Die Europäische Kommission prüft derzeit eine Schließung der bestehenden Zollregularien für chinesische Importfahrzeuge. Nachdem Ende 2024 zusätzliche Ausgleichszölle auf reine Elektroautos (BEVs) aus China in Kraft traten, reagierten viele Hersteller mit einer spürbaren Verschiebung ihrer Vertriebsstrategie: Sie drängten verstärkt mit Plug-in-Hybriden (PHEVs) auf den europäischen Markt. Da diese teilelektrischen Fahrzeuge bislang vom regulären Einfuhrzoll von 10 Prozent abgesichert sind, verzeichneten chinesische PHEVs im ersten Halbjahr 2026 massive Absatzzuwächse.
Zwischen 17 und 38 Prozent Aufschlag
Um Marktverzerrungen zu verhindern, bereitet Brüssel nun Sonderzölle oder Mindestpreis-Mechanismen speziell für Hybridfahrzeuge aus chinesischer Produktion vor. Die Sätze dürften sich an den bestehenden BEV-Ausgleichszöllen orientieren, die je nach Hersteller zwischen rund 17 und 38 Prozent liegen. Sollte die Neuregelung wie erwartet im Herbst 2026 greifen, stünden diese Erfolgsmodelle im Fokus.
BYD Seal U DM-i

Der Mittelklasse-SUV ist der aktuelle Spitzenreiter unter den chinesischen Plug-in-Hybriden in Europa. BYD nutzt hier die selbst entwickelte "Dual Mode"-Technologie (DM-i), bei welcher der Verbrennungsmotor primär als Generator fungiert, um den elektrischen Hauptantrieb zu speisen. Mit hohen Zulassungszahlen im Flotten- und Privatkundengeschäft und Ausstattungsmerkmalen wie einer DC-Schnellladefunktion (CCS) hat sich der 2,1 Tonnen schwere Allradler bereits in einigen Ländern zu einer direkten Konkurrenz für etablierte europäische SUVs entwickelt. Zusätzliche Zölle würden die aggressive Preisgestaltung des Herstellers in diesem Volumensegment unmittelbar unter Druck setzen.
Auf rein batterieelektrische Autos (BEV) von BYD, die aus China in die EU importiert werden, erhebt die Europäische Union schon heute einen Gesamtzoll von 27,0 Prozent. Dieser setzt sich zusammen aus dem regulären EU-Einfuhrzoll von 10 Prozent und einem spezifischen Ausgleichszoll (Strafzoll) für BYD in Höhe von 17,0 Prozent. Bisher wird der Seal U DM-i "ab 39.990 Euro" beworben – 17 Prozent drauf wären rund 6.800 Euro.
MG HS Plug-in Hybrid

Der MG HS (vormals als MG EHS vertrieben) des staatlichen SAIC-Konzerns gehört zu den Pionieren auf dem deutschen Markt. Der Kompakt-SUV sichert sich seine Marktanteile vor allem über ein sehr starkes Preis-Leistungs-Verhältnis und ein vergleichsweise dichtes Händlernetz. Die Preise für den MG HS PHEV Luxury beginnen bei 41.990 Euro – mit Zoll könnte er bis zu 15.000 Euro teurer werden.
Da SAIC bei den reinen Elektroautos mit dem höchsten EU-Zollsatz belegt wurde, drohen auch den PHEV-Modellen der Marke empfindliche Aufschläge, was den spürbaren Preisvorteil gegenüber europäischen Mitbewerbern nivellieren könnte. Der Gesamtzoll liegt bei 45,3 Prozent.
Lynk & Co 01

Noch ein chinesischer Kompakt-SUV – diesmal von der Geely-Tochtergesellschaft Lynk&Co. Der 01 nutzt die skalierbare Produkt-Architektur (CMA) des Volvo XC40. Das Modell ist auf europäischen Straßen insbesondere durch flexible Auto-Abo-Modelle und Sharing-Konzepte in städtischen Ballungsräumen präsent. Da das Fahrzeug im chinesischen Taizhou gefertigt wird, unterliegt es im Falle einer Verordnung denselben Importbeschränkungen wie die reinen Volumenmarken, was direkten Einfluss auf die monatlichen Abonnement- und Leasingraten haben dürfte.
Legt man den für Geely ausgehandelten Zoll von 18,8 Prozent zugrunde, könnten aus dem Preisschild "ab 43.000 Euro" bald "ab 50.000 Euro" werden.
Jaecoo 7 PHEV

Die Marke Jaecoo gehört zum Chery-Konzern, der aktuell eine weitreichende Marktoffensive in Mitteleuropa verfolgt. Das kantig gestaltete Kompakt-SUV kombiniert eine hohe rein elektrische Reichweite mit moderner Infotainment-Ausstattung. Chery plant zwar langfristig eine europäische Fertigung in Spanien, bis zur vollständigen Inbetriebnahme der Werke hängen die Importpreise des Jaecoo 7 jedoch vollständig von den anstehenden Beschlüssen der EU-Kommission ab. Für Elektroautos liegt der Gesamt-Prozentsatz bei 41 Prozent.
Unter 40.000 Euro wird der Jaycoo 7 Plug-in-Hybrid dann wohl nicht mehr zu haben sein.
GWM Wey 03

Great Wall Motor (GWM) positioniert den Wey 03 im gehobenen SUV-Segment. Technologisches Alleinstellungsmerkmal ist die für Plug-in-Hybride überdurchschnittlich große Batteriekapazität, die eine rein elektrische WLTP-Reichweite von bis zu 130 Kilometern ermöglicht. Durch diese Auslegung zielt der Wey 03 direkt auf Dienstwagenberechtigte und Langstreckenfahrer ab. Höhere Importzölle würden den Einstandspreis des Premium-PHEVs stark belasten.
Der Extrazoll für Elektroautos von GWM liegt derzeit bei 20,7 Prozentpunkten. Insgesamt könnten auf den chinesischen Preis also 30,7 Prozent draufgeschlagen werden. Noch liegt der Einstiegspreis bei 47.900 Euro.
BYD Dolphin G DM-i

Ein völlig neues Kapitel will BYD im Sommer 2026 mit dem Dolphin G DM-i aufschlagen. Obwohl der den Namen eines bekannten vollelektrischen Kompaktwagens trägt, handelt es sich beim Neuen um eine komplett eigenständige Neuentwicklung mit Plug-in-Hybrid-Antrieb für das B-Segment (Kleinwagen). Mit einer Systemleistung von 129 kW (175 PS), einer optionalen 18,3-kWh-Batterie für bis zu 105 Kilometer elektrische Reichweite und einer kombinierten Gesamtreichweite von über 1.000 Kilometern soll der Dolphin G eine klare Marktlücke besetzen. Er wäre das erste echte PHEV in dieser Fahrzeugklasse auf dem europäischen Markt.
Der Dolphin G DM-i soll planmäßig im neuen BYD-Werk im ungarischen Szeged vom Band laufen. Da Ungarn zur Europäischen Union gehört, würden lokal produzierte Fahrzeuge den drohenden Importzöllen entgehen. Sollte der Marktstart im Herbst jedoch zunächst über Übergangs-Importe aus China abgedeckt werden müssen, träfe die Zollregelung den strategisch wichtigen Kleinwagen exakt in seiner sensiblen Startphase und wäre deutlich teurer als erhofft.












