Trotz über 30 Grad Celsius war die kalte Schulter deutlich zu spüren. Angesprochen auf ein Zitat von Aston-Martin-Einsatzleiter Mike Krack ("Fernando Alonso ist zu schnell, um in Rente zu gehen"), verzog der Spanier keine Miene. Er brauche niemanden, der ihm das sagt, denn er spüre es jede Runde selbst. Deswegen: "Ich werde weiter Rennen fahren." Wo und für wen er das tut, ließ er versteckt von einer großen Sonnenbrille offen.
"Die Entscheidung wird wahrscheinlich bis zur Sommerpause brauchen, also August. Danach stehen Zandvoort und Monza an. Ungefähr zu der Zeit ist meine Wahl sehr wahrscheinlich." Der zweimalige Weltmeister hätte keine großen Schmerzen damit, sich endgültig von der Königsklasse zu verabschieden, wo er schon alles bewiesen habe. "Ich muss aber die Kategorie, das Fahrgefühl und den Antrieb genießen können. Der Rennsport hat hier viel zu bieten, ich liebe jedoch speziell die Formel 1."
Nach dem Kaltstart gab es dann doch noch ein paar warme Worte für das Duo Aston und Honda. "Ihm fühle ich mich verpflichtet. Seit 2023 haben wir das Projekt vorangebracht und umgebaut. Mein Ziel bleibt es, mit Aston Weltmeister zu werden. Die Frage ist nur, ob es noch am Lenkrad klappt." Die harsche mediale Kritik watschte er ab: "Wir sind ein leichtes Ziel, weil wir hinten liegen. Und dann gibt es auf Social Media eben Witze. Manchmal sind sie an der Grenze zum Missbrauch. Wir sind nicht glücklich mit unserer Position, aber wir sind harte Arbeiter. Honda sind harte Arbeiter."

Der WM-Punkt in Monaco war zwar auch Teil einer offensiven Taktik. Aber am Ende spielte Glück die ausschlaggebende Rolle.
Le-Mans-Comeback mit V12?
Sollte der Königsklassen-Weg enden, könnte ein anderer ihn zurück nach Le Mans führen. Als zweimaliger Sieger, beide für Toyota, testete er vor einem Monat den Aston Martin Valkyrie in Le Castellet. "Das war ein spaßiges Auto und überraschend schnell mit viel Abtrieb. Es nutzt Michelin-Reifen, was natürlich ein Plus ist, und man kann ohne Einschränkungen Vollgas fahren: keine Überhitzung, keine Degradation, kein Druck."
Die wichtigste Priorität für Fernando Alonso bleibt es, weiterhin der "kompletteste Rennfahrer der Welt zu sein". Schon sein ganzes Leben sei es ihm leicht gefallen, sich auf neue Formate einzustellen. "Ein Teil meines Vermächtnisses im Motorsport ist, Dinge zu tun, die andere nicht können."
Selbst die Formel E, die Ende des Jahres ein Allrad-Auto mit 600 Kilowatt (circa 816 PS) an den Start bringt, reizt den Spanier. "Aber die Formel 1 ist sehr einzigartig. Sie ist immer noch die Spitze des Motorsports und immer noch reizvoll – wenn wir die aktuelle Situation überwinden können."

Kommt der Doppel-Le-Mans-Sieger Fernando Alonso an die Sarthe zurück? Das Hypercar Valkyrie wäre eine spaßige Option.
Keine Lust auf Gerüchte
Zu den Gerüchten über angebliche Verhandlungen mit Alpine gab sich Alonso schmallippig. Sie wären Teil der Szene und würden zu einer Kampagne gegen das Projekt gehören. "Wir wurden von der Außenwelt sehr schlecht behandelt. Das ist normal: Wir liefern im Moment nicht ab, wir sind in einer schlechten Phase. Und wenn die Sommerpause kommt, gibt es immer Gerüchte – bei den Topteams genauso wie bei uns, weil wir unterperformen."
"Aber wie gesagt: Mein Engagement für Aston Martin geht über meine Zeit am Steuer hinaus. Ich glaube an dieses Projekt, wir haben die richtigen Leute, die Besten der Besten!" Während er Kracks Lob ignorierte, wird Alonso den Luxemburger Manager aber an der Aussage messen, dass Aston Martin so schnell wie möglich um Zähler kämpfen muss.












