BMW M3/M4, Exterieur Rossen Gargolov
BMW M3 F80, Exterieur
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BMW M3 F80, Interieur
BMW M3 F80, Interieur 16 Bilder

Gebrauchte Sportwagen: BMW M3/M4

BMW M3/M4 im Gebrauchtwagen-Check Darauf müssen Sie bei E90 und F80 achten

Auf der Rennstrecke, in Fan-Kreisen oder auf dem Second-Hand-Markt – der BMW M3 ist seit jeher eine echte Größe. Wir checken den einzigen V8 und den ersten Biturbo auf Kinderkrankheiten und Kosten.

Kaufen, verkaufen, behalten? Die alte Leier. Wie man es macht, ist es falsch. Wer hat nicht schon mal einem verkauften Auto hinterhergetrauert? Sicher ist auch der eine oder ­andere ehemalige M3-Besitzer dabei. Nun, Angebote gibt es genug: Bei "Deutschlands größtem Fahrzeugmarkt" werden aktuell 1.340 gebrauchte BMW M3 (und M4) angeboten. Darunter ist natürlich auch eine gewisse Dunkelziffer, sprich normale 3er mit M3-Felgen, Umbauten, Angebote aus dem Ausland et cetera. Dennoch, die Auswahl ist erfreulich.

Die sport auto-Crew wirft ein Schlaglicht auf den letzten Sauger (Modelle E90/92/93) sowie den ersten Biturbo (F80/82/83) der Bayerischen Motoren Werke. Der Jüngere zuerst: Unsere Wahl fällt auf einen M3 von 2016 mit 57.000 Kilometern, lackiert in Feuerorange II. Kenner wissen, das war die einzig lieferbare Lackierung des limitierten 450 PS starken GTS-Modells. Alexander Kraus, Inhaber von Auto Kraus in Donauwörth, empfängt uns grinsend an diesem nebligen Februartag. Zusätzlich entpuppt sich der M3 allein schon wegen seiner Farbe als echter Stimmungsaufheller. Alexander fühlt sich "geehrt, dass sport auto mein Auto vorstellen will". Der Autohändler hat unsere Zeitschrift abonniert. Bingo!

Hinten rote Blinker und AKI?

BMW M3 F80, Exterieur
Rossen Gargolov
Rote Blinker hinten und der Hinweis AKI 93/91 statt 98/95 ROZ im Tankdeckel verraten die kanadische Erstzulassung. Dabei fühlt sich der M3 an wie er soll.

Das nicht vorhandene Eis muss also nicht erst gebrochen werden. Ein Gang ums Auto: gute, nicht zu alte Hankook Ventus S1 evo, schöne 20-Zoll-Alus ohne Schrammen, dazu Vollausstattung inklusive Siebengang-DKG, Head-up-Display und le­der­umhüllter Instrumententafel. Alles frisch? Na ja, fast. Am rechten Außenspiegel löst sich der Klarlack, auch der Lenkradbezug wirkt recht verbraucht. Dazu blinkt der M3 hinten rot, und in der Tankklappe steht nichts von 98/95 ROZ, dafür aber AKI 93/91. Herr Kraus, wir müssen reden! "Das Auto kommt aus Kanada. Ich will es seit eineinhalb Jahren verkaufen. Jeder Interessent winkt ab, nachdem er hört, es hat eine kanadische Erstzulassung", so der Autohändler. Dabei hat der orange M3 schon eine deutsche Zulassung. TÜV-Ärger also Fehlanzeige. Der avisierte Verkaufspreis von 49.000 Euro wird als "guter Preis" ausgewiesen. Und AKI? Steht in den USA und Kanada für Anti-Knock Index. AKI 93 bedeutet in etwa die gleiche Spritqualität wie ROZ 98.

Na, dann mal auf zum Galopp über bayerische Landstraßen – mal sehen, ob sich der Kanada-M3 seltsam anfühlt. Nein, tut er nicht, so viel sei schon jetzt verraten. Das leichte Hoppeln kommt von der langen Standzeit. Die Reifen laufen nicht ganz rund, das wird aber verschwinden. Der Biturbo-Sechser S55B30 drückt massiv, wirft mit seinem Drehmoment nur so um sich. 550 Newtonmeter schon bei 1.850/min prägen den Fahreindruck. Aber auch hohe Drehzahlen mag er, der rote Bereich beginnt erst bei 7.500 Touren. Ob Tunnel oder hohe Betonwand: Es lohnt sich, die Seitenscheiben runterzufahren und aufs Gas zu latschen. Der ­Biturbo schickt rotzige Sechszylinder-Salven ins Auto – das ist zwar nicht der Sound der ewigen Legende CSL E46, aber doch M3-Sound at its best. Voll durchbeschleunigt packt der S55 mit 431 PS dermaßen zu, dass du im manuellen Getriebemodus kaum mit dem Schalten nachkommst.

Auch das ASR hat richtig zu tun, vor allem bei niedrigen Temperaturen und kalten Sommerreifen. Aber von der Rennstreckenhatz wissen wir, dass das M-Aktivdifferenzial und das Fahrwerks-Set-up einen Grenzbereich definieren, mit dem sich sehr gut leben lässt. Vorderachse stabil, Hinterachse leicht, aber kontrollierbar lose. Dazu gibt es eine stimmige Lenkung.

M3 oder M4? Eigentlich egal

Übrigens: Ob Limousine oder Coupé ist eine Frage der Vorliebe, keine der Performance. So geschrieben von Kollege Stefan Helmreich, der sechs verschiedenen M2-/M3-/M4-Modellen in der Performance-Analyse (sport auto 11/2018) auf den Zahn gefühlt hat. Beispiel gefällig? Die Rundenzeiten der Competition-Modelle von M3 und M4 lagen auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim nur um zwei Zehntel auseinander. Kaufen? Ja, würden wir den feuerorangen F80. Die auffällige Limo macht richtig Laune. Und wer kann schon erzählen, dass sein Auto einmal quer über den Großen Teich und wieder zurückgeschippert wurden? Danke, Herr Kraus, und viel Erfolg beim Verkauf des M3.

Wir bleiben in Bayern und bewegen uns 90 Kilometer südlich in die Nähe von Schwabmünchen. Robert Kugler wischt gerade die letzten Wassertropfen vom Blech seiner tiefschwarzen E90-Limousine. Für sport auto holt der Unternehmer seinen M3 extra aus dem Winterschlaf, den dieser in einer Halle von Kumpel Michael verbringt, der dort auch seinen M3-Bergrenner eingelagert hat.

Der E90 ist ein 2009er-Facelift-Modell, das "BMW-Händler Schaumberger 2018 aus Italien importiert hat", so Robert. Er stellt sich 38.000 Euro für das aus dritter Hand stammende Auto vor. Damit zählt der M3 nicht zu den günstigen Angeboten, denn auf der Uhr stehen immerhin 144.000 Kilometer. "Dafür ist er nicht verbastelt und original bis auf die speziellen Felgen, das Bilstein-Fahrwerk, die Akrapovic-Anlage und das Performance-Lenkrad." Es stammt aus einem 335i und zeigt Öl- und Wassertemperatur an. Außerdem hat der schwarze Schönling regelmäßig die Werkstatt von innen gesehen, und auch die Pleuellager wurden schon getauscht. "Das Drosselklappengestänge habe ich erst im letzten Herbst manuell abgeschmiert, das kann man locker selber machen", erzählt Robert. Die hinteren Michelin Pilot Sport kamen im Sommer 2019 neu aufs Auto, die vorderen Pneus hingegen gehören altershalber erneuert. Beschlagene Scheinwerfer sind typisch für die Baureihe E90/92/93. "Der Unterhalt eines M3 ist schon extrem teuer. Aber wenn man einiges selbst machen kann, wird es erträglich", so der 40-Jährige, der im Alltag einen Audi R8 4.2 fährt.

Dreht wie der Teufel

BMW M3 E90, Motor
Rossen Gargolov
Schon das tiefgründige Ansauggeräusch des E90-Achtzylinders begeistert, aber wehe, der S65 wird gefordert. Kraft ist reichlich da, aber sie kommt linear, nicht überfallartig. Dreht bis 8.500/min!

Theorieteil abgeschlossen, jetzt folgt die Praxis. Hinein in den blutroten Ledersessel und Startknopf gedrückt. Der Sound des Vierliter-V8 stellt schon im Standgas alle Nackenhärchen auf – Akrapovic sei Dank. Gewundene bayerische Landstraßen mit unterschiedlichen Radien versüßen die Testfahrt. Schon das tiefgründige Ansauggeräusch des Achtzylinders begeistert, aber wehe, der S65 wird gefordert: Er serviert seinen Qualm ganz anders als der Biturbo. Kraft ist reichlich da, aber sie kommt linear, nicht überfallartig. Bissig hängt das Kraftpaket am Gas. Bei 4.500 weißt du, was dich über 6.000 erwartet, bei 7.000 spürst du, da geht noch einiges. Sagenhafte 8.500 Kurbelwellenumdrehungen pro Minute schafft der Saugmotor – für echte Racer fast zu schön, um wahr zu sein. Der Akrapovic-Auspuff sorgt auf der Drehzahltonleiter für eine furiose, aggressivere Klangfarbe. Ja, wirklich schade, dass man diese Hochdrehzahlmaschine nur noch gebraucht erleben darf!

Aber auch der Rest des E90 überzeugt. Das Auto fühlt sich schlanker, kleiner und leichter an als der F80. Agiles Einlenken ist Ehrensache, dazu gibt es ein gut kontrollierbares Heck. Bei launigen Drifts hilft das variable Sperrdifferenzial. Ein Blick auf die Zahlen: In Hockenheim war ein E92-Coupé seinerzeit 1,5 Sekunden langsamer als der Nachfolger. Dazwischen liegen aber auch acht Jahre – und somit Fortschritt in allen technischen Bereichen.

Dauerbrenner Pleuellager

BMW M3/M4, Exterieur
Rossen Gargolov
Pleuellager beim S65-Triebwerk des E90 müssen spätestens bei 100.000 Kilometern getauscht werden. Der Nachfolger F80 ist noch unauffällig, Experten raten dennoch zum Ölwechsel beim DKG-Getriebe.

Technik, gutes Stichwort. BMW-­Experte Ralf Mork von Mork Wenz Performance weiß, dass die "Pleuellager beim S65-Triebwerk spätestens bei 100.000 Kilometern getauscht werden müssen". Vanos ist dagegen kein Thema. In Foren wird berichtet, dass nicht jeder Motor die vollen 420 PS bringt. Wer einen M3/M4 mit DKG kauft, sollte wissen, dass die untere Ölwanne nach rund 80.000 Kilometern undicht werden kann. Auch ein Getriebeölwechsel bei rund 130.000 Kilometern ist laut Ralf Mork sinnvoll. Die manuelle Schaltbox macht kaum Ärger – wenn die Kupplung nicht mutwillig zerstört wird. Aktuell läuft ein Rückruf wegen Brandgefahr der Heizungs- und Klimaanlage, das gilt auch für den M3 E90/92/93.

Und der Nachfolger? Noch unauffällig. Bei gechippten M3/M4 kann die Verschraubung des Steuerketten-Zahnrads an der Kurbelwelle schlappmachen. Mork bietet eine optimierte Lösung an, die einen Motorschaden verhindern kann. Auch beim F80/82/83 raten die Experten zum Ölwechsel beim DKG-Getriebe.

Zurück zur Frage aller Fragen: Kaufen oder verkaufen? Robert steigt aus, streichelt seinem E90 über die Haube und grinst: "Ich habe ihn gestern bei Mobile wieder rausgenommen, denn die ganzen ‚Letzte-Preis-Anrufe‘ nerven. Vor Kurzem hat einer 20.000 Euro geboten", schüttelt er mit dem Kopf. "Eigentlich sollte ich ihn eher behalten."

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Handschaltung. Damit bietet er einfach das intensivere Fahrerlebnis.
Automatik. Damit ist er nicht nur schneller, sondern auch sparsamer.

Fazit

Aus guter Tradition – Fahrspaß auf die Münchner Art: Ob die Wahl auf eine Limousine, ein Coupé, ein Cabriolet, auf den letzten V8 oder den ersten Biturbo fällt: Jeder Bayern-Sportler bietet markentypische Faszination und hohe Performance. Das Angebot auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist groß, die Preise überaus attraktiv. Doch die laufenden Kosten für Sprit, Wartung, Verschleißteile und Versicherung sind nicht von Pappe. Also sollten künftige M3-/M4-Besitzer mehr als nur einen Notgroschen auf die Seite legen können, sonst findet der Spaß schnell ein Ende. Anders als bei Audi RS 4 und Mercedes-AMG C 63 gab es für die schnellen Münchner serienmäßig ein manuelles Sechsganggetriebe. Das gibt von uns ein Extra-Lob. Leider finden sich die handgeschalteten Varianten sehr selten. Autos mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe dominieren das Angebot in den bekannten Internetbörsen.

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