Volkswagen steht einem Bericht der Bild zufolge vor einem grundlegenden Kurswechsel beim autonomen Fahren. Der Konzern soll die Zusammenarbeit mit Zulieferer Bosch innerhalb der sogenannten "Automated Driving Alliance" (ADA) beenden wollen – obwohl bereits Investitionen in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro in das Projekt geflossen sind.
Zweifel an der Zukunftsfähigkeit
Die 2022 gestartete Partnerschaft zwischen Bosch und der VW-Softwaretochter Cariad galt ursprünglich als strategische Antwort auf den technologischen Vorsprung von Tesla sowie den zunehmenden Wettbewerbsdruck aus China. Ziel war die Entwicklung einer einheitlichen Plattform für Fahrerassistenzsysteme und automatisiertes Fahren bis SAE-Level 3.
Nun mehren sich Hinweise, dass Volkswagen Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Projekts hat. Auslöser sollen nach Informationen aus Unternehmenskreisen sowohl der verschärfte Sparkurs als auch die aus Sicht des Konzerns zu langsamen Fortschritte bei der Entwicklung sein. Interne Fachbereiche sollen die bisher erreichten Ergebnisse aktuell nicht als wettbewerbsfähig einstufen. Besonders kritisch wird offenbar die Entwicklung im Bereich sogenannter Level-2++-Systeme gesehen – also hochautomatisierte Assistenzfunktionen, bei denen Fahrer zeitweise die Hände vom Lenkrad nehmen können, auch im urbanen Verkehr. Hier soll Volkswagen einen deutlichen Rückstand gegenüber internationalen Wettbewerbern erkennen.
Ein eindeutiges Bekenntnis klingt anders.
Ein offizielles Ende der Allianz wurde bislang nicht bestätigt. Sowohl Cariad als auch Bosch erklärten lediglich, Entwicklungspartnerschaften würden regelmäßig überprüft und daraufhin bewertet, ob sie weiterhin zu den strategischen Zielen passen. Zudem verwiesen beide Unternehmen darauf, dass sich Marktbedingungen und technologische Anforderungen – insbesondere im Bereich fortgeschrittener Assistenzsysteme ab Level 3 – seit Beginn der Kooperation deutlich verändert hätten.
Die Entscheidung könnte auf eine Neuausrichtung unter Konzernchef Oliver Blume zurückgehen. Demnach bewertet Volkswagen die Fortschritte in Europa inzwischen kritischer – auch im Vergleich zu Projekten in China, wo der Konzern mit Technologiepartnern deutlich schneller vorankommen soll. Für Bosch wäre ein Ausstieg ein Rückschlag: Die Allianz war eines der größten Entwicklungsprogramme für automatisiertes Fahren in Europa. Mehr als 1.000 Experten arbeiteten zuletzt an einer skalierbaren Softwareplattform, unterstützt durch eine internationale Testflotte mit über 1.500 Fahrzeugen.
Volkswagen unter extremem Sparzwang
Konzernchef Oliver Blume scheint den Sparkurs in Wolfsburg deutlich zu verschärfen. Weltweit stehen bis zu 100.000 Stellen auf dem Prüfstand – rund 15 Prozent der gesamten Belegschaft. Gleichzeitig werden mittelfristig auch Werksschließungen diskutiert: Hannover, Zwickau, Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm gelten demnach als mögliche Kandidaten. Betroffen wären rund 40.000 Beschäftigte und Produktionskapazitäten von etwa 750.000 Fahrzeugen jährlich.
Der Hintergrund ist grundsätzlicher Natur als reine Kostensenkung. Volkswagen stellt sein bisheriges Geschäftsmodell infrage: Fahrzeuge in Deutschland entwickeln, in Europa produzieren und weltweit verkaufen – dieses Modell funktioniere unter den neuen Marktbedingungen nicht mehr uneingeschränkt. Hohe Entwicklungskosten, steigender Preisdruck aus China und enorme Investitionen in Software und Elektrifizierung erhöhen den Handlungsdruck.
Bis 2030 sollen allein die Sachgemeinkosten um elf Milliarden Euro sinken. In Verwaltung und Entwicklung könnten tausende Stellen entfallen, darunter auch ein erheblicher Teil des Managements. Zusätzlich plant der Konzern, die Investitionen in den kommenden fünf Jahren deutlich zu reduzieren und das Modellportfolio von derzeit rund 150 auf weniger als 100 Baureihen zu verkleinern.












