Heftige Gewitter, überflutete Straßen, Unterführungen mit Wasser gefüllt: Zuletzt wurde das am 14. Juli 2026 sogar einem Einsatzfahrzeug der Polizei zum Verhängnis, das in einer überschwemmten Straßenunterführung in Elmshorn (Schleswig-Holstein) den Geist aufgab. Dass es diesmal die Freunde und Helfer "erwischte" ist ungewöhnlich, das allgemeine Phänomen jedoch nicht. Alljährlich nach besonders starken Gewittern und Regenfällen oder auch bei Hochwassersituationen sind solche nicht ganz ungefährlichen und vor allem sehr kostspieligen Schäden bundesweit zu beobachten. Das müsste nicht sein, denn es gibt klare Verhaltensregeln bei überschwemmten Straßen.
Motorschaden droht
Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor stellt der Motor selbst die größte und zugleich kostspieligste Schadensquelle dar, wenn man sich falsch verhält. Der Grund liegt in der Luftansaugung für den Motor: Diese befindet sich meist im vorderen Bereich nahe dem Kühlergrill, damit möglichst kühle Luft in den Motor gelangt. Bei Fahrten durch tiefes Wasser kann dadurch Wasser in die Luftansaugung eindringen, was im Extremfall einen sogenannten Wasserschlag verursacht.
Von einem Wasserschlag spricht man, wenn Wasser über die Ansaugung und den Luftfilter in die Brennräume gelangt. Typische Folgen sind verbogene oder gebrochene Pleuel, Schäden an der Kurbelwelle sowie oft auch zerstörte Ölwanne oder Motorgehäuse, weil sich defekte Bauteile nach außen durchschlagen. In den meisten Fällen bedeutet das einen Totalschaden des Motors und im Zweifelsfall große Umweltschäden durch austretendes Öl.
Getriebe und Elektrik gefährdet
Doch nicht nur der Motor ist gefährdet. Auch Achs- und Hauptgetriebe sind kritisch, da sie über Entlüftungen verfügen. Steigt der Wasserstand zu hoch, kann Wasser eindringen – insbesondere dann, wenn die Bauteile warm sind und sich durch schnelles Abkühlen ein Unterdruck bildet, der Wasser ansaugt. Heimtückisch ist, dass ein Wasser-Öl-Gemisch zunächst oft unbemerkt bleibt, jedoch langfristig erhebliche Schäden verursacht, wenn nicht unmittelbar ein Ölwechsel erfolgt.
Weitere Risiken betreffen tief montierte Anbauteile wie Nebel- oder Zusatzscheinwerfer sowie große Teile der Fahrzeugelektrik. Zudem kann Wasser in Hohlräume der Karosserie eindringen und dort langfristig Korrosion verursachen, vor allem bei verschmutztem oder salzhaltigem Wasser. Steigt der Wasserstand über die Schwellerhöhe und dringt in den Innenraum ein, drohen massive Schäden am Kabelbaum und entsprechend hohe Reparaturkosten.
Elektrofahrzeuge haben bei Wasserdurchfahrten gewisse Vorteile. Da sie keine Ansaugluft benötigen, ist ein Wasserschlag ausgeschlossen. Außerdem sind Antriebseinheit und Hochvoltbatterie in der Regel wasserdicht gekapselt. Ein Risiko durch Stromschlag besteht nicht, da das Hochvoltsystem geschützt ist und sich im Falle eines Fehlers automatisch abschaltet. Dennoch bleiben auch bei Elektroautos viele Komponenten wie Elektrik oder mechanische Bauteile gegenüber Wasser empfindlich, sodass grundsätzlich dieselben Vorsichtsmaßnahmen gelten.
Überschwemmung: So verhalten Sie sich richtig:
- Erste und wichtigste Regel: Beachten Sie die Gefahrenhinweise und Durchfahrtsverbote, selbst wenn Sie als Anwohner ortskundig sind und die Situation anders einschätzen.
- Wassertiefe prüfen: Orientieren Sie sich an Anhaltspunkten wie sichtbaren Gehsteig-Kanten. Im Zweifel muss wie bei Geländefahrten zu Fuß erkundet werden. Nasse Füße sind besser als ein "abgesoffenes" Auto.
- Faustregel: Reicht der Wasserstand bei einem Pkw über den unteren Felgenrand, das sind durchschnittlich 18-20 Zentimeter, ist das bereits eine kritische Höhe.
- Unterführungen meiden: Immer wieder sind besonders beratungsresistente Fahrer zu beobachten, die Straßenunterführungen trotz Überflutungsgefahr durchfahren und im teils meterhohen Wasser untergehen. Seien Sie schlauer und umfahren Sie solche Stellen.
- Wenn es absolut nicht anders geht: Extrem langsam fahren. Bei plötzlich auftretenden Überschwemmungen ist alles jenseits Schrittgeschwindigkeit gefährlich, nicht nur wegen drohendem Aquaplaning. Bei schnellerer Fahrt baut sich eine Bugwelle auf, die je nach Tempo und Fahrzeug bis über die Motorhaube schwappen kann, hier droht der erwähnte Wasserschlag.
- Keine "Heldentaten": Im Zeitalter der allzeit gezückten Smartphones für spektakuläre Social Media-Filmchen muss das besonders hervorgehoben werden. Fahren Sie langsam! Weit spritzendes Wasser beim Durchfahren einer größeren Wasserfläche sieht vielleicht spektakulär aus, ist aber einfach nur dumm.
Am sichersten ist es, bei drohender oder bestehender Überflutung ganz auf Fahrten zu verzichten und das Fahrzeug abzustellen. Wenn eine Fahrt unvermeidbar ist, sollten die Hinweise der Behörden strikt beachtet werden. Unüberlegte Fahrten können nicht nur das eigene Fahrzeug ruinieren, sondern auch unnötig Rettungskräfte binden.





