Porsche dreht die Strategie: Mehr Gewinn mit weniger Autos

Neue Porsche-Strategie
Teurer, exklusiver und weniger Masse

ArtikeldatumVeröffentlicht am 23.06.2026
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Dr. Michael Leiters neuer Porsche Chef CEO Vorstandsvorsitzender
Foto: Porsche/Schönfeld

Porsche stellt seine Unternehmensstrategie auf die veränderten Marktbedingungen ein. Nach mehreren Jahren mit starkem Wachstum und Rekordabsätzen soll künftig nicht mehr die maximale Produktionsmenge in den Mittelpunkt rücken, sondern die Sicherung hoher Erträge. Vorstandsvorsitzender Michael Leiters hat angekündigt, dass Porsche auch bei geringeren Verkaufszahlen profitabel wachsen soll.

Die Neuausrichtung erfolgt vor dem Hintergrund einer nachlassenden Nachfrage in einzelnen Kernmärkten, steigender Entwicklungsaufwendungen und einer Neubewertung der bisherigen Elektrifizierungsstrategie.

Von Rekordabsätzen zur neuen Marktrealität

Das Jahr 2023 markierte mit weltweit 320.221 ausgelieferten Fahrzeugen den bisherigen Höchststand in der Unternehmensgeschichte. Seitdem haben sich die Rahmenbedingungen jedoch spürbar verändert. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in China. Dort steht Porsche zunehmend unter Wettbewerbsdruck durch lokale Premium- und Elektrohersteller, die mit kürzeren Entwicklungszyklen, hoher Digitalisierung und wettbewerbsfähigen Preisen auftreten.

Zusätzlich wirkten sich Veränderungen im Modellportfolio auf die Verkaufszahlen aus. Die Baureihen 718 und Macan wurden in Europa aus dem Angebot genommen, nachdem Anpassungen an neue regulatorische Anforderungen notwendig geworden waren. Im Jahr 2025 gingen die weltweiten Auslieferungen auf 279.449 Fahrzeuge zurück und lagen damit wieder in einer Größenordnung, die zuletzt um das Jahr 2020 erreicht wurde.

Produktionskapazitäten anpassen

Porsche reagiert auf diese Entwicklung mit einer Anpassung seiner Produktionsplanung. Nach Aussagen von Michael Leiters soll die Fertigung künftig stärker an der tatsächlichen Marktnachfrage ausgerichtet werden. Das Ziel besteht nicht darin, Absatzrückgänge kurzfristig auszugleichen, sondern eine dauerhaft höhere Effizienz zu erreichen. Niedrigere Produktionskapazitäten sollen helfen, Kosten zu kontrollieren und Überkapazitäten zu vermeiden.

Parallel dazu arbeitet das Unternehmen an zusätzlichen Maßnahmen zur Senkung der Ausgaben. Leiters sprach davon, dass die Kostenstrukturen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen seien und neu bewertet werden müssten. Darüber hinaus prüft Porsche eine intensivere Zusammenarbeit innerhalb des Volkswagen-Konzerns – insbesondere mit Audi –, um Entwicklungs- und Plattformkosten künftig stärker gemeinsam zu tragen.

Höhere Margen durch veränderte Modellstrategie

Ein zentraler Bestandteil der neuen Ausrichtung ist die stärkere Konzentration auf margenstarke Fahrzeuge. Porsche verfolgt dabei nicht das Ziel, die Zahl der Modellreihen zu reduzieren, sondern den durchschnittlichen Gewinn pro verkauftem Fahrzeug zu erhöhen. Eine größere Rolle könnten künftig limitierte Sondermodelle, stärker individualisierte Ausstattungen und neue Spitzenmodelle spielen.

Bereits in den vergangenen Jahren zeigte sich, dass besonders exklusive Varianten einen überdurchschnittlichen Beitrag zur Profitabilität leisten können. Diese Logik soll künftig offenbar stärker auf das gesamte Portfolio übertragen werden. Für Kunden dürfte dies mittelfristig bedeuten, dass exklusive Ausführungen und höher positionierte Modelle an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig versprechen die Stuttgarter aber, die Zahl der Derivate zu senken.

Neue Flaggschiffe für die Marke

Parallel zur stärkeren Fokussierung auf Ertrag arbeitet Porsche an einer Erweiterung des Modellprogramms im oberen Preissegment. Bereits im Frühjahr hatte das Unternehmen angedeutet, zusätzliche Fahrzeuge oberhalb bestehender Baureihen zu prüfen. Diskutiert werden unter anderem ein neues Hochleistungsmodell oberhalb des 911 sowie ein besonders luxuriös positioniertes Grand-Touring-Fahrzeug.

Auch das bereits bekannte Projekt K1 bleibt grundsätzlich Teil der Überlegungen. Das Modell war ursprünglich als vollelektrisches SUV oberhalb des Cayenne vorgesehen und sollte insbesondere in Märkten wie Nordamerika und dem Nahen Osten zusätzliche Kundengruppen erschließen. Aktuell wird jedoch geprüft, ob die ursprüngliche Positionierung weiterhin sinnvoll ist und welche Antriebskonzepte künftig vorgesehen werden.

Bleibt der 718 ein wichtiger Baustein?

Trotz der stärkeren Konzentration auf margenstarke Fahrzeuge hält Porsche an einem breiteren Markenzugang fest. Die Rückkehr der 718-Baureihe wurde bestätigt. Boxster und Cayman sollen auch künftig eine wichtige Rolle spielen, um neue Kundinnen und Kunden an die Marke heranzuführen. Damit verfolgt Porsche weiterhin ein zweistufiges Modell: Einerseits sollen emotionale Einstiegsmodelle den Zugang zur Marke ermöglichen, andererseits sollen exklusive Spitzenmodelle die Profitabilität erhöhen.

Fazit