Mit dem Peaq bringt Škoda erstmals einen vollelektrischen SUV auf den Markt, der auf die obere Mittelklasse und große Familien zielt. Das Modell positioniert sich oberhalb des Enyaq und tritt gegen Fahrzeuge wie Kia EV9 , Hyundai Ioniq 9 oder Volvo EX90 an. Der Kia EV9 hat bereits in unseren Testberichten seine Qualitäten als Familienfreund unter Beweis gestellt, er gehört zu den wenigen Elektro-SUV, die serienmäßig sieben Sitzplätze mit besonders großzügigem Raumangebot aufwarten. Beide Fahrzeuge richten sich prinzipiell an dieselbe Käuferschicht, gehen das Thema aber unterschiedlich an.
Abmessungen und Raumangebot
Auf den ersten Blick wirkt der Kia EV9 wie eine Klasse größer. Mit 5,01 Meter Länge und einem Radstand von 3,10 Meter gehört er zu den größten Elektro-SUV auf dem deutschen Markt. Seine kantige Karosserie nutzt die Außenmaße konsequent für den Innenraum aus. Serienmäßig verfügt der EV9 über sieben Sitzplätze, optional sind Sechssitzer-Konfigurationen erhältlich. Das Ladevolumen reicht von 333 Liter bei voller Bestuhlung bis 2.393 Liter bei umgeklappten Sitzreihen.
Der Škoda Peaq fällt mit 4,87 Meter Länge und 2,97 Meter Radstand kompakter aus. Trotzdem gehört auch er zu den Raumriesen seiner Klasse. Die tschechische Marke nutzt den Modularen Elektro-Baukasten (MEB) des Volkswagen-Konzerns für einen langen Innenraum und einen besonders großen Gepäckraum. Bis zu 935 Liter Ladevolumen stehen hinter der zweiten Sitzreihe zur Verfügung. Werden die Rücksitze umgelegt, entstehen bis zu 2.150 Liter Stauraum. Optional ist auch eine siebensitzige Variante vorgesehen.
Im Alltag dürfte der Kia vor allem durch die serienmäßige dritte Sitzreihe und den größeren Innenraum bei langen Familienreisen Vorteile bieten. Der Škoda kontert mit kompakteren Außenmaßen, die das Rangieren und Parken erleichtern.
Design und Karosseriekonzept
Optisch verfolgen beide Hersteller unterschiedliche Philosophien. Der EV9 setzt auf eine bewusst kantige und markante Gestaltung. Die nahezu senkrechte Front, die hohen Flanken und die klaren Linien erinnern an klassische Geländewagen. Trotz der wuchtigen Erscheinung erreicht der Kia einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,28.
Der Peaq wirkt moderner und stärker auf Aerodynamik ausgelegt. Die Karosserie orientiert sich an der aktuellen Škoda-Designsprache mit klaren Flächen, schmalen Leuchteinheiten und einer insgesamt fließenderen Linienführung. Mit einem cw-Wert zwischen 0,249 und 0,267 liegt der Škoda aerodynamisch deutlich günstiger als der Kia. Das erklärt teilweise auch seine höheren Reichweitenwerte.
Antrieb und Fahrleistungen
Beim Antrieb bietet Škoda drei Leistungsstufen an. Den Einstieg bildet der Peaq 60 mit 150 kW Leistung und Heckantrieb. Darüber rangiert der Peaq 90 mit 210 kW. Die Topversion 90x kombiniert je einen Elektromotor an Vorder- und Hinterachse und erreicht 220 kW Systemleistung.
Kia verfolgt ein ähnliches Konzept, setzt aber auf größere Leistungsunterschiede. Die Heckantriebsmodelle leisten 160 (kleine Batterie) beziehungsweise 150 kW mit dem großen Akku. Darüber steht die Allradversion mit 283 kW (385 PS).
Die Fahrleistungen liegen insgesamt auf einem hohen Niveau. Der stärkste Peaq beschleunigt in 6,7 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht 180 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der EV9 in der Allrad-Topmotorisierung benötigt lediglich 5,3 Sekunden für den Standardsprint. Er läuft in der stärksten Ausführung auf der Autobahn bis zu 200 km/h.
Batterie, Reichweite und Laden
Die größten Unterschiede zeigen sich bei der Effizienz. Škoda bietet zwei Batteriegrößen an. Die kleinere Version verfügt über 59 kWh nutzbare Kapazität, die größere über 86 kWh. Trotzdem erreicht der Peaq Reichweiten von bis zu 647 Kilometern nach WLTP. Selbst die Allradversion kommt noch auf bis zu 613 Kilometer.
Der Kia setzt auf Batterien mit 76,1 beziehungsweise 99,8 kWh. Die maximale WLTP-Reichweite beträgt 563 Kilometer. Damit liegt der EV9 sichtbar hinter dem Škoda.
Ein Grund dafür ist das Fahrzeugkonzept. Der Kia ist größer, schwerer und weniger aerodynamisch. Dafür bietet er mehr Platz und höhere Transportkapazitäten.
Beim Schnellladen profitieren beide Modelle von moderner Technik. Der EV9 nutzt die 800-Volt-Architektur der E-GMP-Plattform des Hyundai-Kia-Konzerns. Unter optimalen Bedingungen soll der Ladestand in rund 20 Minuten von zehn auf 80 Prozent steigen, die Ladeleistung liegt bei maximal 210 kW.
Der Peaq erreicht maximale Ladeleistungen von bis zu 199 kW. Das liegt etwas unter den Spitzenwerten des Kia, bewegt sich aber ebenfalls auf einem zeitgemäßen Niveau. Für Langstreckenfahrer dürfte vor allem die Kombination aus hoher Reichweite und guter Ladeleistung interessant sein.
Komfort und Innenraum
Im Innenraum zeigen sich unterschiedliche Schwerpunkte. Der Kia EV9 setzt klar auf Premium-Anmutung. Bereits die Basisversion bietet elektrisch verstellbare Sitze, beheizbares Lenkrad, digitale Instrumente, Navigationssystem, induktives Laden und umfangreiche Assistenzsysteme.
Die höheren Ausstattungslinien Earth und GT-Line ergänzen unter anderem Sitzbelüftung, Meridian-Soundsystem, Relaxation-Sitze, Massagefunktion, Head-up-Display und Rundumsichtkamera.
Der Škoda Peaq orientiert sich stärker an den bekannten Tugenden der Marke. Praktische Lösungen, ein großzügiges Raumgefühl und hohe Alltagstauglichkeit stehen im Vordergrund. Gleichzeitig bietet auch er moderne digitale Anzeigen, aktuelle Konnektivitätsfunktionen und umfangreiche Fahrerassistenzsysteme.
Anhängerbetrieb und Alltag
Für viele Familien und Freizeitnutzer spielt die Anhängelast eine wichtige Rolle. Hier liegt der Kia klar vorn. Die Allradversion darf bis zu 2.500 Kilogramm ziehen und gehört damit zu den stärksten Elektro-Zugfahrzeugen auf dem Markt.
Der Škoda erreicht maximal 2.000 Kilogramm Anhängelast. Das genügt für große Wohnwagen, Boots- oder Pferdeanhänger, erreicht aber nicht das Niveau des Kia.
Auch beim Frunk bietet der EV9 zusätzliche Stauräume mit bis zu 90 Litern Volumen. Der Peaq verfügt ebenfalls über ein Frontstaufach, allerdings mit 37 Litern Fassungsvermögen.
Preise
Auch bei den Preisen verfolgen beide Hersteller unterschiedliche Strategien. Der Skoda Peaq startet bereits bei 49.900 Euro und bleibt selbst als stärkste Allradversion in der gehobenen Sportline-Ausstattung mit 65.300 Euro deutlich unterhalb des Kia EV9. Der Einstieg in die EV9-Baureihe erfolgt erst bei 63.690 Euro, während die luxuriös ausgestattete GT-Line mindestens 84.080 Euro kostet. Besonders interessant ist der Vergleich der leistungsstärkeren Varianten: Ein Peaq Selection 90x mit Allradantrieb kostet 60.400 Euro und liegt damit mehr als 10.000 Euro unter dem günstigsten allradgetriebenen EV9. Selbst der umfangreicher ausgestattete Peaq Sportline 90x bleibt noch rund 5.400 Euro unter dem Basispreis des EV9 mit Allradantrieb.












