VW-Krise spitzt sich zu: Zwei weitere Werke auf der Abschlussliste

VW-Krise wird schlimmer
Zwei weitere Werke auf der Abschlussliste?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 17.07.2026
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05/2022, VW Volkswagen ID.4 Werk Emden Produktion Fertigung
Foto: Volkswagen AG

Der Sparkurs bei Volkswagen könnte deutlich weiter reichen als bislang bekannt. Nach Informationen des Manager Magazins prüft der Vorstand langfristig nicht nur weitere Einschnitte in Deutschland, sondern auch die Schließung von zwei Werken in Osteuropa. Gleichzeitig verschärft sich der Konflikt zwischen Konzernführung und Arbeitnehmervertretern.

Betriebsrat sieht Vertrauensverlust

Der Machtkampf zwischen Konzernchef Oliver Blume und der Arbeitnehmerseite hat sich in den vergangenen Wochen weiter zugespitzt. Nachdem der Aufsichtsrat das umfassende Transformationspaket Anfang Juli nicht billigte, bereitet der Vorstand offenbar bereits den nächsten Anlauf vor. Das Programm soll im September erneut zur Abstimmung gestellt werden – juristisch schärfer formuliert und mit einer möglichen weiteren Eskalationsstufe bis hin zu einer außerordentlichen Hauptversammlung.

Im Zentrum der Überlegungen stehen drastische Sparmaßnahmen. Bereits bekannt war, dass Volkswagen bis 2030 weltweit rund 50.000 Stellen abbauen und die Kosten deutlich senken will. Langfristig könnten jedoch noch deutlich tiefere Einschnitte folgen.

Auch Werke in Osteuropa auf dem Prüfstand

Dem Bericht zufolge stellt der Vorstand perspektivisch auch zwei wichtige Produktionsstandorte in Osteuropa infrage. Betroffen wären ab etwa 2035 das Audi-Werk im ungarischen Győr sowie das Škoda-Werk im tschechischen Kvasiny. Allein am Standort Győr arbeiten einschließlich der Motorenfertigung rund 12.000 Beschäftigte.

Volkswagen betont allerdings, dass es sich dabei lediglich um langfristige Szenarien handle. Die Zukunft der osteuropäischen Werke hänge auch davon ab, wie wettbewerbsfähig die deutschen Standorte in den kommenden Jahren würden. Dennoch wäre ein solcher Schritt bemerkenswert, da andere Hersteller wie BMW und Mercedes ihre Produktion in Ungarn zuletzt weiter ausgebaut haben.

Vorstand rechnet mit dauerhaft geringeren Stückzahlen

Hintergrund der Überlegungen sind offenbar deutlich vorsichtigere Marktprognosen. Intern bereitet sich der Konzern laut Bericht darauf vor, dass die weltweite Produktion langfristig nicht mehr bei rund neun Millionen Fahrzeugen liegen könnte. Stattdessen gelten sieben bis acht Millionen Fahrzeuge jährlich als realistisches Szenario.

Eine dauerhaft geringere Produktion würde zwangsläufig weniger Fertigungskapazitäten erfordern. Deshalb soll Volkswagen nicht nur die Zahl der Werke überprüfen, sondern auch die Modellpalette deutlich verkleinern und die Variantenvielfalt reduzieren. Ziel ist eine deutlich höhere Profitabilität. Während die operative Rendite 2025 bei lediglich 2,8 Prozent lag, strebt der Vorstand langfristig acht bis zehn Prozent an.

Umbau auch im Vorstand geplant

Parallel dazu soll die Konzernführung neu organisiert werden. So sollen das IT-Ressort sowie der Compliance-Bereich nach dem Ausscheiden ihrer bisherigen Leiter entfallen. Gleichzeitig ist ein neues, übergreifendes Entwicklungsressort vorgesehen, das die Modellplanung, Investitionen und technische Strategien stärker bündeln soll. Zudem könnte die seit Längerem vakante Position des Personalvorstands neu besetzt werden.

Die Pläne stoßen jedoch auf erheblichen Widerstand. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen lehnten das Transformationspaket im Aufsichtsrat bereits geschlossen ab. Betriebsratschefin Daniela Cavallo wirft dem Vorstand mangelnde Transparenz vor und spricht von einem erheblichen Vertrauensverlust innerhalb der Belegschaft. Sollte der Vorstand im September erneut scheitern, könnte der Konflikt weiter eskalieren. Nach Informationen aus Konzernkreisen wird auch eine außerordentliche Hauptversammlung als mögliche Option diskutiert, um zentrale Elemente des Transformationsprogramms doch noch durchzusetzen.

Fazit