Angebliche VW-Pläne für China-Autos in Europa: Kommt der chinesische Touareg doch zu uns?

Angebliche VW-Pläne für China-Autos in Europa
Kommt der chinesische Touareg jetzt doch zu uns?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 01.07.2026
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Was im Frühjahr noch entschieden zurückgewiesen wurde, erhält nun eine neue Dynamik. Wie das Handelsblatt berichtet, hat Volkswagen intern erstmals einen konkreten Prüfauftrag erteilt, eigene für China entwickelte Modelle der Marke Volkswagen nach Europa zu bringen. Dem Bericht zufolge umfasst der Auftrag nicht nur einen möglichen Import, sondern auch die spätere Fertigung kompletter Fahrzeuge oder einzelner Komponenten in Europa. Eine endgültige Entscheidung gibt es demnach allerdings noch nicht.

Das Handelsblatt beruft sich bei den Informationen auf mehrere Konzerninsider. Als möglicher Produktionsstandort wird unter anderem das Werk Zwickau genannt. Welche Modelle tatsächlich infrage kommen und in welchen Stückzahlen sie gebaut werden könnten, sei derzeit offen. Ebenso sei nicht ausgeschlossen, dass die Überlegungen wieder verworfen werden.

Jetzt also doch?

Die neuen Informationen stehen im deutlichen Kontrast zur bisherigen öffentlichen Linie des Konzerns. Anfang Mai hatte Volkswagen gegenüber auto motor und sport entsprechende Spekulationen noch ausdrücklich dementiert. Anlass waren bereits damals Berichte, wonach in China entwickelte Volkswagen-Modelle künftig nach Europa exportiert oder gemeinsam mit chinesischen Partnern in europäischen Werken produziert werden könnten.

Auf unsere Nachfrage erklärte ein Konzernsprecher damals unmissverständlich, dass weder Gespräche über einen Export nach Europa noch über eine gemeinsame Produktion in europäischen Werken geführt würden. Zwar könne man grundsätzlich nie etwas ausschließen, aktuell sei ein solcher Schritt jedoch kein Thema. Eine ähnliche Einschätzung vertrat auch VW-China-Vorstand Ralf Brandstätter. Er verwies darauf, dass Volkswagen die Entwicklung moderner Elektronik- und Softwarearchitekturen inzwischen klar zwischen China und den westlichen Märkten trennt. Während in China unter anderem gemeinsam mit Xpeng sowie mit eigenen Entwicklungen gearbeitet wird, setzt Volkswagen außerhalb Chinas auf eine andere Softwarestrategie.

Umfangreiche Anpassungen nötig

Der nun genannte Prüfauftrag bedeutet daher keine Entscheidung für den europäischen Markt, könnte aber zeigen, dass entsprechende Szenarien inzwischen zumindest intern untersucht werden. Laut Handelsblatt sollen dabei auch umfangreiche technische Anpassungen geprüft werden. Dazu gehören unter anderem Software, Fahrerassistenzsysteme, eingesetzte Materialien sowie regulatorische Anforderungen für den europäischen Markt. Erstmals werde dabei auch untersucht, inwieweit eine in China entwickelte Softwarearchitektur für Europa angepasst werden kann.

Als derzeit wahrscheinlichster Kandidat für einen möglichen Markteinsatz in Europa gilt der Volkswagen ID. Era 9X. Der gemeinsam mit SAIC entwickelte SUV wurde Anfang des Jahres für den chinesischen Markt vorgestellt und positioniert sich oberhalb des bisherigen Touareg. Mit einer Länge von 5,21 Metern zählt das Modell zu den größten Fahrzeugen der Marke Volkswagen.

Technisch setzt der ID. Era 9X auf ein in China aktuell besonders gefragtes Extended-Range-Konzept. Den Antrieb übernehmen ausschließlich Elektromotoren, während ein 1,5-Liter-Turbobenziner lediglich als Generator für die Stromversorgung dient. Je nach Ausführung leistet der SUV zwischen 299 und 517 PS. Als kombinierte Gesamtreichweite nennt Volkswagen rund 1.000 Kilometer nach chinesischem Prüfzyklus. Angeboten werden Hinterrad- und Allradversionen mit unterschiedlichen Batteriegrößen.

Range-Extender

Im Innenraum orientiert sich der ID. Era 9X konsequent an den Erwartungen chinesischer Kunden. Eine großflächige Displaylandschaft mit zwei 15,6-Zoll-Bildschirmen im Armaturenbrett, ein zusätzlicher 21,4-Zoll-Monitor für die Fondpassagiere sowie umfangreiche Sprach- und Assistenzfunktionen prägen das Cockpit. Klassische Tasten spielen dagegen nur noch eine untergeordnete Rolle.

Neben dem ID. Era 9X nennt das Handelsblatt einen zweiten Kandidaten. Dabei handelt es sich um einen großen SUV auf der neuen China-Plattform CSP, der erst 2027 auf den Markt kommen soll. Dieses Fahrzeug gilt inzwischen sogar als wahrscheinlichere Option, da Volkswagen die zugrunde liegende Technik vollständig selbst entwickelt und kontrolliert. Ein möglicher Export nach Europa wäre nach aktuellem Stand jedoch frühestens Ende 2027 denkbar.

Fazit