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Brexit-Folgen

Britische Auto-Produktion im freien Fall

Der drohende Brexit wirft seine Schatten voraus. Die Fahrzeugproduktion in Großbritannien ist im ersten Halbjahr 2019 im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum um 20,1 Prozent gesunken.

Das teilt der britische Herstellerverband SMMT (Society of Motor Manufacturers & Traders) mit. Demnach ist der Juni 2019 mit einem Rückgang von 15,2 Prozent den 13. Monate in Folge mit einer negativen Wert.

Exakt 666.521 Fahrzeuge wurden auf der Insel produziert, im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 ein Rückgang von 168.052 Einheiten. Besonders stark macht sich der Rückgang der Fahrzeugexporte bemerkbar. Hier sank die Quote der für den Export produzierten Fahrzeuge sogar um 21,0 Prozent. Wurden im ersten Halbjahr 2018 noch 675.308 Export-Modelle gefertigt, so waren es zwischen Januar und Juni 2019 nur noch 533.318 Einheiten. Der Anteil des Exports sank von 80,9 auf 80,0 Prozent.

Autoproduktion in Großbritannien

  Januar - Juni 2018 Januar - Juni 2019 Veränderung
Produktion gesamt 834.573 666.521 -20,10%
Heimatmarkt 159.265 133.203 -16,40%
Export 675.308 533.318 -21,00%
Export-Quote 80,90% 80,00%  

Die britische Autoindustrie lebt entsprechend von dieser Exportquote, da zeigen die teils zweistelligen Rückgänge bei den Auslieferungen in einzelne Länder die komplette Dramatik. Die Ausfuhren in die USA sanken um 12,9 Prozent, die nach China um 53,1 Prozent. Japan erreichten 10,5 Prozent weniger UK-Autos und die Exporte in die Türkei fielen um 93,0 Prozent.

360 Millionen Euro Brexit-Kosten

Die SMMT hat zudem noch eine Statistik veröffentlicht, wonach die Autobranche alleine für die Vorbereitungen auf einen „No Deal“-Brexit um 330 Millionen Pfund (umgerechnet über 360 Millionen Euro) aufgewendet hat. So mussten Materialvorräte angelegt, Lagerkapazitäten gesichert und neue Logistiklösungen erarbeitet werden. Dazu kamen noch Ausgaben für weitere Versicherung und Schulungen zur Zollabwicklung.

Als weitere Folge des Brexit hat unter anderem Ford angekündigt, sein Motorenwerk in Süd-Wales 2020 zu schließen. Auch Nissan zieht die Produktion des Nissan X-Trail aus Großbritannien ab. Zuletzt hatte PSA-Chef Carlos Tavares gedroht, wenn es zu einem Brexit nach Boris Johnsons-Diktion ohne „Wenn und Aber“ komme, werde man die Produktion des Astra auf das europäische Festland verlagern. Dieser wird aktuell in Ellesmere Port gebaut.

Autoland Großbritannien

Das Autoland Großbritannien ist der zweitgrößte Markt in Europa. In einem Tag in der britischen Autoindustrie ...

  • ... werden Komponenten für 39,4 Millionen Euro „just-in-time“ aus der EU geliefert.
  • ... erreichen 1.100 Lkw aus der EU britische Auto- und Motorenwerke
  • ... werden 6.600 Pkw produziert
  • ... laufen 9.800 Motoren vom Band
  • ... werden 4.300 Motoren zu britischen Werken transportiert
  • ... gehen 1.400 Pkw an britische Händler
  • ... werden 5.200 Autos weltweit exportiert
  • ... werden 5.500 Motoren weltweit exportiert

Zum größten Exportziel zählen die europäischen Nachbarn mit einer Quote von 53 Prozent. Erst danach rangieren die USA mit 15,7 Prozent und China mit einer Exportquote von 7,5 Prozent. Es folgen in den Top 10 Australien (2.9 Prozent), Türkei (2,6 Prozent), Japan (2,4 Prozent), Kanada (2,1 Prozent) Südkorea (1,6 Prozent), Russland (1,2 Prozent) und Israel mit 0,9 Prozent. In Großbritannien gibt es 32 Werke in denen Fahrzeuge und Komponenten gefertigt werden.

Die wichtigsten Auto- und Motorenwerke in Großbritannien

Hersteller Ort Sektor Modelle
Aston Martin Gaydon Fahrzeuge Vanquish, DB11, Rapide S, V12 Vantage S, V8 Vantage
Bentley Crewe Fahrzeuge und Motoren  
BMW Hams Hall Motoren  
Caterham Dartford Fahrzeuge Seven
Cummins Darlington Motoren  
Ford Bridgend und Dagenham Motoren  
Honda Swindon Fahrzeuge und Motoren Civic and Civic Type R
Infiniti Sunderland Fahrzeuge Infiniti Q30
Jaguar Castle Bromwich und Wolverhampton Fahrzeuge und Motoren F-Type, XE, XJ, XF
Land Rover Solihull und Halewood Fahrzeuge Discovery, Discovery Sport, Range Rover, Range Rover Sport, Range Rover Velar, Evoque
Lotus Norwich Fahrzeuge Elise, Evora and Exige
LEVC Coventry Fahrzeuge TX Taxi
McLaren Woking Fahrzeuge 540, 570, 650, 675, P1
Mini Oxford Fahrzeuge Mini, 3- und 5-Türer, Cabrio, Clubman, Countryman, JCW, Mini e
Morgan Malvern Fahrzeuge 3 Wheeler, 4/4, Plus 4, V6 Roadster
Nissan Sunderland Fahrzeuge und Motoren Juke, Leaf, Qashqai
Rolls-Royce Goodwood Fahrzeuge Cullinan, Dawn, Ghost, Phantom, Wraith
Toyota Burnaston Fahrzeuge Auris, Avensis
Toyota Deeside Motoren  
Vauxhall Ellesmere Port Fahrzeuge Astra
Vauxhall Luton Fahrzeuge Vivaro

Fazit

Die dramatischen Folgen eines ungeregelten Brexit für eine der britischen Schlüsselindustrien seit dem Referendum 2016 waren absehbar. In einer Zeit, in der es in der Autobranche kriselt, Konzerne sparen müssen und sich neu orientieren, ist es nur natürlich, dass die großen Autobauer reagieren. Und sie reagieren mit Abzug der Produktionen. Sollte der No-Deal-Brexit á la Boris Johnson durchgepeitsch werden, werden wir noch weitere Autobauer sehen, die mit wehenden Fahnen die Insel verlassen werden.

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