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CO2-Pooling der Autohersteller, um Strafen abzuwenden

CO2-Pooling der Autohersteller Wer dealt mit wem, um CO2-Strafen abzuwenden?

Immer mehr Autohersteller kündigen an, ihren Wettbewerbern CO2-Zertifikate abzukaufen, um ihre Grenzen einzuhalten. Manche Marken sind in dieser Hinsicht besonders aktiv.

Im Sommer 2013 einigten sich das EU-Parlament und die Regierungen der – damals noch – 28 Mitgliedsstaaten für das Jahr 2020 auf eine neue CO2-Grenze: Im Schnitt sollen in der Europäischen Union verkaufte Neuwagen nur noch einen CO2-Ausstoß von 95 Gramm pro Kilometer (g/km) aufweisen. Die Autohersteller hatten also viel Zeit, sich auf die neuen Regeln vorzubereiten (die inzwischen tatsächlich in Kraft sind, trotz aller Bemühungen insbesondere der deutschen Regierung, sie aufzuweichen oder zu verschieben).

Ein Schlupfloch namens CO2-Pooling

Obwohl für die Flotten eines jeden Herstellers individuelle Grenzen gelten – die komplizierte Berechnung und alles Wissenswerte zum Thema CO2-Gesetzgebung erklären wir Ihnen hier -, zeichnet sich jetzt schon ab, dass einige von ihnen die neuen Grenzen nicht einhalten können. Jaguar Land Rover hat dies bereits zugegeben, und auch der Daimler-Konzern wird hier immer wieder genannt. Manchen Autobauern drohen deshalb hohe Strafzahlungen, teils in Milliardenhöhe.

Hyundai i10, Peugeot 108, Renault Twingo, Skoda Citigo
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Doch in den EU-Regelungen existiert ein Schlupfloch, das sogenannte Pooling. Mehrere Hersteller können sich zusammentun und ihre Flotten gemeinsam ausweisen. Dabei handelt es sich im Kern um einen klassischen Zertifikate-Handel: Autofirmen, die über ihrem Limit liegen, tun sich – natürlich gegen Bezahlung – mit Wettbewerbern zusammen, die darunter liegen. Am Ende zählt der Durchschnitt. Im Idealfall rutscht der eine Hersteller unter die Bemessungsgrenze, während der andere dort auch nach dem Ausgleich bleibt.

Tesla und FCA machten den Anfang

Inzwischen streben mehrere Autohersteller eine solche Win-Win-Situation für sich an. Den Anfang machten im Frühjahr 2019 der FCA-Konzern und Tesla. Die italienisch-amerikanische Auto-Allianz hat erst wenige Elektroautos und Hybridwagen im Angebot, muss aber trotzdem den Flottendurchschnittswert all seiner Marken – auch von Jeep oder Alfa Romeo – auf ein zulässiges Niveau senken. Tesla dagegen bietet ausschließlich E-Modelle an, die jeweils mit null g/km in die CO2-Rechnung eingehen und ihrem Hersteller sogar noch sogenannte "Super Credits" erarbeiten. Die Kalifornier haben also große CO2-Reserven zu verteilen, von denen Fiat-Chrysler erheblich profitieren dürfte. Obwohl bisher keine finanziellen Details des Deals öffentlich wurden, ist davon auszugehen, dass sich Tesla seine Hilfe fürstlich entlohnen lässt – die Rede ist von einer Milliardensumme.

Tesla Model 3, Exterieur
Hans-Dieter Seufert
Tesla hat als reiner Elektroauto-Hersteller viel CO2-Guthaben zu verteilen - FCA und Honda profitieren davon.

Jüngst ist der EU-Pool von FCA und Tesla sogar gewachsen: Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, hat sich nun auch Honda dieser Gruppe angeschlossen. Grund sei, dass sich das Elektroauto Honda e in Europa bisher schlechter verkaufe als erwartet, weshalb die Japaner noch nicht in der Lage seien, den CO2-Ausstoß der Verbrenner-Modelle auszugleichen. Tesla verzeichne dagegen starke Absatzzahlen und habe deshalb weitere Boni frei, um sie an andere Hersteller zu verteilen. Aber auch hier werden die bezahlten Summen diskret behandelt.

Volvo und Ford sowie Mazda und Toyota als CO2-Pool

Auch Volvo und Polestar haben sich in Sachen CO2 bereits mehr als genug Luft verschafft. Die schwedisch-chinesischen Schwestern aus dem Geely-Konzern bilden deshalb mit Ford ein Pool-Trio und sind einer Mitteilung zufolge offen, weitere Hersteller in diese Kooperation zu integrieren. Ford ist zu diesem Schritt aufgrund der schwerwiegenden Probleme bei der Plug-in-Hybrid-Version des Kuga gezwungen. Der Teilzeit-Elektriker sollte das CO2-Niveau der gesamten Flotte unter die Grenze senken, kann wegen technischer Sorgen derzeit aber nicht verkauft werden.

Einen weiteren Pool bilden die japanischen Hersteller Mazda und Toyota. Aber auch die einzelnen Hersteller eines Autokonzerns können sich zu einem CO2-Konglomerat zusammenschließen. Dies praktiziert aktuell der PSA-Konzern mit seinen Marken Citroën, Peugeot und Opel. Es heißt, die Franzosen haben noch CO2-Guthaben zu vergeben; sie dürften also bereit sein, weitere Hersteller aufzunehmen, wenn der Preis stimmt. Gleiches gilt offenbar für Renault. Der Konzern hat einer offiziellen EU-Liste zufolge einen CO2-Pool angemeldet, dem bislang aber noch kein anderer Hersteller beigetreten ist.

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SAIC ist neuerdings Mitglied im VW-Pool

Auch der VW-Konzern betreibt einen CO2-Pool, in dem die Werte der Volumenmarken VW, Seat und Skoda mit denen der Premium- und Nobelhersteller Audi, Bugatti und Porsche verrechnet werden. Allerdings ist dies kein interner Kreis mehr: Der SAIC-Konzern, mit dem Volkswagen in China als Joint-Venture-Partner zusammenarbeitet, ist mit seinem europäischen Arm und der Marke MG ebenfalls in diesem Pool vertreten. Neuerdings ist zudem der Aachener Elektroauto-Hersteller Next.e.GO Mobile SE Mitglied dieses Pools.

Das ist jedoch nicht der einzige europäische CO2-Pool, in dem VW und SAIC zusammen vertreten sind: Es gibt noch einen, bei dem es um leichte Nutzfahrzeuge geht; hier ist Ford als dritter Partner dabei.

Autohersteller, die sich noch nicht sicher sind, ob sie ihre CO2-Grenze einhalten oder nicht, müssen sich schnell entscheiden, ob sie kurzfristig noch einer Hersteller-Allianz beitreten möchten: Alle europäischen Pools müssen bis zum Jahresende 2020 gebildet sein. Lassen sie die Frist verstreichen, bleibt die Hoffnung, letztlich doch unter dem Grenzwert zu liegen. Oder zumindest eine Strafe zahlen zu müssen, die niedriger ausfällt als die Kosten für einen Beitritt zu einem CO2-Pool.

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Fazit

Aufgrund der bald ablaufenden Deadline könnte das Thema CO2-Pooling in den nächsten Wochen noch einmal richtig Fahrt aufnehmen. Ein derartiger Zertifikatehandel lässt sich natürlich kritisch sehen. Die Regelung mindert den Druck für so manchen Hersteller, die CO2-Emissionen der eigenen Flotte so schnell wie möglich unter den Grenzwert zu drücken. Doch ob durch den Beitritt zu einem CO2-Pool oder durch Strafzahlungen: Teuer werden Emissions-Versäumnisse der Hersteller so oder so.

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