Die Hoffnung vor der Saison war – mal wieder – riesig. Nach 18 Jahren ohne Titel soll 2026 endlich wieder ein WM-Pokal im Trophäenschrank Maranellos landen. Nach den ermunternden Testfahrten in Barcelona und Bahrain war Ferrari Anfang März gemeinsam mit Mercedes als Top-Favorit nach Melbourne gereist.
Im Albert Park ärgerte man die Silberpfeile vor allem zu Rennbeginn und kämpfte um den Sieg. Nur eine Woche darauf zeigten die Roten in China wiederum, dass sie im Winter einen guten Job bei der Fahrzeugentwicklung gemacht hatten. Der SF-26 war die zweite Kraft hinter dem W17.
In Euphorie verfiel man beim Team aber nach dem guten Start nicht. Aerodynamisch muss sich der Entwurf der Ferrari-Ingenieure nicht vor dem Mercedes verstecken. Das Manko liegt vor allem beim Antrieb, dem es an Leistung fehlt. Genau hier drückt der rote Schuh. In Maranello wird derzeit mit Hochdruck an einer neuen Ausbaustufe des Triebwerks gearbeitet. Laut den Kollegen von "autoracer.it" soll die neue Power Unit beim Grand Prix von Belgien (19.7.) debütieren und den Leistungsrückstand auf den Mercedes-Motor egalisieren.
Hamilton fordert mehr Power
"Schauen Sie auf die Daten, wir haben keinen Vorteil auf den Geraden", monierte Teamchef Frédéric Vasseur zuletzt. Die Ferrari werden so zu leichter Beute im Zweikampf. Die Nachteile sind auf den Verbrenner-Teil zurückzuführen. Hier hinkt der V6-Turbo dem Mercedes-Aggregat hinterher.
"Wir brauchen das Update. Das Auto ist vielleicht das beste im Feld, aber uns fehlt der Punch", erklärte Superstar Lewis Hamilton. Mittlerweile scheint auch Mercedes-Kunde McLaren an Ferrari vorbeigezogen zu sein. Die Ingenieure haben das komplizierte Energiemanagement nun besser im Griff und das Auto aerodynamisch verbessert.
Ferrari hofft nun auf einen speziellen Passus im Reglement. Das sogenannte ADUO-Verfahren sieht vor, dass Hersteller mit einem erkennbaren Leistungsdefizit nachrüsten können. Nur wenn die FIA nach den Messungen beim anstehenden Kanada-GP (24.5.) offiziell bestätigt, dass Ferrari hinter der Konkurrenz liegt, dürfen die Ingenieure nachbessern. Wegen des neuen Motoren-Reglements haben die Regelhüter diese Möglichkeit eingeführt.

Ferrari will einen überarbeiteten Motor für das Rennen in Spa (19.7.) bringen.
Ferrari hofft auf die FIA-Messung
Sollte die Leistung eines Verbrennungsmotors nachweislich um mehr als zwei Prozent hinter der Konkurrenz zurückliegen, darf dieser Hersteller gezielte Performance-Upgrades sowie zusätzliche Prüfstandszeit in Anspruch nehmen, um die Lücke zu schließen. Zudem erhalten die Nachzügler mehr Freiheiten beim Kostendeckel des Antriebs.
Liegt ein Hersteller sogar mehr als vier Prozent zurück, wird er als ernsthaft unterlegen eingestuft. In diesem Fall kann die FIA sogar zwei Upgrades oder weitreichendere Änderungen an eigentlich eingefrorenen Bauteilen erlauben.
Zunächst hieß es, die FIA würde erst nach dem Miami-GP den Leistungsstand der Hersteller überprüfen. Der Iran-Krieg hat jedoch den F1-Kalender durcheinandergewürfelt. Die Grands Prix in Bahrain und Saudi-Arabien mussten verschoben werden. Da das Rennen in Florida erst der vierte WM-Lauf des Jahres war, gilt nun das kommende Rennen in Montreal als ausschlaggebend.












