Nachdem die Diskussionen um die Nachbesserungen beim aktuellen Formel-1-Motor gerade erst mit einem Kompromiss beendet wurden, beginnt schon der Streit um die nächste Antriebsgeneration. Noch ist nicht einmal klar, wann der Wechsel auf ein neues Triebwerk kommen soll. Turnusmäßig wäre der Umbau eigentlich erst 2031 vorgesehen. Doch FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem würde die Reform gerne auf 2030 vorziehen.
Diesem Vorhaben stehen die sechs Motorenhersteller der Formel 1 offen gegenüber. Die ungeliebten V6-Hybrid-Aggregate, die aktuell für so viel Diskussionen sorgen, würden alle gerne schon ein Jahr früher als ursprünglich geplant in Rente schicken. Das Problem: Wenn bis 2030 ganz neue Triebwerke kommen sollen, muss jetzt langsam eine Entscheidung zu den neuen Power-Units her.
Im vergangenen Jahr wurde kurz über eine Rückkehr zu einem V10-Aggregat diskutiert. Der Vorschlag fand aber keine Mehrheit. Mittlerweile haben alle Beteiligten ihre Zustimmung zu einem Achtzylinder-Motor signalisiert. "Die Entscheidung ist gefallen. Es wird ein V8-Motor werden", erklärte Ben Sulayem nun am Rande des 24h-Rennens in Le Mans (13.6.) in einer kleinen Medienrunde.

Welcher Motor folgt auf die V6-Ära? Der Wechsel auf einen V8 ist entschieden. Um Details wird noch gestritten.
F1-Autos sollen deutlich abspecken
Der Teufel liegt aber auch hier im Detail. Und genau über die wird aktuell noch gestritten. "Der Motor wird einen Hybrid-Anteil enthalten. Der Antrieb muss einfach gestaltet sein, aber auch Raum für Innovation bieten. Was ich nicht will, sind komplizierte Motoren", betonte das Oberhaupt des Automobil-Weltverbands.
Auch das Gewicht der Rennwagen steht ganz oben auf der Prioritätenliste. Aktuell müssen die F1-Autos 768 Kilogramm auf die Waage bringen, womit einige Teams bereits zu kämpfen haben. Künftig soll dieser Wert noch einmal deutlich sinken. "630 Kilos lautet mein Ziel", warf Ben Sulayem als Marke in den Raum. "Wenn ich meinen Leuten 650 Kilo als Ziel nenne, dann machen sie 680 draus. Also muss ich immer etwas runtergehen."
Als Gesetzgeber liegt es an der FIA, das Konzept für die nächste Auto-Generation inklusive des Motors auszuarbeiten. Weil die Vorlaufzeiten beim Antrieb deutlich länger sind als beim restlichen Auto, muss dieses Thema nun als erstes geklärt werden. "Mein Ziel sind Autos mit einem Gewicht von 630 Kilogramm, das Ganze kombiniert mit einem Motor, der 760 PS liefert. Plus 10 Prozent Hybrid-Power – also einem kleinen Hybrid – dann wäre man bei 880 PS", skizziert Ben Sulayem seinen Plan.

Audi-Chef Gernot Döllner will einen Effizienz-Motor mit Hybrid und Turbo-Aufladung - so wie beim neuen Supercar Nuvolari.
Streit über Turbo-Aufladung
Bis hierhin gibt es viel Konsens mit den Herstellern. Streit droht allerdings beim Thema Turbo: "Viele Leute sagen, wir brauchen einen Turbo. Aber dann haben wir wieder Übergewicht. Unsere Mission lautet: Einfachheit, niedrige Kosten und guter Sound für die Zuschauer. Wenn man einen Turbo einbaut, braucht man ein Wastegate, Intercooler, Schläuche… das ist alles Gewicht. Und es kostet Geld", gibt Ben Sulayem zu bedenken.
Der FIA-Präsident geht mit dieser Forderung direkt auf Konfrontationskurs zu Audi. Unternehmenschef Gernot Döllner hatte erst eine Woche zuvor beim F1-Klassiker in Monaco bekräftigt, dass der Turbo sehr wichtig für den Autobauer aus Ingolstadt sei: "Wir bevorzugen den Turbo wegen des Effizienz-Faktors. Es ist der wichtigste Aspekt für Audi, dass wir die Nachhaltigkeitsidee beibehalten und dass die Energie-Effizienz als wichtigste Säule des F1-Reglements erhalten bleibt."
Wie man hört, hätte Audi wohl am liebsten einen Bi-Turbo, bei dem die beiden Turbolader innerhalb der Zylinderbänke liegen, so wie es auch beim neuen Supercar Nuvolari der Fall ist, den der Hersteller am Rande des Monaco-GP vorgestellt hatte. Doch FIA-Präsident Ben Sulayem hat klargemacht, dass er einen Saugmotor bevorzugt. Die anderen Motorenhersteller sind in dieser Frage eher kompromissbereit.

Wenn der neue Formel-1-Motor schon 2030 kommen soll, ist FIA-Präsident Mohammed ben Sulayem auf die Zustimmung der Motorenhersteller angewiesen.
FIA-Alleingang oder Kompromiss?
Die Frage lautet, wer sich am Ende durchsetzt. "Natürlich ist es gut, wenn man sich austauscht", gibt sich Ben Sulayem versöhnlich. "Die FIA hört auf die Wünsche der Power-Unit-Hersteller. Wir haben aktuell sechs davon. Aber wenn es nach uns geht, bevorzugen wir wenig Gewicht, eine einfache Bauweise, weniger Zeitaufwand beim Wechsel. Der Preis sollte von 1,5 Millionen auf 700.000 Euro gesenkt werden."
Soll der neue Motor wirklich schon 2030 kommen, müssen alle Motorenhersteller den Plänen zustimmen. Wenn die FIA bis 2031 wartet, könnte sie ein Konzept im Alleingang durchdrücken – müsste dann aber mit dem Verlust von Herstellern rechnen. Nach dem faulen Kompromiss bei der aktuellen Antriebsgeneration hatten die Verantwortlichen bereits angekündigt, nicht mehr so viel Rücksicht auf die Wünsche der Hersteller zu nehmen. Man darf also gespannt sein, wie das Kräftemessen am Ende ausgeht.












