Die Fans haben sich noch gar nicht richtig mit dem aktuellen Motoren-Reglement angefreundet, da wird hinter den Kulissen schon über die Triebwerke der Zukunft diskutiert. Turnusmäßig steht der nächste Wechsel in der Saison 2031 an. Aktuell scheint es aber eher, als wolle die Mehrheit den Umbruch um ein Jahr nach vorne ziehen.
FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem hat bereits angekündigt, dass am V8-Comeback nicht mehr gerüttelt wird. Ob der Achtzylinder einen Turbo bekommt oder nicht und wie genau die Hybrid-Unterstützung aussehen wird, darüber muss noch verhandelt werden. Vor allem Audi besteht darauf, dass in der Formel 1 wie in der Serie die Effizienz der Motoren eine entscheidende Rolle spielen soll.
Als eines der wichtigsten Ziele des künftigen Reglements hat die FIA eine deutliche Gewichtsreduzierung der Autos ausgegeben. Nach dem Wunsch von Bin Sulayem sollen die Rennwagen bis zu 100 Kilogramm leichter werden als die aktuelle Generation. Genau hier entsteht jedoch ein möglicher Zielkonflikt.

Bis zur Saison 2013 fuhr die Formel 1 mit V8-Saugmotoren. Bis 2009 war Nachtanken noch erlaubt.
Leichtere Autos – aber wie?
Frei saugende Motoren sind zwar leichter als Turbo-Triebwerke, sie verbrauchen aber auch deutlich mehr Kraftstoff. Die Autos müssten deshalb mit größeren Tanks und entsprechend mehr Benzin an den Start gehen. Kritiker halten es für wenig sinnvoll, das Fahrzeuggewicht aufwendig zu reduzieren, wenn ein Großteil der Einsparung anschließend durch zusätzliches Kraftstoffgewicht wieder verloren geht.
Ein Blick in die Vergangenheit verdeutlicht die Unterschiede: Bis zur Saison 2009 war das Nachtanken noch erlaubt. Damals fassten die Tanks rund 90 bis 100 Liter Kraftstoff – was etwa 70 Kilogramm entspricht.
Nach dem Verbot der Tankstopps zur Saison 2010 mussten die Tanks auf rund 200 Liter vergrößert werden, was einem Kraftstoffgewicht von etwa 150 Kilogramm entsprach. Mit Einführung der Turbo-Hybridmotoren 2014 wurde die maximale Kraftstoffmenge zunächst auf 100 Kilogramm begrenzt. Im aktuellen Reglement liegt sie bei rund 105 Kilogramm.

Bei den Tankstopps ging nicht immer alles glatt. Manchmal blieb der Rüssel im Auto stecken, wie hier bei Felipe Massa.
FIA lässt Tankstopp-Comeback analysieren
Wie die Kollegen von "The Race" berichten, hat Bin Sulayem am Rande des Silverstone-Wochenendes angekündigt, das Thema Nachtanken wieder auf die Agenda zu setzen. Demnach hat die FIA bereits eine Studie zu dem Thema in Auftrag gegeben. Sie soll klären, welche Vor- und Nachteile eine Rückkehr des Nachtankens hätte.
"Wir untersuchen derzeit, mit wie viel Kraftstoff ein Auto ins Rennen startet und wie viel während des Rennens nachgetankt werden könnte", erklärte Bin Sulayem. "Wenn ein Fahrzeug die komplette Distanz ohne Stopp absolvieren soll, benötigt es einen größeren Tank. Alternativ muss es zum Nachtanken an die Box kommen. Genau diese Optionen analysieren wir derzeit."
Neben den technischen Auswirkungen untersucht die FIA auch den Einfluss auf den Sport und die Kosten. Schätzungen zufolge würde die Wiedereinführung des Nachtankens jedes Team jährlich rund vier Millionen US-Dollar zusätzlich kosten, unter anderem für Tankanlagen und den Transport der entsprechenden Ausrüstung.
Auch Sicherheitsaspekte spielen bei den Überlegungen eine Rolle. Bin Sulayem sieht darin jedoch kein grundsätzliches Hindernis. "Wenn man es richtig macht, ist das kein Problem. Wir prüfen alle Aspekte, aber bislang ist noch keine Entscheidung gefallen", sagte der FIA-Präsident.












