Volkswagen koppelt neue Modellaufträge stärker an die Fabrikkosten der Werke. Produktionsvorstand Christian Vollmer beschreibt diesen Kurs in einem internen Interview, das der Automobilwoche vorliegt: Konzern und Finanzressort bewerten Entscheidungen "losgelöst von den Interessen einzelner Marken". VW will die günstigsten und damit wettbewerbsfähigsten Standorte in den kommenden Jahren möglichst voll auslasten.
3.000 Euro pro Auto als Zielmarke
Konzernintern steuert VW laut Automobilwoche auf durchschnittliche Fabrikkosten von maximal 3.000 Euro je produziertem Fahrzeug zu. Aktuell liegt der Konzern demnach im Schnitt noch rund 1.000 Euro darüber. Vollmer verweist zugleich auf Fortschritte: Die deutschen Fahrzeugwerke haben ihre Fabrikkosten 2025 um mehr als 20 Prozent gesenkt – trotzdem bleiben sie klar teurer als Standorte in der Slowakei und Ungarn.
Werk Kvasiny als Musterschüler
Innerhalb des Konzerns klaffen die Kosten offenbar weit auseinander. Skoda erreicht in Tschechien laut Automobilwoche den Zielwert von 3.000 Euro im Durchschnitt, das Skoda-Werk Kvasiny soll sogar deutlich darunter liegen. Auch das VW-Werk Bratislava in der Slowakei und das Audi-Werk Győr in Ungarn gelten konzernintern als besonders konkurrenzfähig.
Auf deutscher Seite zeigen die internen Vergleiche den Druck: Zwickau nähert sich laut Automobilwoche erst der 4.000-Euro-Marke pro Fahrzeug. Für Hannover kursieren konzernintern sogar fünfstellige Beträge, Emden, Neckarsulm und Wolfsburg liegen demnach dazwischen. Genau diese Spanne macht die interne Konkurrenz brisant: VW koppelt die Auslastung stärker an den Standortpreis – und nicht an Historie oder regionale Erwartungen.
Modellaufträge wandern dorthin, wo es am billigsten läuft
Günstige Werke bekommen künftig also zusätzliche Modelle, teure Standorte verlieren Produktionsvolumen. Im Konzern diskutiert VW laut Automobilwoche seit Längerem Verlagerungen über Marken hinweg. Als Beispiel nennt der Bericht die nächste Generation des heutigen ID.4, die nach einer großen Modellpflege als ID. Tiguan antreten soll: Statt Emden könnte die Produktion nach Tschechien wechseln. Europaübergreifend würden also Kvasiny, Bratislava und Győr zu den wahrscheinlichen Gewinnern künftiger Neuverteilungen zählen.
Weniger Kapazität – noch härterer Wettbewerb zwischen den Werken
VW richtet die Produktion laut Vollmer konzernweit auf eine marktgerechte Nachfrage von rund neun Millionen Fahrzeugen pro Jahr aus; vor der Corona-Pandemie plante der Konzern mit zwölf Millionen. Diese Korrektur verschärft den internen Wettbewerb: Jeder Standort muss seinen Business Case über Kosten und Auslastung verteidigen. Politisch unterschiedlich starke Rückendeckung in Deutschland spielt dabei weiter mit – ändern soll das an der neuen Kostenpriorität aber wenig.












