Kooperation VW und Ford Volkswagen
Kooperation VW und Ford
VW liefert MEB an Ford
Kooperation VW und Ford (MEB, Argo, NFZ)
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Volkswagen-Ford-Kooperation vor dem Aus

Ford entwickelt eigene E-Auto-Plattform Ford dementiert Aus der VW-Kooperation

Nach nur etwa drei Jahren stehen Fragezeichen hinter der Zusammenarbeit zwischen Ford und VW. Der Grund: Die Amerikaner entwickeln eine eigene Elektroauto-Plattform und brauchen den MEB des VW-Konzerns wohl bald nicht mehr.

Mit dem Okay des VW-Aufsichtsrates war es Mitte Januar 2020 offiziell: Die Autokonzerne Volkswagen und Ford gingen eine weitreichende Kooperation miteinander ein. Die entsprechenden Verträge wurden ein knappes halbes Jahr später unterschrieben. Doch nun sieht es so aus, als beginne die Allianz der beiden Giganten bereits wieder zu bröckeln. Ford will in Europa wieder unabhängiger werden.

Modulare Elektrifizierungsbaukasten
VW
Modulare Elektrifizierungsbaukasten VW MEB VW MEB VW MEB 54 Bilder

Zumindest legen das Aussagen des Elektroauto-Chefs von Ford in Europa in einem Interview nahe. Ab Mitte des Jahrzehnts sollen auch Autos mit einer firmeneigenen Plattform vom Band laufen, sagte Martin Sander der "Financial Times". Bevorzugter Produktionsstandort der darauf basierenden E-Autos soll das Werk in der spanischen Hafenmetropole Valencia werden. Die eigene Technik, die zum Großteil in den USA entwickelt werde und sich noch in einem frühen Stadium befinde, sei nicht mit Volkswagens Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) kompatibel. Diesen setzt Ford ab diesem Jahr bei einem in Köln gebauten, mittelgroßen Crossover sowie ab 2024 bei einem weiteren Elektro-Modell ein.

"Bleiben gemeinsamen Plänen verpflichtet"

Darüber hinaus sei keine "endgültige Entscheidung" über die weitere Zusammenarbeit mit den Wolfsburgern getroffen worden, so Sander weiter. Vorerst läuft sie also weiter wie geplant. "Es gibt keine Veränderungen in unserer strategischen Allianz mit Volkswagen. Ford und Volkswagen bleiben ihren gemeinsamen Plänen verpflichtet", heißt es in einem Statement aus der Kölner Deutschland-Zentrale. "Diese Allianz spielt eine wichtige Rolle bei der globalen Transformation von Ford sowohl bei Pkw als auch bei Nutzfahrzeugen." Ford ist der erste Volumenhersteller außerhalb des Volkswagen-Imperiums, der E-Autos auf MEB-Basis auf den Markt bringt. Ford will im Verlauf von sechs Jahren in Europa jeweils mehr als 600.000 Exemplare der beiden Baureihen verkaufen.

Ford und VW Kooperation
Tech & Zukunft

"Die Skalierung unseres MEB senkt die Entwicklungskosten für emissionsfreie Fahrzeuge und ermöglicht eine breitere und schnellere globale Einführung von Elektrofahrzeugen", sagte der ehemalige VW-Vorstandschef Herbert Diess bei der Bekanntgabe des Deals. "Mit Ford und künftig weiteren Partnern wird der MEB zum neuen Standard in unserer Industrie." Die Kooperation verbessere die Position beider Unternehmen durch mehr Kapitaleffizienz, weiteres Wachstum und verbesserte Wettbewerbsfähigkeit, hieß es damals weiter.

Nutzfahrzeug-Kooperation

Ein weiterer Part der Kooperation ist die Zusammenarbeit bei mittelgroßen Pick-ups und anderen Nutzfahrzeugen. Der gerade eingeführte Amarok der zweiten Generation nutzt die Plattform und die Antriebe des neuen Ford Ranger. Im Gegenzug verwendet Ford für den neuen Tourneo Connect Volkswagens MQB-Plattform. Damit ist er ein Modellbruder des VW Caddy, die Seite an Seite im Volkswagen-Werk in der polnischen Stadt Posen gebaut werden. Ferner wird Ford größere Nutzfahrzeuge für europäische Kunden entwickeln und bauen. Auch an dieser Allianz wird derzeit nicht gerüttelt, heißt es.

Erlkönig Ford Sport Crossover EV
Alternative Antriebe

Ein weiterer wichtiger Baustein innerhalb der Kooperation war Argo AI, ein Spezialist für künstliche Intelligenz und Robotik, der Technologien für das autonome Fahren entwickelte. Im Zuge des Deals investierte VW insgesamt 2,6 Milliarden Dollar (aktuell etwa 2,4 Milliarden Euro) in Argo AI, wobei der Konzern seine eigene Tochter Autonomous Intelligent Driving GmbH (AID) mit Sitz in München eingebracht hat. "Elektromobilität und das autonome Fahren markieren die größte Veränderung im Transportwesen seit Henry Ford", betonte seinerzeit der damalige Ford-Chef Jim Hackett mit Blick auf die Rolle, die Argo AI daraufhin spielen sollte. Das Unternehmen war nach dem Deal satte 7,1 Milliarden Dollar (etwa 6,5 Milliarden Euro) wert.

Argo AI wurde inzwischen abgewickelt

Sowohl Ford als auch Volkswagen wollten die Selbstfahr-Technologie von Argo AI unabhängig voneinander in ihre eigenen, speziell entwickelten Fahrzeuge integrieren. Das US-Unternehmen entwickelte autonome Fahrzeuge auf Level 4. In erster Linie ging es dabei um Modelle, die im Ride Sharing oder bei Lieferdiensten eingesetzt werden sollten.

10/2022, Argo AI
Politik & Wirtschaft

Doch grau ist alle Theorie: Nachdem die Euphorie rund ums autonome Fahren zwischenzeitlich stark abgeflaut war und sich die Technik nicht so schnell wie gewünscht weiterentwickelt hat, zogen Ford und VW im Oktober 2022 die Reißleine. Ford schrieb im damaligen Quartalsbericht Investitionen in Höhe von 2,7 Milliarden Dollar (knapp 2,5 Milliarden Euro) in das Tech-Start-up ab. Argo AI war damit Geschichte; beide Autokonzerne entwickeln die Technik für selbstfahrende Autos nun wieder auf eigene Faust.

Direkte gegenseitige Kapitalbeteiligungen der beiden Firmen beinhaltet die Kooperation übrigens nicht. Die Allianz wird von einem gemeinsamen Gremium geleitet, das sich aus Führungskräften beider Unternehmen zusammensetzt. Fragt sich nur, wie lange noch.

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Hier haben sich zwei Auto-Schwergewichte zusammengetan: Angesichts der riesigen Herausforderungen, mit denen sich Autokonzerne aktuell und in naher Zukunft konfrontiert sehen, ergab die Zusammenarbeit sicher Sinn. Wahrscheinlich gilt das auch aktuell noch, aber – zumindest aus Ford-Sicht – wohl spätestens dann nicht mehr, sobald die nächste Generation von Elektroauto-Plattformen einsatzbereit ist. Diese entwickeln die Amerikaner nämlich selbst. Für den MEB scheinen sie dann keinen Bedarf mehr zu sehen – was den Anschein erweckt, als haben sie dessen Nutzung nur als Brückentechnologie angesehen.

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