Tesla Semi-Truck

Elektro-Lkw für 2019

Tesla Semi Truck Foto: California Highway Patrol/facebook 14 Bilder

Tesla hat Anfang 2018 die Serienversion des Trucks Semi gezeigt. Der Elektro-Lkw kommt bis zu 800 Kilometer weit und ist bis zu 104 km/h schnell. Jetzt wurde einer von der US-Polizei inspiziert.

Tesla Semi Truck Foto: California Highway Patrol/facebook
Die CHP konnte einen Tesla Semi näher inspizieren.

Das Interesse am Tesla Semi scheint auch bei der US-Polizei groß zu sein. Wie die California Highway Patrol jetzt in ihrem Facebook-Account meldet, hatten die Gesetzeshüter am 10. August 2018 Gelegenheit den Tesla Semi näher zu inspizieren. Der Elektro-Lkw, der offensichtlich auf dem Weg von der Gigafactory ind Tesla-Werk nach Freemont war, wurde im Rahmen einer Routinekontrolle von der Polizei in einem speziellen Lkw-Prüfzentrum am Donner Pass untersucht. Die Beamten hat sichtlich ihre Freude an der Überprüfung, wann darf man schon mal so nah an einen Tesla Semi ran, beanstandet wurde natürlich nichts. Der Semi war absolut mängelfrei.

Holpriger Präsentationstart

In einer ersten Ankündigung hatte Tesla-Boss Elon Musk den 28. September 2017 als Präsentationstermin genannt. Dann hatte er via Twitter den Termin um gut einen Monat nach hinten verschoben, ein weiterer Tweet verschob die Präsentation auf den 16. November 2017. Offenbar wollte Tesla zunächst die Anlaufschwierigkeiten bei der Model 3-Produktion sowie Rückstände bei der Batterieproduktion abarbeiten.

Elektro-Lkw soll 800 Kilometer Reichweite haben

Tesla Semi Unveil | 11.16 | watch live at Tesla.com, 8pm PT

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Der Semi-Truck sieht mit seiner windschlüpfigen Fahrerkabine extrem futuristisch aus. Die US-Bezeichnung Semi-Truck kommt von „Semi-trailer truck“ und bedeutet, dass diese Sorte Lkw „Semi-trailer“, also Hänger ohne eigene Frontachse, zieht.

Tesla Semi Truck (2019) Foto: Tesla
Für die versprochene Reichweite von 800 Kilometern müsste der Energieinhalt des Akkus also bei rund 1000 kWh liegen.

Er soll selbst mit voller Ladung und dann 40 Tonnen Gesamtgewicht eine Reichweite von bis zu 800 Kilometern erreichen, versprach der Tesla-Chef. Mit einem Supercharger soll der Akku in 30 Minuten so stark geladen sein, dass die Ladung 50 Prozent der Reichweite ermöglicht (400 Kilometer). Laut Tesla soll der Lkw bei voller Zuladung rund zwei kWh pro Meile (etwa 1,6 Kilometer) konsumieren, was umgerechnet einem Verbrauch von 125 kWh auf 100 km bedeuten würde. Für die versprochene Reichweite von 800 Kilometern müsste der Energieinhalt des Akkus also bei rund 1.000 kWh liegen – rund zehn Mal so viel Kapazität wie beim größten Pkw-Akku von Tesla im Model S P100 D. Mit dem Strombedarf für eine einzige Akkuladung käme ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt in Deutschland rund drei Monate über die Runden. Allein vom Gewicht her dürfte der Speicher ein echtes Pfund werden: Geht man beim Model S von 750 Kilo für den Akku aus, käme der Truck mit seiner zehn Mal so großen Batterie auf 7,5 Tonnen Batteriemasse.

Auch bei der Ladeleistung fallen Superlative: Um wie versprochen 80 Prozent einer 1.000 kWh-Batterie zu laden, bedarf es 800 kWh. Diese in 30 Minuten abzurufen, wären ohne Ladeverluste 1.600 kW oder 1,6 Megawatt Leistung nötig, soviel wie elf der derzeit besten Supercharger von Tesla liefern, die maximal 145 kW zur Verfügung stellen. Daher macht bereits der Begriff Gigacharger die Runde, der auf Fabrikgeländen entstehen könnten, um die Lkw mit frischem Strom zu versorgen, während die Nutzlast im Auflieger gerade ein- bzw. ausgeladen wird.

Elektrischer Frachttransport und die Kostenfrage

Tesla kommuniziert zunächst nur Preise für den US-Markt, nun sind auch für die Niederlande, Norwegen und Großbritannien die Orderbücher geöffnet worden. In den Niederlanden kostet der Semi ab 130.000 Euro in der Basisversion mit bis zu 475 Kilometern Reichweite, 150.000 Euro werden für die stärkere Version mit 800 Kilometer Reichweite veranschlagt. Die Reservierung kostet 17.000 Euro. Die Founders Series muss direkt bei Bestellung mit 170.000 Euro bezahlt werden.

In den USA geht es bei 150.000 Dollar für die Basisversion mit 300 Meilen Reichweite los, die 500-Meilen-Variante soll ab 180.000 Dollar kosten. Die Founders Series zum Marktstart ist mit 200.000 Dollar eingepreist. Als Anzahlung verlangt Tesla 20.000 Dollar für die Standardversionen, die Founders Series muss auch hier gleich komplett bezahlt werden. Analysten schätzen, dass allein eine solch riesige Batterie 100.000 Dollar teuer würde. Musk betonte aber, dass Diesel-Lkw im Betrieb pro Kilometer 20 Prozent teurer seien, dem Elektro-Truck könnten die Fuhrunternehmer so pro Jahr 200.000 Dollar sparen.

Der Sattelschlepper hat vier Motoren – und Musk behauptet, er komme damit in 5 Sekunden auf 60 Meilen (96 km/h) – die Zugmaschine alleine. Der Sattelschlepper mit voller Beladung soll es in unter 20 Sekunden schaffen.

Außerdem verspricht Musk, dass der Lkw pannenfrei eine Million Meilen (1,6 Millionen Kilometer) schaffen kann. Selbst mit zwei ausgefallenen Motoren könne der Sattelschlepper immer noch einen Diesel-Lastwagen schlagen, erklärte Musk. Und die Bremsen würden quasi verschleißfrei arbeiten, da die Verzögerung größtenteils durch Rekuperation erfolge.

Tesla Semi Truck (2019)
800 Kilometer im elektrischen Sattelschlepper? 1:10 Min.

Auffällig: Der Fahrer soll in der Mitte der Kabine sitzen („wie in einem Rennwagen“). Das erinnert an legendäre Sportwagen wie den McLaren F1. Allerdings hat die Fahrerkabine daneben keine weiteren Sitze. Damit spart sich Tesla auch verschiedene Versionen für den Links- oder Rechtsverkehr. Besonders stolz ist der Tesla-Boss auf die riesige Frontscheibe. Sie sei explosionssicher. „Sie übersteht sogar eine nukleare Explosion. Wenn nicht, bekommen Sie den vollen Kaufpreis zurück“, scherzte Musk. Tatsächlich könnten US-Trucker auf ein solches Feature abfahren, denn in den USA dürfen Lkw mit beschädigter Windschutzscheibe nicht mehr bewegt werden. Gleichgültig, in welcher gottverlassenen Gegend dem Fahrer so was passiert sein mag – er muss abgeschleppt werden oder es muss eine Ersatzscheibe vor Ort gebracht und eingebaut werden.

Teilautonomes Fahren im Konvoi

Bislang testete Tesla den Semi-Truck (Sattelschlepper) bereits im US-Bundesstaat Nevada. Er soll auch das teilautonome Fahren im Konvoi („Platooning“) möglich machen. Bei der Präsentation versprach Musk, dass jeder Semi-Truck serienmäßig mit der neuesten Version des Tesla-Autopiloten ausgestattet wird, der Spurhalte- und Notbremsassisten beinhaltet. Außerdem sollen Sensoren die Antriebsmotoren so steuern, dass die Fuhre jederzeit stabil rollt und das gefürchtete Einknicken des Sattelschleppers zwischen Zugmaschine und Auflieger verhindert wird.

Jetzt bestellen, Marktstart 2019 – ein typisches Tesla-Versprechen

Tesla Truck Teaser Tesla Neuheiten Model Y, Roadster und die Tunnel-Schlitten

Der Semi-Truck kann ab sofort reserviert werden. Die Produktion werde im Jahr 2019 beginnen, so Musk. Nach den inzwischen zum Markenzeichen gewordenen Verzögerungen bei den Produkten kann man das aber allenfalls als eine Absichtserklärung verstehen, auch wenn Musk verspricht: Wer jetzt bestellt, bekommt den Truck 2019. Zur Erinnerung: Da dürften auch Model-3-Kunden die am Ende der Reservierungsliste stehen, ihr Auto bekommen.

Zudem ist der Lkw-Markt nicht mit dem von Pkw vergleichbar. Gekauft werden nahezu ausschließlich Flotten, die sich keine Verzögerungen bei der Lieferung leisten können. Das Marktvolumen in den USA pro Jahr beziffern Fachleute auf im Vergleich zum Pkw-Markt (ca. 17 Millionen Neuzulassungen p.a.) bescheidene 250.000 Stück.

Mit dem E-Truck hat Tesla die Nase im Bereich elektrischer Nutzfahrzeuge auch beileibe nicht vorn. Hier haben bereits andere Hersteller das Feld bestellt, wie zum Beispiel Streetscooter in Deutschland mit seiner Zustellerflotte für die Deutsche Post (diese Fahrzeuge sind jedoch deutlich kleiner als der Semi-Truck) oder E-Force aus der Schweiz, der bereits einen 18-Tonnen-Elektro-Lkw unter anderem für den Lieferverkehr des Discounters Lidl im Einsatz hat. Außerdem hat der US-Hersteller Nikola Motor den Nikola One Electric Truck vorgestellt. Der ebenfalls futuristisch gezeichnete Truck fährt zwar auch voll elektrisch, setzt beim Energiespeicher aber auf eine Brennstoffzelle anstelle einer Batterie. Das soll den Nikola One 1.000 PS stark machen und ihm eine Reichweite von bis zu 1.600 Kilometern verleihen. Dennoch hat die Deutsche Post für seine Tochter DHL Chain Supply zehn Tesla-Lkw für den Einsatz auf dem US-Markt bestellt. DHL Supply Chain wird sie bei seinen Kunden in wichtigen US-amerikanischen Großstädten testen. Sie werden für den Shuttle-Betrieb und Kundenlieferungen am selben Tag eingesetzt und ihre Fahrleistung wird auf längeren Strecken zwischen großen Märkten und DHL-Betrieben im ganzen Land getestet. Größere Bestellungen sollen auch von der US-Brauerei Anheuser-Busch (40 Stück), dem US-Nahrungsmittelkonzern Sysco (50 Stück), der Supermarktkette Walmart (15 Stück) und dem kanadischen Einzehändler Loblaws (25 Stück) vorliegen.

Nikola One Hydrogen Truck
Wasserstoff-Lkw mit 1.000 PS

Viele Teile vom Tesla Model 3

Foto: Tesla
Tesla wird eine Pick-up-Version des Semi bauen. Der kann theoretisch ein Pick-up auf der Ladefläche mitnehmen.

Trotzdem scheint die Nachfrage nach einem Lkw mit rein elektrischem Antrieb noch groß genug zu sein – insbesondere auf dem US-Markt. Einige potenzielle Kunden sollen bereits Interesse gezeigt haben und Tesla arbeitet auch bei der individuellen Anpassung mit Großkunden zusammen. Im Vorfeld war zu hören, das sich der Truck viele Bauteile, darunter sogar die Motoren, vom Tesla Model 3 leihen soll. Welches Batteriepack der neue Tesla-Lkw tragen wird, ist unbekannt.

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