sollen. Nicht alle sind E-Autos.

Technologieoffenheit bis zum Wasserstoff

Der neue X5 soll das erste BMW-Modell sein, das mit insgesamt fünf Antriebsvarianten erhältlich ist. Mit Verbrennern, als Plug-in-Hybrid, vollelektrisch und ab 2028 sogar mit Wasserstoff als Energieträger. Letzteres mag eine Nische bleiben, aber die gehört wohl zu Oliver Zipses Technologieoffenheit ohne Verbote und die ihn nicht davon abhält, niedrigere Strompreise zu fordern – für E-Autos und die Industrie.

Fazit