In den letzten Jahren lautete das Duell an der WM-Spitze meistens McLaren gegen Red Bull. Dieses Jahr sind es Mercedes und Ferrari, die sich um die WM-Trophäen kabbeln. Dabei geht es auf und neben der Strecke deutlich hitziger zur Sache. Nach großer Silber-Dominanz zum Saisonstart holte die Scuderia zuletzt immer weiter auf. In den letzten drei Rennen wurde zwei Mal die italienische Hymne auf dem Podium gespielt.
Der Trend spricht klar für Ferrari. Und er hat einen Grund. In Miami zündeten die Ingenieure aus Maranello die erste Ausbaustufe. Der zweite Großumbau folgte nur drei Rennen später in Barcelona, was zum ersten Saisonsieg von Lewis Hamilton führte. In Österreich legte die Scuderia noch weitere Teile nach, was Toto Wolff zu der bissigen Aussage verleitete: "Es sieht fast so aus, als hätten sie unbegrenzte Ressourcen. Die Regeln sind für alle gleich, zumindest hoffe ich das."
In Silverstone reagierte Frédéric Vasseur auf die Andeutungen von Wolff, dass Ferrari über seine Verhältnisse entwickelt: "Wenn Red Bull oder Mercedes etwas entwickeln, dann sind sie Genies. Wenn wir etwas entwickeln, dann betrügen wir. Da muss man mal die Kirche im Dorf lassen. Wir haben nicht mehr Teile gebracht als Red Bull oder die anderen. Ich weiß nicht, ob er das als Witz gemeint hat."

Zwischen Frédéric Vasseur und Toto Wolff herrscht Eiszeit.
Motor-Upgrade zeigt Wirkung
Natürlich wurde Wolff direkt wieder mit den Aussagen von Vasseur konfrontiert. Der Österreicher konterte: "Fred sollte nicht nur die Schlagzeilen lesen. Dann wird er verstehen, was ich wirklich gesagt habe. Ich habe ausdrücklich gesagt, dass Ferrari wahrscheinlich später im Jahr mit den Updates etwas zurückstecken muss, weil jetzt schon so viel gekommen ist. Von Betrügen war keine Rede."
Auch neben den Upgrades gab es zuletzt immer wieder kleine Sticheleien. Ferrari intervenierte erfolgreich gegen eine neue Diffusor-Lösung, die Mercedes in Montreal zeigte. Mercedes klagte immer wieder über den ADUO-Mechanismus, der Ferrari dieses Jahr gleich zwei Mal erlaubt, beim Motor nachzubessern. "Ich habe eine Allergie gegen alles, was nur nach BoP riecht", schimpfte Wolff.
Das erste Hardware-Upgrade beim Antrieb hatte Ferrari schon in Spielberg parat. Hier war zunächst aber noch keine große Wirkung zu erkennen, weil der Stop-and-Go-Charakter des Alpenkurses dem SF-26 nicht schmeckte. Auf der Power-Strecke in Silverstone war der Fortschritt schon eher deutlich. "Sie haben da wohl auf der Energie-Seite etwas gefunden", stellte Wolff anerkennend fest.

Ferrari holte in Silverstone 20 Punkte mehr als Mercedes.
Großes Aero-Upgrade in Zandvoort?
Das zweite Motor-Upgrade befindet sich schon auf den Prüfständen. Wegen der langen Vorlaufzeiten müssen sich die Fahrer aber noch bis nach der Sommerpause gedulden. Bei welchem Grand Prix es genau eingeführt wird, steht laut Ferrari noch nicht fest. Die Highspeed-Strecken in Monza oder Baku würden sich hier sicher besonders anbieten.
Entgegen der Prognose von Wolff kann Ferrari offenbar auch beim restlichen Auto noch einmal ordentlich nachlegen. Wie die italienischen Kollegen von "autoracer.it" berichten, plant die Truppe um Entwicklungschef Loic Serra den nächsten großen Aerodynamik-Umbau schon nach der Sommerpause. Er soll idealerweise direkt zum Start der Rückrunde in Zandvoort zur Verfügung stehen.
Die Fans können sich somit auf einen heißen Endspurt freuen. Mit einer Entspannung im ehemals so freundschaftlichen Verhältnis zwischen Toto Wolff und Frédéric Vasseur ist so schnell jedenfalls nicht zu rechnen.





