VW Golf IV 1.4 (1997) H.-D. Seufert
VW Golf IV 1.4 (1997)
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VW Golf IV 1.4 (1997) 14 Bilder

VW Golf IV 1.4 (1997) auto motor und sport 21/1997

Der vierte Golf im alten Test

Bessere Qualität, mehr Sicherheit und höherer Fahrkomfort: VW verspricht der Kundschaft den besten Golf, den es je gegeben hat. Im Test aus auto motor und sport 21/1997 zeigt das Einstiegsmodell mit 75 PS starkem 1,4-Liter-Motor, ob die vierte Generation des Bestsellers den Versprechungen gerecht wird.

Golf bleibt Golf. Das Volkswagenwerk bewegt sich auch mit der neuesten Auflage dieses Bestsellers auf bewährten Pfaden. Ein ganz neues Konzept, wie es sich Mercedes bei der A-Klasse ausgedacht hat, stand bei der Konstruktion der nunmehr vierten Generation nicht zur Debatte. Warum auch? Was bisher einen derartigen Erfolg hatte, wird nicht von heute auf morgen altbacken.

Es gibt Formen, die man nicht verbessern kann – mit diesem Slogan warben die Wolfsburger einst für den Käfer. Den Golf-Designern ist er offensichtlich im Gedächtnis geblieben: Golf der Vierte sieht seinem Vorgänger so ähnlich, daß er im Straßenbild keinerlei Aufsehen erregt. Wer ihn kauft, verschwindet in jener Unauffälligkeit, die mit dazu beigetragen hat, dem Golf ein klassenloses Image zu bescheren.

Golf IV mit größerer Karosserie

VW Golf IV 1.4 (1997)
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Den größten Neuigkeitswert hat die Heckpartie mit dem in den Stoßfänger versetzten Kennzeichen.

Den höchsten Neuigkeitswert hat noch die Heckpartie mit dem jetzt unterhalb des Stoßfängers angebrachten Kennzeichen. Vorn setzen die unter klarem Glas montierten Scheinwerfer, die ein sehr gutes Licht liefern, einen neuen Akzent. Und wer nicht nur flüchtig hinschaut, wird feststellen, daß die in Länge (13 Zentimeter) und Breite (drei Zentimeter) gewachsene Karosserie nun deutlich stämmiger wirkt – ein Effekt, der auch den großen Rädern zuzuschreiben ist.

Kofferraum mit 330 Liter Volumen

VW Golf IV 1.4 (1997)
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Großer, gut nutzbarer Kofferraum mit geraden Seitenwänden.

Das Raumangebot ist besser geworden, allerdings in einem Maß, das keinen Quantensprung bedeutet. Der neue Golf ist kein Raumwunder, aber er bietet genügend Platz, um eine vierköpfige Familie bequem zu transportieren. Der Kofferraum fällt weniger durch seine Größe als durch seine praxisgerechte, glattflächige Form auf, die durch die räumliche Trennung von Schraubenfedern und Stoßdämpfern an der Hinterachse ermöglicht wird und die es erlaubt, das gebotene Volumen (330 Liter) vollständig auszunutzen. Schade nur, daß sich VW eine geteilt umklappbare Rücksitzbank beim Basismodell extra bezahlen läßt.

Vorn wird der Zuwachs an Innenbreite durchaus spürbar. Das subjektive Raumgefühl ist eindeutig besser geworden, wozu auch das völlig neu gestaltete, flacher gehaltene Armaturenbrett beiträgt. Die Übersichtlichkeit nach vorn hat dadurch gewonnen. Die Motorhaube entzieht sich nicht gänzlich den Blicken des Fahrers, wie das bei vielen modernen Autos üblich geworden ist. Auch nach hinten sieht man gut, die Golf-typische breite C-Säule stört kaum noch, weil sie inzwischen weit vom Fahrerplatz entfernt ist.

Sitze mit gutem Komfort

VW Golf IV 1.4 (1997)
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Der Raum auf der Rückbank reicht, ist aber nicht üppig.

Bedingt wird sie durch das weit nach hinten gezogene Dach, das in der Praxis einen offensichtlichen Vorteil bietet: Die Fondpassagiere haben kaum unter direkter Sonneneinstrahlung zu leiden, die Kopffreiheit wird erst dann knapp, wenn jemand deutlich über 1,80 Meter groß ist. Der Knieraum erfüllt die Ansprüche, die in dieser Klasse gestellt werden, ohne durch besondere Großzügigkeit aufzufallen. Die rückwärtige Bank bietet guten Sitzkomfort, die stark konturierte Lehne sorgt für stabilen Seitenhalt, aber auch dafür, daß die in den Papieren suggerierte Fünfsitzigkeit Theorie bleibt wie bei allen Autos dieser Größenkategorie.

Auch vorn gibt es am Sitzkomfort nichts auszusetzen. Die straffe Polsterung erweist sich auf langen Strecken als bequem, allerdings würde man sich bei schneller Kurvenfahrt mehr seitliche Unterstützung im Rückenbereich wünschen. Das in Höhe und Neigung verstellbare Lenkrad sowie die praktische Höhenverstellung des Fahrersitzes, die sehr leichtgängig arbeitet, ohne die Neigung der Sitzfläche zu verändern, ermöglicht eine Sitzposition, über die es nur eines zu sagen gibt: perfekt. Somit sind beste Voraussetzungen dafür geschaffen, daß man sich wohlfühlt im neuen Golf. Den wohl wichtigsten Beitrag dafür allerdings liefert die Qualität der vollverzinkten Karosserie, die einen Standard erreicht hat, der sich sogar in der gehobenen Mittelklasse sehen lassen könnte.

Bedienbarkeit mit Schwächen

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Der Golf fährt leise, die Form ist, wie wir heute wissen, zeitlos.

Das fängt schon mit der Optik und Haptik an. Die Plastikmaterialien im Innenraum wirken ungewöhnlich hochwertig, ihre Paßgenauigkeit läßt Liebe zum Detail erkennen. Die unerschütterliche Steifigkeit des Aufbaus und das damit verbundene völlige Fehlen von Karosseriegeräuschen auch bei forcierter Fahrt über schlechte Straßen vermitteln einen rundum überzeugenden Qualitätseindruck. Ganz ohne Kritik geht es allerdings nicht ab. Weil in der Mittelkonsole Platz geschaffen werden mußte für den Bildschirm des auf Wunsch lieferbaren Navigationssystems, sind die Bedienungselemente für die Heizung zu tief nach unten gerutscht. Und das Handschuhfach, dessen große Klappe so vielversprechend aussieht, macht seinem Namen alle Ehre, weil viel mehr als ein Paar Handschuhe nicht hineinpaßt.

Ansonsten ist alles bestens: klar gekennzeichnete, sehr große, leicht absehbare Rundinstrumente. Deren blaue Hintergrundbeleuchtung freilich erweist sich lediglich als ein optischer Gag. Die Ablesbarkeit bei Dunkelheit wird dadurch nicht verbessert. Die Lüftung sorgt für hohen und weitgehend zugfreien Durchsatz, wobei das Gebläse bis zur zweiten Stufe angenehm leise arbeitet. Die wie die Heckscheibe steil stehenden Seitenscheiben sind dafür verantwortlich, daß sich die Innenraumaufheizung in Grenzen hält. Erst wenn die Außentemperatur über 25 Grad klettert, keimt der Wunsch nach einer Klimaanlage auf.

Die vierte Generation des VW Golf im Video
1:40 Min.

Fahrwerk mit gutmütigem Verhalten

Die gute Laune steigt noch, wenn der Golf auf kurvenreichen Landstraßen unterwegs ist. Im Handling, jenem komplexen Begriff, der von der Lenkung ebenso geprägt ist wie vom Kurvenverhalten, macht ihm keiner etwas vor, wobei es hier zu berücksichtigen gilt, daß der Comfortline-Testwagen nicht mit der Serienbereifung (175/80 R 14), sondern mit den aufpreispflichtigen 15-Zoll-Rädern und Reifen der Dimension 195/65 R 15 ausgerüstet war. Die freilich, das läßt sich absehen, werden die meisten Kunden bevorzugen, schon wegen des besseren Aussehens.

Der Golf ist genau das, was die Engländer mit „forgiving car“ bezeichnen. Er besitzt im höchsten Maß die Fähigkeit, die Fahrfehler eines allzu optimistischen Piloten auszubügeln. Nahezu neutral umrundet er Kurven, extrem gutmütig bis in den Grenzbereich. Selbst erschrecktes Gaswegnehmen bei hoher Querbeschleunigung bringt ihn nicht aus der Ruhe. Das Heck drückt in diesem Fall ganz leicht nach außen, gerade in jenem Maß, das hilfreich ist, um auf dem gewünschten Kurvenradius zu bleiben. Auch bei voller Zuladung bleiben diese mustergültigen Manieren erhalten.

Die Lenkung trägt ebenfalls dazu bei, daß sich der Golf so mühelos und sicher fahren läßt. Sie arbeitet nicht nur leichtgängig, sondern auch sehr direkt und präzise. Schon auf kleine Lenkbewegungen erfolgen spontane Reaktionen, allerdings ohne jegliche Nervosität, die das Einhalten einer sauberen Kurvenlinie und den stabilen Geradeauslauf beeinträchtigen könnte. Störende Fahrbahneinflüsse sind nicht zu beobachten, auch kein Zerren der angetriebenen Vorderräder. Die Golf-Lenkung erreicht damit jenes hohe Niveau, das man gemeinhin nur bei Autos findet, die ihre Kraft auf die Hinterräder übertragen.

Ab 1998 mit ESP

Das Bild einer überdurchschnittlichen Fahrsicherheit wird durch die bei den Bremsprüfungen erzielten Ergebnisse untermauert. Da der Golf jetzt grundsätzlich rundum mit Scheibenbremsen (vorn innenbelüftet) ausgerüstet ist, verzögert er unter allen Bedingungen gut. An der Wirksamkeit und Standfestigkeit gibt es ebensowenig auszusetzen wie an der Dosierbarkeit der Bremsen. Im April 1998 soll die Fahrsicherheit des Golf einen weiteren Fortschritt erfahren. Dann nämlich wird erstmals in dieser Klasse für rund 1.500 Mark Aufpreis ein Fahrstabilitätssystem (ASMS) von ITT Automotive angeboten. Es soll vier Wochen zuvor bereits für den neuen Dreier-BMW offeriert werden.

Zum Klassenprimus in Sachen Federungskomfort ist der Golf nicht geworden. Den auf der identischen Fahrwerkskonstruktion basierenden Audi A3 übertrifft er zwar spürbar, aber die straffe Abstimmung von Federung und Dämpfung, so dienlich sie dem Fahrverhalten auch sein mag, verhindert ein optimales Komfort-Ergebnis.

Das wird vor allem deutlich, wenn es kurze, aber ausgeprägte Unebenheiten oder kurz aufeinanderfolgende Unregelmäßigkeiten der Straßenoberfläche zu bewältigen gilt. Dann reagiert der Golf mit kräftigen Vertikalbewegungen. Lange Wellen schluckt die Federung dagegen sauber weg, hervorstehende Kanaldeckel absorbiert sie ebenso souverän und ohne Fahrwerkspoltern.

Auch mit Querfugen auf der Autobahn, die bestens geeignet sind, eine Vorderachse zum Stuckern anzuregen, wird der Golf gut fertig. Der Gesamteindruck des Fahrkomforts bleibt also positiv, auch weil das Abrollgeräusch der Reifen nur stark gedämpft bis zu den Insassen durchdringt.

Basismotor mit 75 PS

VW Golf IV 1.4 (1997)
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Der Golf-Basismotor hat 1,4 Liter Hubraum und 75 PS.

Die Basisversion mit 75 PS starkem 1,4-Liter-Motor überzeugt im Prinzip durch ihre lobenswerte Geräuschkultur. Der neu entwickelte Vierventiler, der von Kopf bis Fuß aus Aluminium besteht, läuft bis zum mittleren Drehzahlbereich angenehm leise. Wer viel im Stadtverkehr und auf der Landstraße unterwegs ist, wird an diesem Triebwerk nichts auszusetzen haben, weil es da kaum nötig ist, das Drehvermögen voll auszuschöpfen. 4.500 Umdrehungen genügen bei ruhiger Fahrweise, um im nächsthöheren Gang guten Anschluß zu finden.

Darüber aber wird die Maschine brummiger, um dann bei 5.000/min in eine lästige Dröhnfrequenz zu geraten. Die stört beim kurzzeitigen Hochbeschleunigen weniger als auf der Autobahn. Denn im Interesse befriedigender Durchzugskraft wurde die Antriebsübersetzung relativ kurz gewählt. Das hat den Vorteil, daß man auf der Autobahn nur wenig schalten muß. Auch leichte Steigungen bewältigt der Golf im fünften Gang, ohne daß das Tempo allzu sehr abfällt.

Präzise Schaltung

Die Betätigung des Fünfganggetriebes bereitet im Übrigen großes Vergnügen: Die über ein Gestänge gesteuerte Schaltung arbeitet sehr leichtgängig, dazu vorbildlich exakt und mit kurzen Wegen. Im Schalthebel wird kaum Elastizität spürbar. Rund 160 km/h wären für den 75-PS-Golf ein angenehmes Reisetempo. Dabei ist er noch deutlich entfernt von der Volllast, die naturgemäß den Verbrauch stark ansteigen läßt. Aber genau bei Tempo 160 pendelt die Nadel des Drehzahlmessers um jene 5000/min, bei denen das Dröhnen des Motors aufdringlich wird.

VW Golf IV 1.4 (1997)
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Auch bei lastwechseln bleibt der Golf gutmütig.

Da der Golf, erst recht wenn er mit zahlreichen Zusatz-Ausstattungen vollgestopft ist wie der Testwagen, ein stattliches Gewicht (1.187 Kilogramm) auf die Waage bringt, stellt die 75-PS-Basismotorisierung zu Recht die untere Grenze dar. Zwar reagiert der Motor spontan aufs Gas und dreht locker bis zum weich einsetzenden Drehzahlbegrenzer, weshalb der Leistungseindruck besser ist, als es die Meßwerte vermuten lassen. Aber hohe Zuladung drückt doch sehr aufs Temperament, die Durchzugskraft beim Beschleunigen aus niedrigen Drehzahlen bleibt erwartungsgemäß bescheiden. Außerdem neigt der Vier­zylinder bei Teillast zum Ruckeln.

Relativ hoher Verbrauch

Die 75-PS-Maschine muß sich anstrengen, da ist es kein Wunder, daß der Verbrauch relativ hoch ausfällt. Die 8,8 Liter auf 100 Kilometer, die im Test als Durchschnitt ermittelt wurden, sind angesichts der gebotenen Leistung eindeutig zu viel. Um unter acht Liter zu kommen, muß man schon sehr gemächlich fahren. Wer Leistung und Drehvermögen voll ausnutzt, was bei nur 75 PS nicht ausbleiben kann, kommt bis auf rund zehn Liter pro 100 Kilometer.

Fazit

Es bleibt also Raum für Verbesserungen – auch wenn es schwerfällt, zum Preis des Golf ein besseres Auto zu finden. Die Qualität und die Fahreigenschaften setzen Glanzlichter, die Preisgestaltung überrascht angesichts der reichhaltigen, vor allem im Sicherheitsbereich ungewöhnlich vollständigen Ausstattung. Der Golf wird der Liebling der Deutschen bleiben.

Technische Daten

VW Golf 1.4 16V Comfortline
Grundpreis 17.660 €
Außenmaße 4149 x 1735 x 1444 mm
Kofferraumvolumen 330 bis 1184 l
Hubraum / Motor 1390 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 55 kW / 75 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 171 km/h
Verbrauch 6,6 l/100 km
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Obwohl größer, wird der Golf II gar nicht als neu wahrgenommen.

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