RENAULT MEGANE E-TECH ELECTRIC (BCB) Renault
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Renault Megane E-Tech Electric: Alt-bekannt ist hier nur der Name

Renault Megane E-Tech Electric Vive la Renaulution

Mit dem ZOE war Renault einst Vorreiter in Sachen Elektromobilität. Nun, fast ein Jahrzehnt später stromert der Mégane E-Tech Electric zu uns. Na, dann schauen wir mal, was der E-Renault mit 160 kW-Motor und 60 kWh-Akku kann.

So sieht es also aus, das erste E-Auto der Renaulution – also dem kürzlich von Renault-Boss Luca de Meo angekündigten radikalen Kurswechsel hin zur Elektromobilität. Nun, liegt im Wesen jeder Revolution, ein plötzlicher Umbruch. Und tatsächlich krempelt Renault den Mégane vom kompakten Hatchback in ein noch kompakteres Elektro-Crossover um. Wobei der Alte für Verbrenner-Freunde bis auf Weiteres im Programm bleibt und die Franzosen dem Neuen deshalb den sperrigen Zusatz E-Tech Electric anheften. Klingt trotzdem spannend? Na, dann treten Sie näher!

Der Elektro-Mégane begrüßt Sie mit einer Lichtsequenz in den geschwungenen LED-Scheinwerfern. Parallel dazu projiziert er die neue Renault-Raute auf den Boden vor den Türen und fährt die versenkten Türgriffe aus. Uh la la, bitte einsteigen! Aber ziehen Sie im Fond den Kopf ein, denn die gechoppt wirkenden Dachholme ragen weit herunter. Das stört Großgewachsene auch im Sitzen, ich weiß. Denn obwohl das Fondplatzangebot für einen 4,20-Meter-Kompakten in Ordnung geht, ist der Ausblick durch die schmalen Seitenscheiben, nun ja, beschränkt. Gleiches gilt für den Blick durch die winzige Heckscheibe, weshalb Renault einen digitalen Rückspiegel im Testwagen montiert. Eine teure Lösung, da dieser nur in Verbindung mit 1.500 Euro teuren Assistenzpaket erhältlich ist. Immerhin sehen Sie damit auch dann noch den rückwärtigen Verkehr, wenn Sie ganz hinten Gepäck bis unter den schwarzen Dachhimmel stapeln.

Mehr Platz im kurzen Heck

Ach so, Sie reisen sowie nur mit Bord-Trolley? Der kommt locker im 440 Liter großen Kofferraum unter. Ihre Taschen hängen Sie an einem der praktischen Haken auf und im Kofferraumboden verstecken die Franzosen die Ladekabel. Moment, ich helfe Ihnen, dann müssen Sie das alles nicht selbst über die hohe Kante wuchten. Beim Umklappen der 60:40 teilbaren Lehne stört zudem eine sehr hohe zweite Stufe beim Durchladen in das bis zu 1.332 Liter große Abteil. Frontstauraum wie bei anderen E-Autos fehlt hier übrigens, da der E-Motor samt Antriebsachse vorn sitzt.

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Gemeinsamkeiten mit dem normalen Mégane? Keine. Der E-Tech basiert auf CMF-EV-Plattform und baut 16 Zentimeter kürzer.

Neue Plattform mit flachem Akku

Alles sicher verstaut? Dann klettern Sie zur doch auf den Beifahrersitz. Der ist beim Top-Model in alle Himmelsrichtungen verstellbar, heizt und massiert. Allerdings bietet er wenig Seiten halt und auch die Beinauflage ist sehr kurz. Überraschend niedrig sitzt man hier drinnen, nicht wahr? Das liegt zum einen an überschaubaren 13 Zentimetern Bodenfreiheit, zum anderen an den nur elf Zentimeter flachen zwölf Batteriemodulen mit 60 kWh Kapazität unter uns. Alternativ bietet Renault einen 40-kWh-Akku, der mit 290 kg rund hundert Kilogramm Gewicht sparen soll. Trotzdem bringt es der Testwagen auf rund 1,7 Tonnen. Sie merken schon: mit dem alten Mégane hat der neue nur noch den Namen gemeinsam. Klar, schließlich basiert das E-Auto auf der modularen CMF-EV-Plattform, und die nutzen künftig auch andere Fahrzeuge der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz.

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Bremsen? Am besten via Rekuperation: die Stärke variiert mit Wippen am Lenkrad von stark bremsend bis frei rollend.

Wie schnell der große Akku lädt? Nun, mit dem hier serienmäßigen 22-kW-Bordlader dauert es an der Wallbox laut Renault rund drei Stunden. Voll geladen reicht die Energie für bis zu 470 km Reichweite nach WLTP. Wenn Sie die wirklich erreichen wollen, empfehle ich Ihnen in unseren Breitengeraden aber die 1.100 Euro teure Wärmepumpe oder Schnellladen: via CCS-Stecker mit maximal 130 kW in 40 Minuten auf 80 Prozent.

Google im L-förmigen-Cockpit

Aber wie gefällt Ihnen eigentlich das Cockpit – ganz schön digital, oder? So blendet das 12,3 Zoll großes Display dem Fahrer wahlweise Instrumente oder gleich die Navikarte ein. Daneben dominiert der Renault-typisch hochformatige 12-Zoll-Touchscreen, der nicht nur mit 4K auflöst, sondern wirklich so schnell reagiert, wie Sie es von ihrem Tablet gewohnt sind. Dazu ist das Menü übersichtlich, und dank großer Touchfelder auch während der Fahrt sicher bedienbar. Unübersehbar basiert das Infotainment-System auf Android-Automotiv-OS: Navigiert wird mit Maps – klar. Dann fragen beim Sprachassistenten doch mal mit "Hey Google" nach, wie das Wetter wird, oder laden Sie sich doch gleich ein paar Apps aus dem Play Store herunter. Nicht ihre Welt? Keine Sorge, Sie können auch ihr Apple-Phone kabellos koppeln.

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Der Renault hört mit „Hey Google“ aufs Wort. Umständlich ist nur die Bedienung der Hebel hinter dem Lenkrad.

An das feine Ambiente mit Echtholz-Furnier und Ledersitzen gewöhnt man sich dagegen schnell. Ach so, Sie sind Veganer? Okay, es gibt auch ökotrendige, weil recycelte Stoffe für den Innenraum. Gut finden Sie auch die Klimabedienung, denn dafür gibt‘s noch echte Taster. Ist Ihnen eigentlich schon aufgefallen, dass sich die LEDs hier drinnen abhängig von der Tageszeit halbstündlich die Farbe wechseln?

Kein Kurvenkünstler

Okay, jetzt wird’s mir auch zu bunt. Bitte anschnallen. Fuß auf das Bremspedal, Startknopf drücken und den Wählhebel rechts hinterm Lenkrad auf D. Welchen Hebel? Na, den ganz oben, die zwei darunter sind für die Scheibenwischer und Musikanlagenregelung. Jeder für sich lässt sich eigentlich gut bedienen – alle zusammen stehen sich jedoch im Weg. Zumal hinter den Lenkradstegen noch Paddle zum Variieren der Rekuperationsstärke sitzen. Wobei sich die Spanne über vier Stufen erstreckt: vom widerstandslosen Segel bis zum stark bremsenden One-Pedal-Feeling.

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Das Google-Navi berücksichtigt Ladestopps bei der Planung.

Jetzt legt der Mégane los, und zwar zügig. Klar, schließlich leistet der fremderregte Synchron-Motor an der Vorderachse 160 kW und drückt aus dem Stand mit 300 Nm Drehmoment. Jedoch sind die serienmäßigen 20-Zöller mit schmaler 215er-Eco-Bereifung damit beim zügigen Rausbeschleunigen aus Kurven überfordert. Überhaupt, das mit den Ungeraden ist ein Thema für sich. Denn die Lenkung stimmt Renault im Verhältnis 1:12 so hyperdirekt ab, wie man es sonst nur von den wildesten Hot Hatches kennt. Allerdings bekommt der Fahrer hier keinerlei Rückmeldung von den Vorderrädern. Die haben zudem große Mühe, die zackigen Lenkbefehle umzusetzen. Die Folge: Fronttriebler untersteuert frühzeitig und versucht den E-Tech mit starken ESP-Eingriffen wieder auf Kurs zu bringen.

Flott geradeaus

Gut, dass es jetzt erstmal gerade aus geht. Abhängig vom Fahrmodus (Eco, Comfort, Sport, und Perso), den Sie mit dem Knopf am Lenkrad wählen, steigert sich die Fahrpedal-Reaktion vom Lustlosen ins Übermütige. Im Idealfall soll der Stromer so für den Null-auf-hundert-Sprint nur 7,4 Sekunden benötigen. Der Topspeed ist bei 160 km/h limitiert. Allerdings pfeift der Wind schon bei Tempo 120 ordentlich um die rundlich designte Karosserie mit moderaten 0,29 cw-Wert. Doch das fällt eigentlich nur auf, weil Renault fast alle anderen Störgeräusche wirkungsvoll eliminiert. Nur, wenn man durch tiefe Schlaglöcher rollt, rumpelt es etwas im Fahrwerk. Dabei geben sich MacPherson-Federbeine vorn und Mehrlenker-Hinterachse größte Mühe, die Stöße abzufedern – das gelingt jedoch nur auf langen Wellen überzeugend.

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Ladekabel verschwinden im Boden des großzügigen aber kaum variablen Kofferraums.

Dafür umsorgt der Mégane den Fahrer vor allem mit aktivierter Fahrassistenz. So hält er automatisch Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmern und zentriert sich in der Spurmitte. Zudem verzögert er selbstständig vor Kreisverkehren – natürlich nur bei aktiviertem Tempomaten. Dafür kalkuliert die Navigation Routen unter Einbeziehung von Ladestopps und konditioniert die Batterie für optimale Ladegeschwindigkeiten vor.

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AC/DC: Durch den Ladeanschluss auf der Beifahrerseite fließen 22 kW Wechsel - oder bis zu 130 kW Gleichstrom.

Schnell sein, sollten Sie, wenn Sie einen Mégane haben wollen, denn Sie können das E-Auto bereits online ordern – ausgeliefert wird ab Juni. Der Basispreis für den Mégane E-Tech Electric beträgt 35.200 Euro, wovon Sie 9.570 Euro Förderung abziehen können. Die hier gefahrene Techno-Version kostet jedoch mindestens 44.700 Euro. Dafür spendiert Ihnen Renault mit dem Switch-Programm 30 Tage im Jahr kostenlos einen Mégane, also den alten mit Verbrenner – Sie merken schon: Revolutionen brauchen eben ihre Zeit.

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Der ist nicht so meins - ich will noch mehr Dynamik.

Fazit

Der Elektro-Mégane präsentiert sich hochwertig und begeistert mit smarter Google-Bedienung. Ein Dynamiker oder Raumwunder ist er jedoch nicht. Dafür sind inklusive Förderung nur 25.630 Euro für das Basismodell mit kleinem 40-kWh-Akku und schwächerem 96-kW-Motor fällig. Die vorläufige Top-Version Iconic mit 60-kWh-Batterie und 160 kW Leistung steht allerdings mit voll förderfähigen 47.500 Euro in der Preisliste. Das passt, wenn der Mégane E-Tech Electric die versprochene Reichweite von 470 km auch im Alltag schafft.

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Vor allem im Cockpit sind die Maßnahmen zu erkennen.

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