Der Brenner? Wäre problemlos erreichbar. Oder – etwas weiter östlich – Linz. Auch eine Reise wert. Die Restreichweiten-Anzeige im MG4 EV Urban jedenfalls sagt, dass noch gut 280 Kilometer drin wären. Dabei rollt der 4,40 Meter lange Klein-, pardon, Kompaktwagen gerade bereits kurz vor Wasserburg durch das südliche Oberbayern. Beim Start in München sollten rund 360 Kilometer möglich gewesen sein, doch dazwischen lag ein Stück Autobahn, auf dem sich die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h länger ausprobieren ließ, und wie es um die Traktion bestellt ist, willst du bei einem 160 PS starken Fronttriebler ja ebenfalls wissen. Also gehst du die erstbesten Kurven etwas dynamischer an, stellst fest, dass zwischen den Fahrmodi Normal und Sport kein nennenswerter Unterschied besteht, der permanenterregte Synchronmotor sein maximales Drehmoment von 250 Nm eher lässig als wuchtig abgibt. Wie überhaupt der ganze MG ein erfreulicher entspannter Wagen zu sein scheint.
Alles dufte im Innenraum – mit einem Makel
Woran sich das noch festmacht? Es mag banal klingen, zählt aber tatsächlich nicht zu den Selbstverständlichkeiten: Du findest rasch eine angenehme Sitzposition, da der Verstellbereich von Sitz und Lenkrad groß genug ausfällt. In der gefahrenen Topversion Premium lässt sich der Fahrersitz sogar elektrisch verstellen, die Polsterung fällt bequem straff aus, sogar ein wenig Seitenhalt findet sich. Einzig die Lehne mit den integrierten Kopfstützen könnte kleineren Fahrern nicht unbedingt passen. Mit einer Körpergröße von 1,92 Meter dagegen: Alles dufte.
Auch der Blick auf die Displays, ein 7-Zoll-Instrumenten-Display, dazu ein 12,8-Zoll-Infotainment-Monitor, fällt leicht, beide lassen sich gut ablesen, von gelegentlichen Rechtschreibfehlern oder etwas kruden Übersetzungen ("Berechnete Mengen" für übliche Bordcomputer-Angaben ab Reset zum Beispiel) einmal abgesehen. Die Assistenzsysteme lassen sich in einem personalisierten Modus individuell konfigurieren, der Druck auf den Shortcut beim Fahrzeugstart genügt, alles unerwünschte Gebimmel endet. Überdies gibt’s am Lenkrad zwei frei belegbare Tasten, hier mit den Fahr- und Rekuperationsmodi, die auch zum Durchklicken genutzt werden können – sehr schön! Umso störender fällt auf, dass das Abblendlicht über ein Untermenü im großen Monitor aktiviert werden muss, wenn der serienmäßige Lichtsensor nicht so reagiert, wie du es gerne hättest. Findet sich da nicht noch ein Plätzchen im linken Lenkstockhebel?
Viel Platz im MG4 EV Urban
Also sitzt du akkurat hinter dem griffigen Lenkrad verräumt, mit guter Aussicht im MG4 EV Urban. Mitreisende im Fond hätten aufgrund der Länge (der VW ID. Polo misst 40 Zentimeter weniger) ebenfalls reichlich Platz, in den Kofferraum passen 470 Liter inklusive geräumigem Unterbodenfach. Warum so groß? Weil der Urban mittelfristig den größeren Vierer mit Keilform-Design und Heckantrieb (siehe Video) beerben soll, zumindest in den Einstiegsvarianten, doch wirklich logisch erscheint das nicht.
Macht nichts, denn der Urban fährt recht erfreulich, vermittelt über die okay rückmeldende, recht handfeste Lenkung ein gutes Sicherheitsgefühl, bietet überdies einen ordentlichen Federungskomfort. Agilität? Och, ja, durchaus ein wenig, sogar die Traktionskontrolle regelt sauber, wenn du es mal übertreibst. Vier Scheibenbremsen (muss man bei kleineren E-Fahrzeugen durchaus lobend erwähnen) und ein unspektakuläres Bremspedal-Feedback vermitteln zusätzlich ein gutes Gefühl. Im Komfort-Menü findet sich sogar die Möglichkeit einer Komfort-Bremse für ruckfreies Anhalten, doch auch hier ist der Unterschied zur Standard-Abstimmung gering.
Dank Rabatt derzeit besonders günstig
Was fällt noch auf? Einige große Ablagen, vor allem in der Mittelkonsole, eine ordentliche Verarbeitungs- bei teils überschaubarer Materialqualität. Letztere schlägt sich wenigstens im Preis nieder, ebenso die günstige Lithium-Eisenphosphat-Zellchemie der beiden Akkus (43 und 54 kWh) sowie deren überschaubare Schnelladefähigkeit mit 82 und 87 kW. Ab 24.990 Euro geht’s los, derzeit gewährt MG einen eigenen E-Bonus von 6.000 Euro. Die gefahrene Topversion kommt auf 31.490 Euro – immer inklusive sieben Jahren (oder 150.000 Kilometer) Garantie.
Überhaupt fallen die Unterschiede zwischen den beiden Antriebsvarianten hinsichtlich der Leistung marginal aus, MG gibt jeweils rund 9,5 Sekunden für den Standardsprint an. Einzig die WLTP-Reichweite differiert erheblich: 325 zu 416 Kilometer. Linz oder der Brenner wären in beiden Fällen erreichbar.












