WLTP-Verbrauch: Bei E-Autos realistischer als bei Verbrennern - und als WLTP-Reichweite

WLTP-Verbrauch bei E-Autos realistischer
Was die Reichweite aus dem WLTP-Verbrauch sagt

ArtikeldatumVeröffentlicht am 02.03.2026
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Gerade wer sich erstmals für ein Elektroauto interessiert, fragt sich zu Beginn: Wie weit komme ich mit dem anvisierten Modell im Alltag? Die WLTP-Angabe im Prospekt ist ähnlich praxisfremd wie die Verbrauchsangaben bei Verbrennern, die nach dem WLTP-Zyklus auf dem Prüfstand bei günstigen und gleichbleibenden Temperaturen ermittelt werden und die im Alltag auch ohne Bleifußattacken um bis zu 40 Prozent höher liegen können.

Temperatur und Tempo kosten Reichweite

Mehr Verbrauch bedeutet bei E-Autos entsprechend weniger Reichweite und entsprechend sind die WLTP-Reichweitenangaben wenig hilfreich, um reale Reichweiten im Alltag abzuschätzen. Zumal die größten Reichweitenfresser beim E-Auto niedrige Temperaturen und höhere Dauergeschwindigkeiten sind. Und die sind vor allem auf längeren Reisen gefragt, wo eben auch die Reichweite ein Thema ist.

Solche Verbrauchsspitzen können E-Auto-Fahrer im konkreten Fall selbst beeinflussen und die Reichweite mit leichterem Gasfuß steigern bzw. den Einfluss besonders niedriger Temperaturen am Bordcomputer ablesen (siehe auch Bildergalerie). Aber ein realistischerer Richtwert für die Reichweite lässt sich auch aus den Herstellerangaben ablesen. Was dabei hilft, ist ausgerechnet die für die Reichweitenermittlung an sich wenig hilfreiche Methode, den Verbrauch von E-Autos zu messen.

WLTP-Verbrauch bei E-Autos höher als bei Verbrennern

Denn in die Ermittlung des Verbrauchs müssen Ladeverluste eingehen, weil die für Autofahrer mit entscheiden, wie hoch die Energiekosten sind. Denn bezahlt werden muss, was die Ladesäule abgibt und nicht nur die kWh, die der Antrieb aus der Batterie des E-Autos saugt. Der WLTP-Prüfstandsverbrauchswert vergleichbar mit dem bei Verbrennern so oft auffällig niedrigen l/100-km-Angaben (und damit die Ladeverluste) lässt sich aus den Werksangaben nur errechnen.

Beispiel:

Für den Neue-Klasse-iX3 gibt BMW bestenfalls 805 km Reichweite an. Die Batterie hat einen Nettoenergieinhalt von 108,7 kWh. Fährt der iX3 damit 805 Kilometer weit, hat er also 13,50 kWh (108,7 kWh/8,05) pro 100 Kilometer verbraucht. Den WLTP-Verbrauch gibt BMW aber mit 15,1 bis 17,9 kWh an. Im Umkehrschluss lässt sich aus diesem höheren und daher realistischeren Verbrauch eine entsprechend realistischere (niedrigere) Reichweite berechnen.

Am Beispiel des BMW iX3 mit der aufsehenerregenden Prospektreichweite von 805 Kilometern lässt sich illustrieren, in welchem Ausmaß der Verbrauch auf die Reichweite Einfluss nimmt, indem man die Batteriekapazität durch den WLTP-Verbrauch dividiert:

108,7 kWh / 17,9 kWh/100 km = 607 km

108,7 kWh / 15,1 kWh/100 km = 720 km

Die Von-bis-Spanne selbst beim kombinierten WLTP-Verbrauch rührt von den Auswirkungen der jeweiligen Sonderausstattungen her. Breitere Reifen etwa erhöhen Roll- und Luftwiderstand, zahlreiche Extras sind schwer, was den Verbrauch ebenfalls erhöht. Angesichts des wenig fordernden WLTP-Zyklus dürfte der höhere Wert auch für die Sparbrötchen-Ausstattung näher an der Realität liegen.

Fazit