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Rohstoff-Knappheit: Phosphat-Förderung in Norwegen

Interview mit Gründer von Norge Mining Phosphat-Förderung für die E-Mobilität

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Das Bergbauunternehmen Norge Mining will künftig den für die E-Mobilität so wichtigen Rohstoff Phosphat fördern. Wie, erklärt Gründer Michael Wurmser im Interview.

Gerade die Automobilhersteller bekamen zuletzt zu spüren, wie anfällig Lieferketten in Zeiten von Pandemie und Krieg sein können. Folgt jetzt ein Umdenken? Industrie und Politik müssen und wollen ihre Strategie künftig ändern. Mit ein Grund, weswegen sich die EU-Kommission um neue strategische Partnerschaften mit Drittstaaten bemüht. Aktuell im Gespräch: Grönland, Kanada – und Norwegen. An letzterem Standort will das Bergbauunternehmen Norge Mining künftig den für die Elektromobilität wichtigen Rohstoff Phosphat fördern.

Norge Mining
Das norwegische Bergbauunternehmen Norge Mining will künftig den für die Elektromobilität wichtigen Rohstoff Phosphat fördern. Die EU stuft Phosphat bereits als kritisch ein.
Herr Wurmser, wozu braucht die Industrie – allen voran die Automobilindustrie – Phosphat?

Phosphat ist als Batteriegrundstoff wichtig für die Mobilitätswende und genauso für die Düngemittelerzeugung, also für die Ernährungssicherheit. Phosphat ist ferner ein Bestandteil der neuen Lithium-Eisen-Phosphat Batterie, welche bereits schon bei Tesla, Volkswagen und anderen Autobauern in ihre Fahrzeuge eingebaut werden. Durch das Phosphat und Eisen können andere schädliche Batterie-Inhaltstoffe wie Cobalt Nickel oder Cadmium ersetzt werden.

Sie wollen in Norwegen unter anderem genau dieses Phosphat fördern. Mit welchen Mengen wird dort gerechnet?

Wir sprechen hier in Norwegen allein von einem Vorkommen von bislang rund 70 Milliarden Tonnen Phosphatgestein. Zur Einordnung: Bisher lag das größte Vorkommen in Marokko mit 50 Milliarden Tonnen, in China mit 3,5 Milliarden Tonnen, Algerien mit rund 2,2 Milliarden Tonnen und Syrien mit 1,8 Milliarden. Das Abbaugebiet liegt im Süden Norwegens in der Nähe von Stavanger, und ist in etwa doppelt so groß wie Paris. Auf einer Fläche von 560 Quadratkilometern verfügen wir dort über 61 Lizenzen. Im Moment kalkulieren wir mit diversen Förderszenarien, die zwischen 10 und 35 Millionen Tonnen pro Jahr liegen. Bei einer guten Auslastung der Mine rechnen wir aktuell mit 20 Millionen Tonnen Fördermenge pro Jahr.

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Woher wissen Sie über diese enormen Mengen so genau Bescheid?

Um die Größe sowie die Lage des Erzkörpers genau zu ermitteln, mussten wir zunächst sogenannte elektro-magnetische Erkundungsflüge mit dem Helikopter durchführen. Mit Hilfe modernster Sonar-Technologie ließ sich das Gebiet dann genau eingrenzen und ermitteln. Dank der genauen Messtechnologie der erzeugten Messdaten und der Grösse der Datenmenge konnten wir eine ziemlich genaue 3D Darstellung des Erzkörpers im Boden erstellen. Allein der Erzkörper des entdeckten Phosphatgesteins reicht 4,5 Kilometer in die Tiefe. Bis zu einer Tiefe von 1500 Meter befinden sich mindestens 70 Milliarden Tonne Phosphatgestein. Darin enthalten sind ebenfalls global signifikante Vorkommen von Titanium und Vanadium. Wir können vor Ort in Südnorwegen mindestens die nächsten 75 Jahre kritische Rohstoffe fördern, ohne dass diese zur Neige gehen – und dies bloss auf einer Fläche, die gerade mal zehn Prozent des Gesamtpotentials ausmacht. Wenn alles nach Plan läuft, können wir innerhalb der nächsten 5 Jahre damit beginnen.

Norge Mining
In Norwegen allein rechnet Norge Mining mit einem Vorkommen von bislang rund 70 Milliarden Tonnen Phosphatgestein. Phosphat ist ein Bestandteil der neuen Lithium-Eisen-Phosphat Batterien, welche unter anderem schon bei Tesla zum Einsatz kommen.
Die EU klassifiziert im Jahr 2020 Phosphat erneut als "kritischen Rohstoff". Wie wird das Eisenphosphat eigentlich gewonnen?

Es wird im Tagebau gewonnen. Die Extrahierung des Phosphates aus dem Erzgestein erfolgt dann über ein rein mechanisches Verfahren. Nachdem das Erzgestein zermahlen wurde, können die Eisenphosphat-Partikel mit Magnetkraft dem aufgeschwemmten Wasser entzogen und so gewonnen werden. Da in unserem Fördergebiet nur magmatisches Gestein vorhanden ist, geschieht das in unserem Fall im Vergleich zu anderen Abbauprozessen ohne Zugabe von Chemie. Das marokkanische Sedimentgestein zum Beispiel enthält krebserzeugendes Cadmium, welches zunächst durch ein chemisches Verfahren aus dem Gestein entfernt werden muss.

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Ist die Produktion weitestgehend CO2-neutral – wie groß ist der Fußabdruck?

Nachhaltigkeit und Bergbau ist möglich und machbar. Unser Fußabdruck wird gering bis gar nicht sichtbar sein. Insgesamt ist unser Geschäftsmodell komplett auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Wir werden ausschließlich erneuerbare Energien aus Wasser- und Windkraft für die Stromversorgung unseres Unternehmens nutzen. Die Mineralien können aufgrund ihrer magmatischen Beschaffenheit ohne chemische Zusatzstoffe und Unmengen von Wasser komplett aus dem Erzgestein gewonnen und voneinander getrennt werden. Nach der Rohstoffförderung planen wir eine Renaturierung des jeweiligen Abbaugebietes, das spärlich besiedelt ist. Überschüssiger Abraum wird unter anderem an die Niederlande, Dänemark oder Schottland für die Aufschüttung ihrer vom steigenden Meeresspiegel bedrohten Küsten sowie für Offshore-Windparks verkauft. Und mit Blick auf Europa bieten wir kurze Lieferwege, bei denen wir unter anderem auf den Güterverkehr auf der Schiene setzen können.

Norge Mining
Gründer von Norge Mining, Michael Wurmser, glaubt, dass die Phosphat-Förderung bald beginnen kann: "Wenn alles nach Plan läuft, können wir innerhalb der nächsten 5 Jahre damit beginnen."
Entsprechend höher dürften die Förderkosten im Vergleich zu Abbaumethoden aus anderen Ländern liegen – oder etwa nicht?

Wir sind zwar von den Arbeitskosten teurer, aber dafür entfallen auf norwegische Rohstoffe zum Beispiel keine Strafzölle wie im Fall von marokkanischem oder russischem Rohstoff beim Import in die USA. Sicherheit und übrigens Nachhaltigkeit mit Blick auf das Lieferkettengesetz und die 17 globalen Nachhaltigkeitsstandards haben einen Preis, der dann im Vergleich nicht mehr hoch ist, wenn Unternehmen gezwungen werden, Investments zu tätigen, um minimale Standards an Nachhaltigkeit zu erfüllen. Wenn man die potentiellen Kosten außerdem bei einer Unterbrechung der Lieferkette etwa aus unsicheren Staaten wie China oder Russland, wie zuletzt bei der Pandemie und dem Krieg in der Ukraine gesehen, betrachtet, wird es ohnehin so viel kostengünstiger und verlässlicher, auf Norwegen zu setzen. Unsicherheit ist unberechenbar und teuer.

Gibt es bereits vertragliche Abnehmer für Ihr Vorhaben?

Es gibt große Interessenbekundungen aus Asien, den USA und Europa aus dem Bereich Automobilindustrie oder Luftfahrt und der Düngemittelindustrie. Und der Druck in den verschiedenen rohstoffabhängigen Branchen wächst. Allein in der EU hängen mindestens 30 Millionen Arbeitsplätze direkt oder indirekt am Import und der Verarbeitung von Rohstoffen.

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Erkundungsbohrungen in Südnorwegen bestätigten das Vorkommen der kritischen Rohstoffe Phosphat, Titanium und Vanadium. Somit könnte Norwegen künftig zu einem wichtigen Lieferant von Grundstoffen für die Energie- und Mobilitätswende werden.
Inwiefern fördert die EU ihr Vorhaben – hat sich durch Russlands Krieg etwas am EU-Vorgehen verändert?

Inzwischen hat die EU die Relevanz von Kritischen Rohstoffen erkannt und wir führen auf verschiedenen Ebenen der EU bereits konkrete Gespräche, allerdings wäre es schön, wenn die EU das Thema kritische Rohstoffe und Rohstoffautarkie auch als EU-weite industriepolitische Aufgabe begreift. Es geht um die wirtschaftliche Zukunft Europas und seine globale Wettbewerbsfähigkeit. Die aktuelle Versorgungskrise mit Energie und Rohstoffen trifft vor allem Europa, das derzeit weit über 70 Prozent seiner Kritischen Rohstoffe aus China und Russland bezieht und sich in eine politisch als auch wirtschaftlich gefährliche und fahrlässige Abhängigkeit begeben hat. Eine ungute Situation angesichts der aktuell hohen geopolitischen und auch handelspolitischen Dynamik mit brüchigen Lieferketten. Hier müssen Politik und Industrie komplett umdenken, um sich aus dieser Abhängigkeit rasch zu befreien. Die EU hat keine andere Wahl, als auf onshore-Mining in Europa umzusatteln, was für die EU letztlich viel besser ist, weil es sie unabhängig in dieser Frage macht. Der Krieg hat die Lieferketten nicht nur in eine große Volatiliät gebracht, sondern über Nacht sind Russland und Ukraine als Rohstofflieferanten komplett ausgefallen. Das wird sich alles beschleunigen, um den Green Deal in die Praxis umzusetzen.

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Und was hält Norwegen von Ihrem Vorhaben?

Lokale als auch nationale Behörden in Norwegen stehen geschlossen und mit einem starken Commitment hinter uns und sichern uns Unterstützung auf allen Ebenen zu. Norwegen ging diesbezüglich bereits schon in Vorleistung und hat den geplanten Bau einer Autobahn von Dänemark nach Norwegen geographisch soweit verschoben, dass die Trasse nicht mehr über unser Gebiet läuft. Die Abänderung der Routenführung dieses Autobahnteilstückes wird den Staat nahezu 330 Millionen Euro kosten. Außerdem ändert der norwegische Staat gerade das Bergbaugesetz, um Möglichkeiten zu schaffen, schneller und unbürokratischer in die Förderung der Rohstoffe zu gehen.

Fazit

Viele Rohstoffe, die wir beim Wechsel von Verbrenner- auf Elektromotor brauchen, haben wir faktisch selbst in Europa. Unternehmungen wie die von Norge Mining zeigen, wie sich Europa in Zeiten von Pandemie und Krieg zumindest zum Teil von seiner Import-Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen lösen kann.

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