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Neue Klasse BMW: Nachhaltiger E-Antrieb mit Verbrenner

Technik-Offensive bei BMW Neue Klasse, aber kein Verbrenner-Ende

Eine neue Fahrzeugarchitektur soll die E-Mobilität nachhaltiger machen. Das "grünste" Auto soll ein BMW sein, so der Vorstandsvorsitzende Oliver Zipse. Warum BMW den Verbrenner trotzdem behalten will.

BMW-Chef Oliver Zipse begann seine Erläuterungen zur Zukunft des Unternehmens auf der Jahrespressekonferenz des Konzerns mit fünf Thesen:

  1. Wirksamer Klimaschutz gelingt nur durch intensiven Technologie-Einsatz.
  2. Industrialisierung braucht das richtige Timing.
  3. Die Zukunft unseres Planeten verlangt Zirkularität.
  4. Digitalisierung dient den Menschen.
  5. Wachstum bleibt die wichtigste Währung der Wirtschaft.

Umstellung in drei Phasen

Dass mittlerweile kein Hersteller mehr um die Themen Elektromobilität und Digitalisierung herumkommt, ist wenig überraschend. BMW auf diesem Weg einen Drei-Phasen-Plan entwickelt, der sich auch mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft übersetzen lässt. So liegt die erste Phase, in der Modelle wie der i3 oder der i8 entwickelt wurden, bereits hinter uns. Sie beschreibt den zeitlichen Verlauf bis zum heutigen Tag, also bis verschiedene Modelle rein elektrisch oder als Hybrid elektrifiziert zur Marktreife gebracht wurden und nun in den Autohäusern stehen.

BMW i3S (2018)
BMW
Der Startschuss für die Neuausrichtung von BMW liegt bereits einige Jahre zurück.

Die zweite Phase reicht von heute bis ins Jahr 2025, in dem dann der echte Knall erfolgen soll. Da will BMW die "Neue Klasse" präsentieren – wie vor 60 Jahren. Damals waren das neue Modelle wie der BMW 1500. 2025 wird das eine neue Architektur für alle künftigen BMW-Modelle sein, die immer mindestens eine elektrische Hinterachse haben werden. Doch dazu später.

Phase zwei der BMW-Transformation betrifft jene Zeitspanne, in der gleichermaßen Elektroautos und Verbrenner im Angebot sind. Sie beinhaltet die Weiterentwicklung bestehender Fahrzeug- und Softwarearchitekturen, wie etwa die Einführung des neuen Operating Systems (OS) 8. Letzteres soll beispielsweise die flächendeckende Fähigkeit zu Over-The-Air-Updates in Höchstgeschwindigkeit gewährleisten. Schon jetzt hat BMW mehr als zwei Millionen Fahrzeuge im Markt, die aktualisierbar sind. Gleichzeitig sollen mehr Funktionen "on demand", also zusätzlich im Abo-Modell buchbare Infotainment-Features, entwickelt werden. BMW verspricht den Kunden damit "flexiblere Lösungen".

Neue Modelle bis 2023

Innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahre will BMW 13 vollelektrische Fahrzeuge im Portfolio haben. Zu den bestehenden i3, Mini SE und BMW iX3 stoßen bereits in diesem Jahr der iX und der i4. Quasi als Startschuss für die geplante Technologie-Offensive. In der Pipeline warten die vollelektrischen Varianten des 5ers (i5), des 7ers (i7), des Mini Countryman und des X1 (iX1). Sie werden künftig immer vor den jeweiligen Verbrennerversionen auf den Markt kommen. Man gehe mit dem Elektroangebot bewusst in die Breite, so Zipse auf der Konferenz, "vom Kompaktsegment bis zur absoluten Luxusklasse. Wir bilden schon zum Ende von Phase II unserer Transformation alle wesentlichen Baureihen vollelektrisch ab. Das entspricht einer Abdeckung von rund 90 Prozent unserer Segmente", verspricht der BMW-Chef.

BMW iX
BMW
Die Modelle iX (Bild) und i4 stoßen noch 2021 zum bestehenden BMW-Portfolio.

Bis 2025 soll der Absatz vollelektrischer Modelle jährlich um mehr als 50 Prozent gesteigert werden. Eine Zahl, die BMW bis 2020 verzehnfachen möchte. Nach Ablauf des Jahres 2025 sollen so schließlich rund zwei Millionen E-Autos mit BMW-Logo in Kundenhand sein. Produktionstechnisch soll eine effektive Auslastung der Werke für den gesteigerten Absatz sorgen. So wandert die Fertigung von Verbrennungsmotoren aus dem Stammwerk München beispielsweise in Schritten nach Österreich und Großbritannien (wir berichteten), um Platz für den i4 zu schaffen. Dafür werden auch die Mitarbeiter intern auf die neuen Herausforderungen vorbereitet. Im Kompetenzzentrum E-Antriebsproduktion Dingolfing wird aktuell etwa Raum für 800 zusätzliche Arbeitskräfte geschaffen (insgesamt dann 2.000).

Neue Klasse ab 2025

Im Jahr 2025 bricht schließlich die dritte Phase der Neuausrichtung an. Ab dann soll eine ganz neue Generation von Elektroantrieben und Batterien die entsprechenden BMW-Modelle unter Strom setzen. BMW spricht da von einem hochintegrierten Hochvoltspeicher-Konzept, ebenso wie von optimiertem Batteriezellen-Design. Verwendung finden soll die Technik in der Cluster Architecture (CLAR) III, die BMW auf der Veranstaltung als "Neue Klasse" bezeichnet. Ein erstes Visonsfahrzeug kündigte BMW für die diesjährige IAA in München an. Neben einer obligatorischen elektrischen Hinterachse soll CLAR III vorne weiterhin Platz für einen Verbrenner bieten, weil BMW davon ausgeht, dass nicht alle Märkte gleich schnell für reine Elektroautos bereit sein werden. Einen Antrieb auf Basis einer Wasserstoff-Brennstoffzelle schließen die Münchener dabei übrigens explizit nicht aus. Entwicklungsvorstand Frank Weber sagte dazu: In Europa und China habe man dank eindeutiger Regularien eine klare Vorstellung, was den Elektroautoanteil an der Neuwagenflotte der nächsten Jahre angehe. Für Europa rechne man für 2030 mit einem EV-Anteil von 50 Prozent (Zum Vergleich: VW geht von 70 Prozent aus). Aber es gebe eben auch Länder, die wie die USA auch auf lange Sicht beide Antriebskonzepte bräuchten und Märkte, in denen noch lange keine Ladeinfrastruktur für E-Autos vorhanden sein werde.

Oliver Zipse BMW-Chef
BMW
Laut BMW-Chef Oliver Zipse erwartet die Kunden "Hightech auf vier Rädern".

Neben dem richtigen Antrieb für die Zukunft verspricht BMW ein völlig neuartiges User-Experience -Konzept. So sollen Fahrzeuge beispielsweise regionalisierbar sein, um sich in unterschiedliche Gegenden und deren Ökokonzepte einzugliedern. Over-The-Air-Updates und Funktionen "on demand" bleiben dabei Bestandteil des Konzepts. Man wolle damit gewährleisten, dass Fahrzeuge länger gefahren werden, weil der Hersteller sie softwareseitig stets aktuell hält. Damit verlagert sich rein wirtschaftlich ein nicht unerheblicher Teil des Umsatzes auf bereits zugelassene Fahrzeuge. Im Gegenzug sollen die Elektromodelle durch optimierte Produktion auf die Herstellungskosten moderner Verbrennungsmotoren kommen und mit diese auch bei der Reichweite gleichziehen. Dafür sorgen unter anderem hochskalierbare Baukästen, die vom Volumenmodell bis zum High Performance Fahrzeug reichen.

Grün, grüner, BMW

Zu These drei verspricht Oliver Zipse: "Das grünste Elektroauto wird von BMW kommen". Dabei geht es nicht allein um Verbrauchswerte, sondern auch um eine ressourcenschonende Produktion, die bis hin zu den verwendeten Werkstoffen reicht. Recycelte Materialien sollen im größtmöglichen Umfang zum Einsatz kommen. Dafür will BMW auch die eigenen Fahrzeuge der "Neuen Klasse", wie sie der Konzern selbst bezeichnet, bereits in der Konstruktion auf effiziente Recyclingmöglichkeiten trimmen. Sprich: Die verbauten Materialien sollen so einfach wie möglich in ihrer reinen Form extrahierbar sein, um dann wieder in neuen Fahrzeuge zum Einsatz zu kommen.

Produktion Fertigung BMW
BMW
BMW will künftig Recycling-Materialen im Fahrzeugbau verwenden.

In diesem Artikel noch nicht explizit erwähnt, aber in der Konsequenz logisch: Der Anteil von Verbrennern nimmt bis zum Jahr 2025 planmäßig Schritt für Schritt ab. Mit Ablauf der drei Planungsphasen wird BMW kein Modell mehr im Angebot haben, das nicht auch als vollelektrische Variante erhältlich ist. Aber dass BMW den Verbrenner ganz aus dem Modellprogramm wirft, ist eben auch nicht geplant – wegen der Märkte, die keine Ladeinfrastruktur haben.

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Nein. BMW ist für mich Sechszylinder und Hinterradantrieb.

Fazit

Egal wie viele Elektroautos BMW hocheffizient auf den Markt spült – kaufen müssen am Ende die Kunden. Die will BMW auch mit modernen Softwarelösungen zum Vertragsabschluss animieren. Aber BMW-Boss Zipse ist sich sicher, dass Nachhaltigkeit gerade für Premium-Kunden ein immer wichtigeres Kaufkriterium wird.

Für alle anderen und die, die sich das nicht leisten können, wird BMW bis auf Weiteres auch Autos mit Verbrennungsmotor bauen. Ein nominelles Enddatum dafür vermag der Hersteller dafür im Gegensatz zu Konkurrent Audi beispielsweise nicht anzugeben. Ein implizites schon: Wenn es keine Nachfrage nach Autos mit Verbrennungsmotor mehr gibt, werden wir auch keine mehr anbieten, so Entwicklungsvorstand Frank Weber sinngemäß.

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