09/2019, Bollinger B1 Bollinger Motors
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SUV

Elektro-Geländewagen Bollinger B1 vor Produktionsstart eingestellt

Bollinger B1 Elektro-Geländewagen Start-up stampft E-Offroader ein

Bollinger wollte bereits 2021 den Elektro-SUV auf den Markt bringen. Doch daraus wird nichts: Der B1 wird auf unbestimmte Zeit verschoben.

Bollinger Motors macht schon seit einigen Jahren mit minimalistisch gestylten Elektro-Geländewagen auf sich aufmerksam. Der Hersteller aus Detroit hat bereits den SUV B1 und den Pickup B2 vorgestellt. Doch zu einem Serienstart wird es vorerst nicht kommen: Bollinger will sich in einem ersten Schritt auf das Geschäft mit Nutz- und Flottenfahrzeugen konzentrieren; der für Privatkunden gedachte B1 wird auf unbestimmte Zeit verschoben.

Geringfügige Designänderungen zum Serienstart

Diese Strategieänderung kommt durchaus überraschend, schließlich hat das Start-up bis zuletzt am endgültigen Design des E-SUV gearbeitet. Die B-Säule wanderte letzten Teaserbildern zufolge etwas nach vorne, um den Einstieg auf die hinteren Plätze zu erleichtern. Die Gürtellinie setzte kaum merklich höher an, die Dachlinie und Fenster legten ebenfalls etwas an Höhe zu. Die seitlichen Schiebefenster mussten konventionell mit Kurbeltrieb zu öffnenden Fenstern weichen. Zulegen in der Breite konnte der vordere Kofferraum, weil bislang vorne montierte Kühler aufgrund technischer Verbesserungen entfallen konnten. Damit wanderten auch die Scheinwerfer weiter nach außen.

Bollinger nannte den B1 während der Entwicklungs-Phase den "leistungsfähigsten Sport Utility Truck der Welt". Jeder Verbindungspunkt, jede Naht und jede Oberfläche des stark an den alten Land Rover Defender erinnernden Elektro-Geländewagen sollte auf einen ganz bestimmten Zweck hin entwickelt worden sein. Tatsächlich hätte der Elektriker, der nicht sein darf, über ein paar markante Eigenheiten verfügt. So sollten sich alle Fenster, Türen und Dachelemente einfach entfernen lassen können; Letztere hätten auf Wunsch aus Glas gefertigt werden sollen.

Herausnehmbare Scheiben, Türen und Dachelemente

Falls er doch noch irgendwann kommt, finden im 1,96 Meter breiten, 1,85 Meter hohen und mit einem Radstand von 3,02 Meter gesegneten B1 bis zu vier Passagiere Platz. Oder zwei Passagiere und bis zu 3.200 Liter Ladung, wenn die hinteren Sitze verschwunden sind und der vordere Kofferraum genutzt wird. Außerdem verfügt der Bollinger über die praktische Eigenschaft, sperrige Gegenstände von ganz vorne nach ganz hinten durchladen zu können, also über die gesamte Länge von 4,35 Meter. Praktisch, wenn kein Motor im Weg ist und die Sitze einzeln verbaut sind.

09/2019, Bollinger B1
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Sperrige Gegenstände sollten sich von ganz vorne nach ganz hinten durchladen lassen.

Als Antrieb für den Elektro-SUV waren zwei jeweils an den Achsen montierte Elektromotoren vorgesehen, die über ein Zweigang-Getriebe und klassische Antriebswellen alle vier Räder antreiben. Die Systemleistung der beiden Motoren gab der Hersteller mit 623 PS an, das Drehmoment sollte sich auf 906 Newtonmeter addieren. Damit sollte der kantige B1 Electric Truck in 4,5 Sekunden auf 60 mph (96,6 km/h) sprinten und im Bedarfsfall 161 km/h Topspeed erreichen.

120 kWh für bis zu 322 Kilometer

Bollinger hatte geplant, die Batterie des B1 im Fahrzeugboden unterzubringen. Ganz frühen Plänen zufolge sollte die Akku-Kapazität bei 120 Kilowattstunden liegen, was eine Reichweite von 322 Kilometern ermöglicht hätte. Per CCS-Schnellladen sollte der Energiespeicher nach 75 Minuten wieder vollständig gefüllt sein. Eine Rekuperations-Funktion war ebenfalls vorgesehen.

Bollinger Batterie-Patent
Bollinger
Der modular aufgebaute Akku hätte sich in 35-Kilowattstunden-Kapazitäts-Schritten vergrößern lassen sollen.

Im Verlauf der Entwicklung reichte Bollinger beim United States Patent and Trademark Office (USPTO) später eine Patentschrift ein, nach der die Batterie modular aufgebaut und von einer stabilen Struktur umgeben sein sollte. Für die einzelnen Module war jeweils eine Kapazität von 35 Kilowattstunden vorgesehen – Bollinger wollte zum Marktstart Akkus mit Kapazitäten in Höhe von 35, 70, 105, 140 und 175 Kilowattstunden anbieten. Sämtliche Größen sollten sich sowohl für einen Betrieb mit 300 als auch mit 700 Volt eignen. Sie waren von einem sogenannten i-Träger umgeben, der den Energiespeicher bei Seitencrashs schützt. Außerdem sollten in seinem Inneren Kühlwasserkanäle verlaufen, um den Akku immer im optimalen Temperaturfenster zu halten.

Akkus auch für andere Hersteller

Die Software der Batteriesteuerung (BMS – Battery Management System) war ebenfalls Teil des Patents. Das BMS überwacht an mehreren Stellen des Batteriepacks permanent die Spannung, die Stromstärke und die Temperatur und führt bei Bedarf entsprechende Regelungen durch. Außerdem soll das BMS in der Lage sein, Fehlfunktionen zu erkennen und so die Systemsicherheit zu gewährleisten. Laut Bollinger ist das BMS von Anfang an für eine beliebige Zahl von Batteriemodulen ausgelegt und somit auch für künftige, noch größere Akkus geeignet.

Bollinger Batterie-Patent
Bollinger
Bollinger wollte den Akku mittig unter dem Fahrzeugboden positionieren.

Die Bollinger-Akkus sollen sich laut Hersteller wegen ihrer prognostizierten hohen Energiedichte und ihrer in Aussicht gestellten hohen Dauerleistung für schwere und mittelschwere Nutzfahrzeuge, Baumaschinen und landwirtschaftliche Geräte eignen. Ab 2021 soll die Produktion der Akkus beginnen, die Bollinger dann auch für fremde Anwender zur Verfügung stellt. Ob dieser Plan weiter Bestand hat, nachdem der B1 und B2 auf Eis gelegt wurden, ist jedoch nicht bekannt.

Große Geländewagen-Kompetenz

Das Chassis und die Karosserie des B1 wollte Bollinger vollständig aus Aluminium fertigen. Fahrfertig mit Batterien bestückt hätte der B1 knapp 2,2 Tonnen auf die Waage gebracht. Die maximale Zuladung sollte fast 2,4, die höchstmögliche Anhängelast 3,4 Tonnen betragen. Auf die Geländetauglichkeit hätte ein ebener, verstärkter Unterboden eingezahlt, die Bodenfreiheit wurde mit 38 Zentimetern angegeben. Die Rampenwinkel hätten vorne 52 und hinten 43 Grad betragen sollen, den Böschungswinkel bezifferte Bollinger auf 30 Grad. Bereift war der B1 den Plänen zufolge mit Geländegummis im Format 285/70-17, die Federwege sollten über 25 Zentimeter betragen.

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So hätte der Bollinger B1 im Serienzustand aussehen sollen.

Von Beginn an erschien es höchst fraglich, ob es im Bollinger B1 so richtig gemütlich hätte werden können. Zwar vermittelten die analogen Instrumente ein heimeliges Ambiente, aber ansonsten ging es im Innenraum doch ziemlich karg zu. Außerdem verzichteten die Amerikaner komplett auf Dämmstoffe oder Verkleidungen. Auch die Abteilung Sicherheit und Assistenzssysteme war beim Prototypen weitgehend unbesetzt; war nicht einmal ein Fahrerairbag eingeplant. Dafür wäre eine Klimaanlage serienmäßig an Bord gewesen, genau wie Bluetooth-Konnektivität und sechs 110-Volt-Anschlüsse für externe Geräte. Beheizte Sitze waren auf Wunsch in beiden Reihen vorgesehen.

Den Grundpreis bezifferte die im US-Bundesstaat Michigan ansässige Firma einst auf 125.000 US-Dollar. Bereits geleistete Anzahlungen von jenen Kunden, die sich frühzeitig einen Bollinger B1 sichern wollten, will die Firma nun zurückzahlen. Übrigens: Die Pläne, dem Viertürer eine zweitürige Kurzversion zur Seite zu stellen, kassierte das Start-up bereits viel früher wieder ein.

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Fazit

Wer den alten Land Rover Defender vermisst – und von diesen Zeitgenossen soll es ja einige geben -, hätte im Bollinger B1 eine attraktive Alternative finden können. Optisch hätte der US-Offroader dem britischen Vorbild zumindest schon mal ziemlich nahe kommen können – genau wie beim Thema Komfortmangel und generell mit seinem urigen Charakter. Doch diese Zeitgenossen müssen sich nun nach einem anderen Plan B umsehen: Das Projekt liegt auf unbestimmte Zeit auf Eis.

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