Volkswagen richtet sich auf dauerhaft schwierigere Marktbedingungen ein. Konzernchef Oliver Blume kündigt weniger Kapazität, geringere Modellvielfalt und striktere Kostenkontrolle an.
Nach Angaben des "manager magazin" stellt sich Volkswagen auf Jahre mit geringerer Dynamik im Automarkt ein. Konzernchef Oliver Blume beschreibt im Interview mit dem Wirtschafts-Magazin ein Umfeld, das sich seit der Zeit vor der Corona-Pandemie grundlegend verändert habe. Belastend wirkten unter anderem US-Zölle, intensiver Wettbewerb in China, ein kleinerer europäischer Gesamtmarkt sowie geopolitische Risiken. Für den Konzern bedeutet das weniger Planbarkeit und höhere Anforderungen an die Kostenstruktur.
Starker Verkaufs-Rückgang
Blume verweist im Interview darauf, dass 2019 das letzte Jahr unter stabileren Rahmenbedingungen gewesen sei. Damals setzte der Konzern weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge ab und verfügte über Produktionskapazitäten für etwa zwölf Millionen Einheiten jährlich. Seit der Pandemie liege das Absatzniveau im Durchschnitt nur noch bei rund neun Millionen Fahrzeugen pro Jahr.
Aus Sicht des Managements ist diese Differenz inzwischen ein großes Problem. Deshalb soll die industrielle Basis des Konzerns an das niedrigere Volumen angepasst werden. In China habe Volkswagen bereits Fertigungskapazitäten von mehr als einer Million Fahrzeugen aus dem System genommen. In Europa seien bei den Marken Volkswagen und Audi bis 2028 ebenfalls Kürzungen von rund einer Million Einheiten vorgesehen.
Darüber hinaus prüft der Konzern weitere Schritte. Blume spricht von zusätzlich bis zu einer weiteren Million Fahrzeugen Kapazität, die weltweit angepasst werden könnten. Ziel sei es, von der früher auf mehr als zwölf Millionen Fahrzeuge ausgelegten Fertigung auf ein dauerhaftes Niveau von etwa neun Millionen Einheiten zu kommen.
Werke in Deutschland zur Disposition
Besonders heikel ist dabei die Lage in Deutschland. Mehrere Werke gelten seit Längerem als nicht ausreichend ausgelastet. Im Gespräch sind immer wieder die Standorte Emden und Zwickau, die im Elektroauto-Hochlauf nicht die ursprünglich erwarteten Stückzahlen erreichen. Auch andere Fabriken stehen unter Druck.
Werksschließungen will Blume jedoch offiziell nicht in den Fokus nehmen. Stattdessen spricht er von intelligenteren Lösungen. Als Beispiel nennt er Osnabrück. Dort endet planmäßig die Produktion von Volkswagen-Fahrzeugen im kommenden Jahr. Für den Standort wird mit externen Interessenten verhandelt, darunter Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie. Das Werk könnte so weiter genutzt werden, während Beschäftigungsperspektiven erhalten blieben.
Verkauf an chinesische Hersteller?
Auch Verkäufe einzelner Werke an neue Marktteilnehmer werden nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Hintergrund ist der Markteintritt chinesischer Hersteller in Europa. Eigene Produktionsstätten innerhalb der EU könnten Importhürden reduzieren.
Parallel zum Umbau der Fabrikstruktur will Volkswagen die Komplexität im Modellprogramm senken. Weltweit bietet der Konzern derzeit rund 150 verschiedene Modelle an. Künftig soll dieses Angebot bei unter 100 Fahrzeuglinien liegen. Geordnet werden soll das nach Marken, Regionen und Segmenten. Auch Ausstattungsvarianten sollen reduziert werden. Dadurch ließen sich Produktions- und Entwicklungskosten senken.
Verbrenner sollen bleiben
Bei den Antrieben bleibt Volkswagen mehrgleisig unterwegs. Je nach Marktregion sollen batterieelektrische Modelle, Plug-in-Hybride, Verbrenner und Range-Extender parallel angeboten werden.
Finanziell steht der Konzern unter Zugzwang. Die operative Umsatzrendite lag zuletzt bei 2,8 Prozent. Langfristig strebt Volkswagen bis 2030 acht bis zehn Prozent an. Um dieses Niveau zu erreichen, setzt das Management auf niedrigere Fixkosten und den beschriebenen Umbau bei der Produktionskapazität und dem Modellangebot.
50.000 Mitarbeiter weniger
Für die Beschäftigten bleibt der Umbau nicht ohne Folgen. Bereits vereinbarte Personalmaßnahmen bei Volkswagen, Audi, Porsche und Cariad laufen weiter. In Deutschland stehen bis 2030 insgesamt rund 50.000 Stellen zur Disposition. Der Konzern versucht, den Stellenabbau sozialverträglich, sprich ohne harte Kündigungsmaßnahmen, zu organisieren.












