Die Suche nach dem perfekten Gebrauchten gleicht oft einem strategischen Brettspiel. Wer zu früh kauft, ärgert sich über spätere Preisnachlässe; wer zu lange wartet, sieht sein Wunschmodell vielleicht mit einem anderen Käufer davonrollen. Die aktuellen Daten des AutoScout24 Gebrauchtwagen-Preis-Index (AGPI) für den Juni 2026 liefern jedoch eine klare Tendenz: Der Markt ist in Bewegung, und für viele Käufergruppen stehen die Ampeln derzeit auf Grün.
Der Sommer bringt Abkühlung auf dem Preiszettel
Wer aktuell nach einem Verbrenner sucht, kann aufatmen. Der durchschnittliche Preis für einen Gebrauchten sank im Juni um 1,0 Prozent auf nun 27.229 Euro. Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits seit Beginn des Jahres zu beobachten ist. Besonders deutlich spüren das Interessenten von Kleinwagen, die im Schnitt nur noch 12.968 Euro kosten, was einem Rückgang von 1,7 Prozent entspricht. Auch in der Mittelklasse und der oberen Mittelklasse gaben die Preise um jeweils 1,2 Prozent nach.

Eine zuletzt deutlich sinkende Preiskurve wirft die Frage auf, ob gerade jetzt eine besonders lohnenswerte Zeit für den Gebrauchtkauf sein könnte.
Stefan Schneck, Deutschland-Vertriebschef bei AutoScout24, sieht darin eine sehr positive Entwicklung für die Verbraucher. Laut Schneck ist die aktuelle Marktlage eine gute Nachricht für Kaufinteressierte, da der durchschnittliche Angebotspreis inzwischen rund 530 Euro unter dem Niveau vom Jahresbeginn liegt. Vor allem im Einstiegs- und Mittelsegment stehe wieder eine größere Auswahl zur Verfügung, was den Preisdruck zusätzlich dämpft.
Das Paradoxon der gebrauchten Elektroautos
Während fast alle Antriebsarten und Segmente preislich nachgeben, tanzen die Elektroautos aus der Reihe. Trotz einer massiv eingebrochenen Nachfrage von minus 16,9 Prozent stieg ihr Durchschnittspreis im Juni um 1,0 Prozent auf 37.810 Euro an. Seit Januar ist dies ein satter Zuwachs von fast 5.000 Euro.

Die Preisentwicklungen sortiert nach Antriebsarten zeigen in den vergangenen Monaten teils sehr deutliche Unterschiede.
Schneck liefert hierfür eine einleuchtende, wenn auch für Sparfüchse bittere Erklärung: "Gebrauchte Elektroautos entwickeln sich dagegen weiterhin entgegen dem aktuellen Gesamtmarkttrend. Während sich die Zahl der inserierten Fahrzeuge im Juni kaum verändert, geht die Nachfrage gegenüber dem Vormonat zurück. Dennoch steigen die Durchschnittspreise leicht weiter. Eine mögliche Erklärung ist, dass vor allem günstigere Fahrzeuge verkauft wurden und dadurch tendenziell höherpreisige Modelle im Angebot verbleiben." Wer hier auf ein Schnäppchen hofft, muss also besonders schnell sein oder genau prüfen, ob der höhere Preis durch eine bessere Ausstattung oder einen jüngeren Batteriezustand gerechtfertigt ist. Weiter sagt Schneck: "In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie sich das Auslaufen des Tankrabatts sowie die weitere Entwicklung an der Straße von Hormus und eine mögliche wieder einkehrende Entspannung bei den Kraftstoffpreisen auf die Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos auswirken."
Angebot und Nachfrage: Ein bunter Flickenteppich
Die Wahl des Fahrzeugtyps bestimmt derzeit massiv, wie viel Verhandlungsspielraum Käufer haben. Wer ein SUV oder einen Geländewagen sucht, trifft auf ein um 4,6 Prozent gewachsenes Angebot, sieht sich aber auch einer stabilen Nachfrage gegenüber. Bei Kleinwagen hingegen wächst das Angebot (+4,1 Prozent), während das Interesse der Käufer spürbar nachlässt (-3,3 Prozent) – eine klassische Käufermarkt-Situation.

Aufgeteilt auf die einzelnen Segmente stellt der Autoscout Gebrauchtwagen-Preisindex anschaulich die Preisentwicklungen dar.
Spannend ist auch der Blick auf die Alterssegmente. Vor allem bei Fahrzeugen, die zwischen zehn und zwanzig Jahre alt sind, ist das Angebot um 6,6 Prozent sprunghaft angestiegen. Wer also ein solides Alltagsauto für schmaleres Geld sucht, hat momentan so viel Auswahl wie lange nicht mehr.

Der Autoscout Gebrauchtwagen-Preisindex schlüsselt auch die durchschnittspreise nach Altersklassen auf.
Ein Blick in die Kristallkugel: Was bringt die Zukunft?
Prognosen über die Preisentwicklung von Gebrauchtwagen gleichen oft dem Versuch, die Wellenbewegungen der Nordsee metergenau vorherzusagen. Dennoch lassen sich Faktoren isolieren, die den Markt in den kommenden Monaten prägen werden. Sollten die Benzin- und Dieselpreise durch internationale Krisen erneut massiv steigen, könnte die derzeit flaue Nachfrage nach Elektroautos schlagartig wieder anziehen. Umgekehrt könnte eine Entspannung bei den Kraftstoffkosten den Preisverfall bei den Stromern weiter beschleunigen. Man muss jedoch selbstkritisch festhalten: Jede Vorhersage steht unter dem Vorbehalt unvorhersehbarer wirtschaftlicher Schocks. Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Wer auf den absolut tiefsten Punkt wartet, läuft Gefahr, den Moment zu verpassen, in dem die Auswahl am größten ist.












