402 Millionen Dollar für Rivian-Chef: Größenwahn?

402 Millionen für Rivian-Chef
Größenwahn?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 30.04.2026
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Rivian R1T Elektro-Pick-up
Foto: Rivian/Schönfeld

Rivian hat seinem CEO und Gründer Robert Joseph "RJ" Scaringe für 2025 eine Gesamtvergütung von 402,6 Millionen US-Dollar (aktuell umgerechnet zirka 344 Millionen Euro) ausgewiesen. Den Löwenanteil machen Optionen im Wert von 373,5 Millionen Dollar (319 Millionen Euro) aus, dazu kommen 26,6 Millionen Dollar (22,7 Millionen Euro) in Aktien und ein für diese Position vergleichsweise normales Gehalt von rund 1,12 Millionen Dollar (960.000 Euro).

Rivian bindet somit seinen wichtigsten Mann mit einem extremen Performance-Paket, wie man es vor allem von Tesla kennt.

Nicht "Cash", sondern Wette: Das steckt hinter der Mega-Summe

Die 402,6 Millionen Dollar sind allerdings kein reiner Geldregen. Die aktienbasierte Bezahlung ist eine Wette auf die Zukunft. Der Wert hängt am Kurs und an der Frage, ob Scaringe die vertraglich festgelegten Auszahlungs-Voraussetzungen tatsächlich erreicht.

Rivian koppelt die großen Tranchen laut Unterlagen schließlich an konkrete Zielmarken. Dazu zählen über die Jahre hinweg unter anderem der Aktienkurs, das bereinigte operative Betriebsergebnis und der Cashflow. Für Anleger klingt das nach: "Nur wenn es besser läuft, wird es teuer." Für Kritiker klingt es nach: "Man setzt auf Börsenfantasie – obwohl die Gegenwart wehtut."

Rivian streicht alte Ziele – und schreibt neue, noch größere

Rivian hat im Zusammenhang mit dem neuen Paket einen älteren Vergütungsplan aus 2021 gestrichen. Begründung: Die Ziele daraus erschienen nicht erreichbar. Gleichzeitig baut Rivian mit dem neuen Programm eine Erzählung auf, die man aus dem Silicon Valley gut kennt: Wenn der CEO "essenziell" für den Turnaround gilt, dann akzeptiert der Markt in manchen Fällen Summen, die in klassischen Industrien als Tabubruch gelten – siehe die Zahlungen an Elon Musk bei Tesla.

Operativ: Bruttogewinn als Lichtblick, Stückzahlen bleiben überschaubar

Rivian liefert inzwischen auch handfeste Fortschritte, die in diese Erzählung passen. Der Hersteller meldete für 2025 den ersten Bruttogewinn (netto: weiterhin Verluste) seiner Geschichte – laut Meldung auch dank spürbarer Kostensenkungen. Außerdem startete Rivian jüngst die Produktion des R2, eines günstigeren E-SUV, der mehr Kunden erreichen soll. Den angekündigten Europastart des R2 hat Rivian allerdings auf unbestimmte Zeit verschoben.

Bei den Stückzahlen bleibt Rivian trotzdem weit weg von Massenmarkt-Dimensionen:

  • 2025 produziert: 42.284 Fahrzeuge
  • 2025 ausgeliefert: 42.247 Fahrzeuge
    Im vierten Quartal 2025 kamen 10.974 produzierte und 9.745 ausgelieferte Fahrzeuge hinzu – das lag im Rahmen der eigenen Erwartungen.
Rivian R3X
Gregor Hebermehl

Die brisante Kollision: Mega-Vergütung trifft auf rote Zahlen

Rivian baut die Vergütungsspitze auf, während das Unternehmen weiter mit Verlusten kämpft. In einem jüngsten Quartalsvergleich sank der Nettoverlust laut Bericht zwar deutlich – von 1,445 Milliarden auf 541 Millionen Dollar (1,23 Milliarden auf 462 Millionen Euro). Aber selbst "deutlich weniger Minus" bleibt Minus.

VW bei Rivian: Milliarden für Software statt Romantik

Aus deutscher Sicht kommt die zweite Ebene dazu: Volkswagen hängt mit einer strategischen Beteiligung in Rivian – VW will Rivians Elektronik-Architektur und erhofft sich davon Rückenwind bei den eigenen Software-Baustellen.

Rivian R2
Rivian

Dafür investiert VW schrittweise Milliarden: Nach einer ersten Milliarde floss eine weitere Milliarde Dollar, VW hielt laut Geschäftsbericht bereits 8,6 Prozent. Insgesamt stehen bis zu 5,8 Milliarden Dollar im Raum – ein Mix aus Anteilskäufen und Geld für das Joint Venture Rivian Volkswagen Technologies. Für Rivian bedeutet das: Luft. Für VW bedeutet es: Zugriff auf Technik, die schneller serienreif werden soll als VWs eigene Lösungen.

Was am Ende zählt: Vertrauen – in Zahlen und in Menschen

Rivians 402,6-Millionen-Vergütung spielt deshalb nicht nur in der Klatschspalte der Managergehälter. Sie testet Vertrauen: das der Mitarbeiter, der Anleger, der Partner – und auch das von Kunden, die Stabilität sehen wollen, wenn sie sich an eine junge Marke binden.

Fazit