Max Verstappen fühlt sich auf der Nürburgring-Nordschleife offensichtlich schon wie zuhause. Und das erst im zweiten Rennen dieser Saison mit dem Mercedes-AMG GT3. Wie bei seinem ersten Auftritt bei NLS2 bot der viermalige Formel-1-Weltmeister erneut beste Unterhaltung. Wieder war es Christopher Haase im Scherer-Audi R8 LMS mit dem er an der Spitze in der ersten Stunde bis zum ersten Boxenstopp einen wilden Kampf hatte.
Ab Runde drei waren die persönlichen Spiele zwischen Verstappen und Haase wieder mal eröffnet. Verstappen saß dem Scherer-Audi unentwegt im Nacken, ehe er ihn in Runde vier kassierte. Haase versuchte zwar noch zurückzuschlagen, musste sich aber geschlagen geben. Vorerst beendet wurde das Hin und Her zwischen den beiden schließlich durch den ersten Boxenstopp von Verstappen in Runde 6 beendet, Haase blieb draußen.
Auch bei Verstappen lief es nicht ohne Probleme. Er musste bereits in Runde 10 zum zweiten Mal an die Box kommen, weil es einen Schaden am Frontsplitter gab, der repariert werden musste. Das dauerte 17 Minuten. Da es keinen Kontakt mit einem anderen Fahrzeug gab, führte man den Schaden auf Teile auf der Strecke zurück. Die Hoffnung auf einen Sieg war damit futsch – den heimste ausgerechnet der Scherer-Audi am Ende ein (Haase/Green/Sims). Am Ende blieben lediglich noch ein paar Testrunden für Verstappens Teamkollege Lucas Auer, der auf Platz 39 ins Ziel kam. Was aber erneut auffiel: Verstappen ist verdammt stark im Zweikampf im Verkehr. Dabei kennt der Formel-1-Pilot diese Bedingungen nicht aus der Formel 1.
Juncadella spricht von Verstappen-Trick
Die Kunst: Dem vorausfahrenden GT3-Auto immer so dicht folgen, dass ein Angriff möglich ist und man den Windschatten nutzt, andererseits dabei aber nicht zu viel Abtrieb zu verlieren. Denn je näher man an das vorausfahrende Auto kommt, desto mehr Abtrieb geht flöten. Zumal auf der Nordschleife im Vergleich eher mit viel Fahrhöhe gefahren wird, dadurch aber das Thema Abtrieb noch sensibler ist. Die zusätzliche Herausforderung: Das Slalomfahren um die langsameren Fahrzeuge.
Verstappens Teamkollege Dani Juncadella sprach nach NLS 2 von einem besonderen Trick, den Verstappen dabei habe und den er auch vorher nicht kannte. Verraten wollte der Spanier ihn aber nicht. Da fragte man sich im Fahrerlager: Alles nur ein Märchen? Offenbar nicht, wie man von jemandem hörte, der das Gespräch zwischen Verstappen und Juncadella mitbekommen hatte.
Fahrerlager rätselt über Verstappen-Geheimnis
Wenn also etwas dran ist, was könnte es sein? Das Thema beschäftigte einige. Falken-Pilot Morris Schuring sagte, man habe sogar in Sebring beim zeitgleich stattfindenden IMSA-Lauf unter den Fahrern darüber philosophiert. "Wir konnten aber von außen nichts erkennen", sagte er. So ging es einigen.
Christopher Haase war sozusagen direkter Zeuge, hatte aber auch keine spezielle Erklärung: "Ich war einfach beeindruckt, wie schnell er das draufhatte", sagte er. Generell meint er: "Das Timing ist signifikant. Wenn du es gut timest, dann fährst du die engere Linie, kannst den Abtrieb halten und den Kurvenausgang so vorbereiten, dass du früh genug wieder am Gas bist und mitziehen kannst." Wie komplex das "Dirty Air" im GT3-Sport ist, zeigt das Beispiel Mutkurve. Wer hier zu nah dran ist, riskiert, dass man abreißen lassen muss und wieder zwei bis drei Autolängen verliert.
Was könnte Verstappen anders machen?
Damit das eben nicht passiert, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Etwa den Fuß leicht auf dem Bremspedal zu haben, damit das Auto vorne eintaucht und damit die Nase unten bleibt. Denn der Frontsplitter ist in dieser Dynamik elementar. Relativ bekannt ist auch der so genannte "Side Draft": "Du scherst aus dem Windschatten seitlich aus und musst so wenig Abstand wie möglich haben, dann aber etwa bei der Hälfte so weit wie möglich wieder weg sein", erklärt Markus Winkelhock, der auf seinen Erfahrungsschatz aus Formel 1 und GT-Sport zurückblicken kann.
Eine weitere Theorie eines Ingenieurs: Immer ein bisschen seitlich versetzt innen in den Kurven fahren, so dass der Frontsplitter noch angeströmt wird. Sogar die Abgasströme, sprich welches Fahrzeug den Auspuff hinten oder seitlich platziert hat, spielt bei all diesen Überlegungen eine Rolle, weil die warmen Gase für die Frischluftansaugung des Motors des hinterherfahrenden Autos nicht förderlich sind.
Welchen Trick Verstappen auch immer hat: Er wird es wohl vor dem 24h-Rennen Nürburgring nicht ausplaudern. Aber es könnte interessant sein, seine Taktik in diesen Duellen noch einmal ganz genau zu beobachten.












