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VW ID.3 Produktion Halde nextmove
VW ID.3 Produktion Halde
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VW ID.3 Produktion Halde 8 Bilder

Wegen Software und Corona

Baut VW zu wenig ID.3?

Vor dem Corona-bedingten Produktionsstopp am 18. März hat VW in Zwickau täglich 150 ID.3 ohne endgültige Software gebaut – und deshalb auf geheimen Parkplätzen abgestellt. Inzwischen läuft die Produktion wieder, 50 ID.3 werden pro Tag gebaut. Damit dürften inzwischen etwa 8.000 Elektro-VW auf Halde stehen. Aber reichen die auch?

Der ID.3 ist nicht nur VWs erstes Elektroauto auf Basis des Modularen Elektrobaukastens (MDB), sondern auch das erste mit einem eigenen Betriebssystem, sprich einer neuen Software, die unter anderem auch dafür sorgt, dass die ID.-Modelle Updates künftig aus dem Netz ziehen können, so wie es Tesla schon lange praktiziert.

Für den ID.3 ist die Entwicklung des Betriebssystems eigentlich fertig. Eigentlich. Denn wie Frank Welsch, Entwicklungsvorstand der Marke VW in einem Interview mit auto motor und sport sagte, brauche man inzwischen 50 Prozent der Zeit für die Entwicklungsarbeit und 50 Prozent für die Absicherung. Die Software für den ID.3 ist immer noch in der Absicherung. Die Produktion des kompakten Elektroautos, für das VW bereits 35.000 Bestellungen eingesammelt hat, hat am 4.11.2019 begonnen. Seitdem kommen die Autos quasi "dumm" vom Band, ohne viel Software. Die wird nach der Absicherung aufgespielt. Klingt eigentümlich, ist aber gängige Praxis, wie aus dem Konzern zu hören ist. Und so geplant.

Offiziell bleibt es beim Auslieferungsstart im Sommer

VW sagte vor Corona: "Es bleibt nach wie vor bei dem Termin für die Markteinführung des ID.3 im Sommer dieses Jahres. Fakt ist, dass wir mit der Neuausrichtung auf Elektromobilität gerade vor einer großen Herausforderung stehen und entsprechend unsere Kapazitäten bündeln, um den aufgestellten Terminplan einzuhalten und alle europäischen Märkte nahezu gleichzeitig mit den 1ST Edition Fahrzeugen zu beliefern. Am angekündigten Plan hat sich derweil nichts geändert". Auch nach dem Pandemie-bedingten Produktionsstopp am 18. März wollte VW alle Kräfte bündeln, um den Zeitplan zu halten. Angesichts des Wiederanlaufs am 23. April sagte Thomas Ulbrich, Vorstand für E-Mobilität der Marke Volkswagen: "Der gestartete Transformationsprozess in Richtung Elektromobilität nimmt ab heute wieder Fahrt auf. Der ID.3 ist dabei für Volkswagen eines der wichtigsten Fahrzeugprojekte." In einer entsprechenden Pressemitteilung heißt es aber auch: "In der ersten Phase des Wiederanlaufs werden in Zwickau mit reduzierter Geschwindigkeit täglich 50 Stück des ID.3 produziert – das entspricht rund einem Drittel des Fertigungsumfangs vor der Corona-Pandemie".

Kriegen alle 30.000 Vorbesteller ein Auto?

Aber gerade weil die Auslieferung erst im Sommer geplant ist, entsteht jetzt noch mal eine beträchtlich Zahl Autos, die irgendwo zwischengeparkt werden müssen – neben all denen die seit dem Produktionsbeginn im November 2019 gebaut wurden, selbst wenn man bei einer neuen Baureihe von einer flachen Anlaufkurve ausgeht. Die Angaben in der Pressemitteilung erlauben ein Hochrechnung: Angenommen der Output hätte nach den Weihnachtsferien erstmals die 150 Stück erreicht, käme man von 7. Januar bis zum 18. März auf 50 Arbeitstage. Macht bei 150 Autos pro Tag 7500 Stück insgesamt. 500 könnten aus den zwei Anlaufmonaten 2019 noch dazukommen. Zu den bereits fertig gebauten überschlägig 8000 gebauten Fahrzeugen kämen jetzt also täglich 50 hinzu. Bliebe es bei dieser Tagesproduktion, könnte VW bis Ende August nur etwa 4000 weitere ID.3 bauen. Laut VW haben sich allerdings schon mehr als 30.000 Käufer ein First-Edition-Modell mit 1000 Euro reserviert. Selbst wenn ab Ende August die Zahl täglich produzierter ID.3 wieder auf 150 steigt, käme man 2020 nur auf etwa 20.000 Exemplare. Vermutlich müssen also ID.3-Kunden so oder so mit Verzögerungen rechnen. Entweder wegen der Software oder wegen Corona.

Offensichtlich kein Problem mit Batterie-Nachschub

Immerhin scheint VW im Gegensatz zu anderen Herstellern kein Problem zu haben, genug Batterien zu bekommen. Trotzdem stellt sich da die Frage: Auf wie viele Haldenfahrzeuge stellt sich VW ein und wo stellt man die "dummen" ID.3 hin, wo bekommen sie ihre Software aufgespielt?

Die Elektroauto-Vermietung nextmove hat sich nach ein paar Hinweisen auf die Suche gemacht, gezählt, hochgerechnet und ein am 11.3. 2020 entstandenes Video über die Suche nach den Halden auf Youtube veröffentlicht.

Gefunden hat nextmove den alten Flugplatz Altenburg nahe der ID.3. Produktionsstätte Zwickau mit Platz für 5000 bis 8000 Autos und in der Nähe Raum für etwa 1000 weitere Fahrzeuge. Dort finden sich zudem beheizbare Zelthallen, in denen die Software aufgespielt werden wird. Ein noch größerer Parkplatz für die ID.3s soll in Emden entstehen.

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Fazit

Im Sommer will VW beginnen, den ID.3 auszuliefern. Verzögerungen sind mit Corona wahrscheinlicher geworden, zumindest für die Kunden, die später bestellt haben. Fest steht: VW stand schon vor den Pandemie-bedingten Produktionsausfällen enorm unter Druck und unternimmt neben dem Hochfahren der Produktion weiter höchste Anstrengungen, auch das Betriebssystem des ID.3 rechtzeitig fertig zu kriegen. Die umfangreiche Logistik, die hinter einer Vorproduktion ohne endgültige Software steckt, ist nicht ohne Planung möglich. Das Ausmaß ist im Youtube-Video erkennbar. Es spricht gegen außerplanmäßige Verzögerungen wegen der Software. Stattdessen könnte VW wegen der Corona-Pause tatsächlich noch in Verzug mit der Produktion der unfertigen Fahrzeuge kommen.

Für genug E-Autos zur Senkung des Flottenverbrauchs und zur Vermeidung von Strafzahlungen an die EU hat VW den eUp, der aktuell mit hohen Rabatten zu haben ist; auch der eGolf ist zwar nicht mehr konfigurierbar, aber noch zu bekommen.

Was den ID.3 angeht, wissen wir spätestens im August mehr.

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