Die Formel 1 ist ein schnelllebiges Geschäft. Vor zwölf Monaten steckte Lewis Hamilton noch tief in einer Krise. Der Start in die neue Traumehe mit Ferrari lief alles andere als geplant. Das Auto zeigte sich nicht konkurrenzfähig und der Pilot fuhr nicht auf dem Spitzenniveau, das ihm sieben Titel eingebracht hatte.
Die Kritiker waren damals natürlich direkt zur Stelle. War Hamilton zu alt? Hat er das Rennfahren verlernt? Ist er nicht mehr in der Lage, sich auf eine neue Umgebung einzustellen? Vor allem von den TV-Experten bekam Hamilton richtig eins auf die Backen. Viele hatten den Rekordsieger schon abgeschrieben.
Jacques Villeneuve, der für den britischen Sender Sky F1 arbeitet, ätzte zum Beispiel beim Rennwochenende in Zandvoort, dass Ferrari nicht das erhielt, wofür man unterschrieben hatte: "Es gibt sicher auf beiden Seiten viel Frust. Lewis hat nicht das Gefühl, dass das Team hinter ihm steht. Das Team hat nicht das Gefühl, dass Lewis auf einer Wellenlänge liegt."
Normalerweise lassen sich Rennfahrer von solchen Aussagen nicht provozieren. Eher selten wird konkret auf die Kritik von der Seitenlinie reagiert. In Montreal hatte Hamilton dann aber doch einen kleinen Seitenhieb in Richtung von Villeneuve parat. Als er nach Ex-Ferrari-Legende Gilles Villeneuve gefragt wurde, beendete der Brite seine Ausführung mit der Anmerkung: "Und er war offensichtlich deutlich besser als sein Sohn."

Mit dem Barcelona-Sieg gelang Lewis Hamilton der Befreiungsschlag. Entsprechend groß fiel der Jubel aus.
Hamilton von Kritik getroffen
Die beste Antwort auf die Häme von den TV-Kritikern gab Hamilton aber mit seinem Sieg in Barcelona. Danach gab der Superstar sogar zu, dass er selbst fast den Glauben an sich verloren hatte. "Es gab sicher Momente, an denen ich gedacht habe: Vielleicht stimmt es ja, dass man ab einem bestimmten Punkt etwas verliert. Ich bin auch nur ein Mensch. Es gab Momente, da habe ich die negativen Reaktionen gesehen, und sie haben mich tief getroffen."
Halt fand der Rekordsieger der Formel 1 in seinem privaten Umfeld: "Ich habe viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbracht, mit Menschen, die mich kennen, die mich nicht anzweifeln und die schon mein ganzes Leben zu mir gehalten haben. Zu Beginn letzten Jahres hatte ich noch eine kleine Verletzung. Deshalb habe ich diesen Winter noch härter trainiert als jemals zuvor."
Neben der physischen Fitness hat Hamilton auch an seiner mentalen Seite gearbeitet: "Ich weiß, dass man niemals an sich selbst zweifeln sollte. Man muss bis in den Kern an sich glauben. Das habe ich wieder in meine Mentalität implementiert. Ich habe meinen Geist gestärkt, um wieder dahin zu kommen, wo ich war. Es ist ein tolles Gefühl, jetzt wieder ganz oben zu stehen."

Nico Rosberg scheut sich nicht vor Kritik an seinen TV-Experten-Kollegen.
Rosberg vs. Villeneuve
Einer der wenigen TV-Experten, der Hamilton in der Krise nicht abgeschrieben hatte, war Nico Rosberg. Als ehemaliger Teamkollege weiß der Weltmeister von 2016 um die Fähigkeiten und den Kampfgeist des 41-Jährigen.
Nach dem Rennen in Barcelona stand Rosberg zusammen mit Villeneuve am Mikrofon von Sky F1, um das Hamilton-Comeback einzuordnen. Nach einem Einspieler über den harten Weg zurück aufs Podium, richtete Rosberg das Wort an seinen Kollegen: "Lewis hat gesagt, dass er es hasst, wenn ihn Ex-Rennfahrer kritisieren. Ich glaube, da hat er über Dich gesprochen, Jacques. Willst Du ihm eine Antwort darauf geben?"
Villeneuve schaute zunächst etwas verdutzt, war sich aber keiner Schuld bewusst: "In Kanada kam er plötzlich mit der Aussage um die Ecke, dass mein Vater besser war als ich. Und ich habe mich gefragt, warum er das gesagt hat. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich ihn kritisiert habe."












