Jubiläum
75 Jahre AUTO MOTOR UND SPORT
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75 Jahre ams Porsche Taycan Rekordfahrt Joerg Kuenste
75 Jahre ams Porsche Taycan Rekordfahrt
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75 Jahre ams Porsche Taycan Rekordfahrt
75 Jahre ams Porsche Taycan Rekordfahrt 12 Bilder

75 Jahre auto motor und sport: Langstreckenrekord mit Taycan

Rekordfahrt mit dem Porsche Taycan 3.036 km rein elektrisch in 24 Stunden

Das ist das passende Geschenk zum 75. Geburtstag der Zeitschrift auto motor und sport: Gemeinsam mit Porsche haben Testfahrer des Magazins auf dem Lausitzring einen neuen Langstreckenrekord für Elektroautos aufgestellt.

Noch ist der Klimawandel nicht so richtig in der Lausitz angekommen. Hier ist es Mitte Mai saukalt (11 Grad), sehr nass (20 Liter/m2) und leicht neblig dazu. "Da werdet ihr Jungs es schwer haben", doziert DEKRA-Streckenchef Uwe Burckhardt. "Im Regen braucht ihr zehn Prozent mehr Strom als im Trockenen." 2.842 Kilometer haben wir als bisherigen 24-Stunden-Rekord mit einem Serien-Elektroauto gefunden. Das wollen wir mindestens schaffen. Schließlich wollen wir zu unserem Jubiläum auch eine Bestleistung hinbekommen, und zwar eine zukunftsweisende.

Wir, das sind Mayk Wienkötter von Porsche, auto motor und sport-Cheftester Jochen Albig und der Autor dieser Geschichte. Warum Porsche? Nun, der Taycan überzeugte schon im Test mit besten Manieren und geringem Verbrauch. Dank 800-Volt-Technologie lässt sich der Sportler sehr schnell laden. Und schließlich hatten zunächst angefragte große Hersteller am Ende doch etwas Fracksausen und uns abgesagt. Porsche nicht. In Zuffenhausen ist man mutig und stellt uns einen heckgetriebenen Basis-Taycan zur Verfügung. Und damit es auch mit dem Laden solide klappt, gleich noch einen tollen Ladetruck dazu. Dieser für Events auf Rennstrecken oder im unwegsamen Gelände verwendete Puffer-Speicher erspart uns die Fahrt zu dem fast ein Kilometer entfernten einzigen Schnelllader am Lausitzring. So parkt der Ladetruck direkt an der Strecke und gewährleistet mit seinen 2,1 Megawattstunden Kapazität verlässliche Ladevorgänge. Mit dabei ist Ulli-Maik Radke, "unser Multifunktionsmanager", wie Mayk ihn vorstellt. Er arbeitet seit Jahren am Taycan und kennt das Auto wie seine Westentasche.

Mit 160 im Nassen durch die Steilkurve

15 Uhr, Startzeit, Petrus lässt wieder einen heftigen Regenguss auf uns herabprasseln. Keine Chance, wir warten und besprechen die Taktik. "Optimal wäre, wenn wir auf der Geraden 180 fahren und in den beiden Steilkurven 160", erklärt Mayk die im Entwicklungszentrum Weissach ausgetüftelte Taktik. "Ladezeit ist Standzeit, und die müssen wir optimal nutzen. Sprich: Wir laden immer mit maximalem Strom. Ab 47 Prozent Ladung drosselt der Taycan seinen Ladestrom, dann fahren wir weiter, bis wir wieder bei drei bis fünf Prozent angekommen sind." Klingt nach ziemlich vielen Stopps. 47 Prozent Ladung ergeben gut 40 Kilowattstunden, und so um die 40 wird der Taycan auch auf 100 Kilometern aus der Batterie saugen. Dafür braucht es nur zehn bis zwölf Minuten, um diese 40 kWh in die Lithium-Ionen-Zellen zu stopfen. "Wir können Doppelstints fahren", meint Jo, der langsam loslegen möchte. Die Steilkurven vertragen auch im Nassen 160 km/h. "Aquaplaning hast du dort nicht …", lächelt Jo vielsagend. Langsam weicht der Platzregen einem müden Getröpfel – wir legen los. Batterie ist voll, Onboard gibt es ein Funkgerät, damit können wir im Problemfall schnell Hilfe holen. Uwe (Wie schnell wollt ihr im Nassen fahren?) hat noch eine Feuerwehr organisiert, Krankenwagen ist eh Pflicht.

75 Jahre ams Porsche Taycan Rekordfahrt
Joerg Kuenste
Die Rekordfahrt war ein voller Erfolg und ein super Geburtstagsgeschenk für 75 Jahre auto motor und sport.

19.22 Uhr: Der Taycan ist bereit, Jo hungrig aufs Kilometerfressen, die Jubiläumsaufkleber trotz nassem Blech aufgeklebt. Ich zähle die Sekunden runter, mit einem leisen Zischen verabschiedet sich der Porsche auf die lange Gerade Richtung Steilkurve, der Marathon beginnt! Durch eine riesige Gischtfahne leuchten die Bremslichter verschwommen, Jo biegt in die Steilkurve und verschwindet im Halbdunkel. "Wie schnell fahre ich?" "2 Minuten 2 konstant." Ulli ist zufrieden, die Reifen halten die 3,3 bar, die Batterie wird nicht zu heiß, Runde um Runde zieht Jo seine Bahn, der Regen treibt uns ins Wohnmobil.

Stoppen, Laden, Fahren

Jo sagt nichts mehr. Wie weit wird der randvolle Akku reichen? Nach einer Stunde funken wir ihn an. "Lebst du noch?" "SOC 28 Prozent, Batterietemperatur 39 Grad, Reifen okay!" Na, das sind ja erfreuliche Botschaften. Bald bin ich dran. Die Warterei nervt, die Spannung steigt, außer durch zwei Proberunden kenne ich weder Taycan noch Lausitz-Testoval im Regen. Aber hilft ja nichts, kneifen gilt nicht. Jo saust herein in unsere improvisierte Boxengasse, Ulli wartet schon mit dem Schnellladestecker in der Hand, Klappe auf, 20 lange Sekunden warten, klick, es lädt. 270 Kilowatt stürzen in die Zellen. Jo klettert raus, Mayk tippt in seinen Laptop allerhand Zahlen. Ich schlüpfe ins Cockpit, Sitz passt, Strom fließt. Nach elf Minuten nähern wir uns den magischen 47 Prozent Ladung, jetzt muss es schnell gehen. Fahrprogramm auf "Normal" (Geladen wird auf SportPlus), Scheibe zu, Klopfer aufs Dach, ab geht die Post!

75 Jahre ams Porsche Taycan Rekordfahrt
Joerg Kuenste
auto motor und sport-Chefredakteur Michael Pfeiffer am Steuer des Rekord-Taycan.

Genial, wie der Taycan anschiebt. Eine riesige Pfütze fläzt vor der Strecke, ein Zucken im Lenkrad, und ich bin drauf. Jetzt auf 180 Sachen beschleunigen, und schwupp, schon türmt sich die Steilkurve vor mir auf. Sieht gefährlich aus. Aber es geht. Nach ein paar Runden wird es Nacht. Ich beschließe, statt zu bremsen in die Kurve reinzurollen und den Schwung aus der Kurve wieder auf die Gerade mitzunehmen. Nach zehn Umläufen habe ich es drin. "Du fährst konstant, alles gut", beruhigt mich Ulli. Immerhin scheine ich sparsam unterwegs zu sein, denn nach 15 Runden habe ich immer noch elf Prozent Ladung.

Noch 2.700 km

"Fahr noch drei Runden!" rät die Stimme im Funk. Der Porsche will nachladen, kurz nach Ende der 17. Runde fällt der Stand unter fünf Prozent. Jetzt nur nicht gleich bei meinem ersten Stint stehen bleiben, schießt es mir durch den Kopf. Behutsam gehe ich die letzte Steilkurve an, es klappt. Zwei Prozent SOC, tippt Mayk in die Tastatur, 104 Kilometer habe ich geschafft. Noch 2.700 wollen wir abrollen, gut zwei Stunden sind wir unterwegs. Wird knapp. Jetzt ist Mayk dran. Der sonst so coole Typ aus dem Porsche-Presseteam schaut etwas angespannt. Aus dem Truck schießen wieder 270 kW in den Taycan. Abstöpseln, loszischen, Mayk verschwindet in die Nacht. Wir diskutieren, ob man ohne Bremsen weiter kommt als mit und ob die Reichweite bei etwas weniger Tempo deutlich wächst. Schließlich steigt durch die Nässe der Rollwiderstand.

75 Jahre ams Porsche Taycan Rekordfahrt
Joerg Kuenste
Sauwetter, wir brauchen zu viel Strom, die Stimmung sinkt.

Mayk funkt durch: "Ich muss das Gebläse anmachen, ohne Klima, sehe sonst nichts mehr." Klima wäre fatal für den Stromverbrauch, nur Gebläse ist erlaubt. Ab jetzt fahren wir Doppelstints. Jo kommt nach erfrischend kurzen 32 Minuten rein, allerdings auch nach nur 86 Kilometern. Der Regen wird wieder stärker. Scheibenwischer, Fahrwiderstand, Gebläse – wir brauchen zu viel Strom. So wird das nichts. Um vier Uhr sinkt die Stimmung endgültig in den Keller. Jo hat sich mit dem Fahrprogramm vertan und fuhr einen Stint mit Sport Plus. Aquaplaning bremst uns auf den Geraden. Ich will mehr Ladung, bei 51 Prozent erreicht die Temperatur 54 Grad. Zu viel. Wir fahren etwas langsamer, dafür wieder konstanter, Stint um Stint. Es gibt Kaffee, Brötchen, mittags Gulasch.

Alles läuft wie am Schnürchen

Vor allem sammeln wir Kilometer, alles läuft wie am Schnürchen. Sogar Petrus macht seinen Wasserhahn etwas zu, wir fahren schon längst ohne Scheibenwischer. Das hilft der Aerodynamik! Drei Stunden vor Schluss scheinen die 3.000 km doch wieder in Reichweite. Wir müssen nur die Stints gut aufteilen, sodass wir mit den letzten Tröpfchen Ladung über die Ziellinie rollen. Außerdem können wir schneller fahren, 200 auf den Geraden. Ich fahre auch mal 220, macht Spaß. Mayk fährt den Schlussstint, 55 Prozent SOC sollen ihn 43 Minuten lang befeuern. Er lässt es krachen, fährt 170 in den Kurven, die letzte Runde jubelt er in den Funk. 3.036 Kilometer gibt er Uli durch, Rekord! Mit einem Prozent rollt er nach 24 Stunden in die Box, wir liegen uns in den Armen.

Mayk sitzt an der Statistik. 1.308,74 kWh haben wir verblasen, entspricht 149 Liter Superbenzin. 4,9 Liter auf 100 km, nicht schlecht für einen 126,5er-Schnitt. Nur vier Stunden und 48 Minuten hingen wir dabei am Ladekabel, aber das irre 30 Mal. Der Porsche hat das klaglos mitgemacht. Nur wir sind hundemüde.

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Fazit

Wie weit kommt man elektrisch in 24 Stunden? Wann fährt man am besten zum Laden? Wie oft muss man Strom nachtanken? Und was muss man dazu tun, um möglichst weit zu kommen? Wir haben es mit einem Porsche Taycan ausprobiert. Das Ergebnis: 3.036 Kilometer!

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