BMW-Aufsichtsratschef zu Plug-in-Hybriden: Wer nicht lädt, bekommt Motorleistung gedrosselt

BMW-Aufsichtsratschef zu Plug-in-Hybriden
Wer nicht lädt, muss langsam fahren

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.05.2026
Als Favorit speichern
05/2026 Dr. Nicolas Peter Aufsichtsrats-Vorsitzender BMW AG
Foto: BMW AG

BMW-Aufsichtsratschef Nicolas Peter stellt die aktuelle Klimapolitik der Europäischen Union im Automobilsektor offen infrage. In einem Interview mit der Wochenzeitung ZEIT kritisiert der frühere Finanzvorstand des Münchner Herstellers insbesondere das geplante Verbrenner-Aus ab 2035, die hohen Strompreise in Europa sowie die aus seiner Sicht zu einseitige Konzentration auf batterieelektrische Fahrzeuge.

Sanktionen gegen Lade-Verweigerer

Besonders weitreichend fällt Peters Vorschlag im Umgang mit Plug-in-Hybriden aus. Der Manager hält Sanktionen gegen Fahrer für denkbar, die ihre Fahrzeuge trotz vorhandener Ladefunktion dauerhaft nicht elektrisch nutzen. "Eine Maßnahme wäre, dass die Autohersteller das Nutzungsverhalten dokumentieren und sogar sanktionieren können. Wenn ein Fahrer seine Batterie nie lädt, könnte die Motorleistung gedrosselt werden, technisch ist das machbar", so Peters im Interview.

Hintergrund ist die seit Jahren geführte Debatte um Plug-in-Hybride, deren offizielle Verbrauchswerte im Alltag häufig deutlich überschritten werden, wenn überwiegend mit Verbrennungsmotor gefahren wird. Für Hersteller ist das ein Problem, weil aufgrund der im Realbetrieb ermittelten Daten über den seit 2022 für alle Neufahrzeuge vorgeschriebenen On-Board Fuel Consumption Monitor (OBFCM) die CO₂-Gutschrift für die Hersteller bewertet wird. Es liegt also im Interesse der Hersteller, dass Kunden ihre PHEV möglichst oft elektrisch fahren, weil sich ansonsten die Strafzahlungen an die EU deutlich erhöhen.

Peter bezeichnet dies als "Verhaltensproblem", welches die Technologie insgesamt diskreditiere. Technisch sei es möglich, das Ladeverhalten zu dokumentieren und Konsequenzen daraus abzuleiten. Als denkbare Maßnahme nennt er sogar eine Reduzierung der Motorleistung für Nutzer, die ihre Batterie nie laden. Eine ähnliche Auffassung vertrat auch bereits Bentley-CEO Frank-Steffen Walliser im Moove-Podcast von auto motor und sport: Es sei nicht so schwer, einen gewissen Ladezwang zu erzeugen. Walliser verglich das mit dem Ad-Blue-System für Diesel-Pkw, bei dem das Auto letztlich nicht mehr startet, wenn der Ad-Blue-Tank leer ist.

BMW-Aufsichtsratsvorsitzender zum Verbrenner-Verbot

Deutlich positioniert sich Dr. Nicolas Peter im Interview gegen das geplante Ende neuer Verbrennerfahrzeuge in der EU. "Wandel funktioniert doch nicht per Gesetz", sagt der BMW-Aufsichtsratschef im Gespräch mit der ZEIT. Eine politisch verordnete Umstellung auf ausschließlich batterieelektrische Fahrzeuge berge erhebliche wirtschaftliche Risiken. Peter warnt vor einem möglichen Nachfrageboom nach klassischen Verbrennern kurz vor dem Verbot und einem anschließenden Markteinbruch nach 2035. Dies könne zehntausende Arbeitsplätze gefährden.

Ein zentrales Hindernis für die Elektromobilität sieht Peter in den hohen Energiepreisen in Europa. Zwar machten Energiekosten bei BMW selbst nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten aus, für Zulieferer und energieintensive Industrien seien sie jedoch existenziell. Als Beispiele nennt er Gießereien, die unter hohen Gas- und Stromkosten leiden.

Strompreise zu hoch

Nach Ansicht des BMW-Managers gefährden die europäischen Strompreise außerdem den Aufbau einer wettbewerbsfähigen Batterieproduktion. Die EU wolle künftig einen großen Teil der Batteriezellen innerhalb Europas fertigen lassen, doch die dafür benötigten Zellfabriken verbrauchten enorme Mengen Energie. Strom koste in Europa jedoch mindestens doppelt so viel wie in den USA oder China. Unter diesen Bedingungen stelle sich die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung des Marktes widerspricht Peter zudem den politischen Zielvorstellungen für das Jahr 2035. Nach seiner Einschätzung werde bis dahin zwar "gut die Hälfte" der Kunden batterieelektrische Fahrzeuge bevorzugen, ein nahezu vollständiger Umstieg sei jedoch unrealistisch. Nicht 100 Prozent und "auch bei Weitem keine 90" Prozent E-Anteil seien bis dahin zu erwarten, leitet Peter aus der aktuellen Nachfrageentwicklung ab.

Gleichzeitig betont der BMW-Aufsichtsratschef, dass der Konzern selbst massiv in Elektromobilität investiert. Für die neue Elektroauto-Generation "Neue Klasse" habe BMW mehr als zehn Milliarden Euro aufgewendet. Die Elektromobilität werde sich langfristig durchsetzen, allerdings deutlich langsamer als von der EU-Kommission vorgesehen.

Technologie-Offenheit gefordert

Neben batterieelektrischen Fahrzeugen fordert Peter eine stärkere Anerkennung alternativer Wege zur Dekarbonisierung. Dazu zählen für ihn erneuerbare Kraftstoffe ebenso wie CO₂-reduzierter Stahl oder andere industrielle Maßnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die europäische Regulierung konzentriere sich bislang zu stark auf die Emissionen am Auspuff, während andere Faktoren der Gesamtbilanz kaum berücksichtigt würden.

Peter spricht sich damit für einen technologieoffenen Ansatz aus, bei dem verschiedene Antriebsarten und Klimapfade parallel berücksichtigt werden. Die aktuelle Regulierung der EU hält er dagegen für zu dogmatisch und wirtschaftlich riskant.

Fazit