In Miami startet die Formel-1-Saison noch einmal neu. Praktisch alle Teams haben große Technik-Updates angekündigt. Die Arbeit der vierwöchigen Zwangspause entlädt sich an einem einzigen Wochenende. Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur prophezeite, dass sich das Kräfteverhältnis dabei noch einmal komplett auf den Kopf stellen könnte.
Durch das neue Reglement präsentierten sich die Autos in den ersten Rennen noch sehr unreif. Die Ingenieure fanden sehr schnell Schwachstellen, die nun direkt ausgemerzt werden sollen. Alle Techniker betonen, dass die Lernkurve vor allem zu Beginn der Saison sehr steil verläuft. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, schnell ein paar Upgrades nachzuschieben.
Durch das Budget-Cap müssen die Teams heutzutage genau überlegen, wann es sich lohnt, neue Teile zu produzieren. Im Gegensatz zu früher kann man es sich nicht mehr leisten, jeden kleinen Zeitgewinn, den die Simulationen versprechen, direkt zu realisieren. Die Zahl der Upgrades ist begrenzt. Erst bei einem größeren Fortschritt lohnt sich der Aufwand.

Für Miami erhält der SF-26 ein großes Facelift.
50 Prozent der Teile sind neu
In der ersten Saison unter dem neuen Reglement ist die Entscheidung relativ einfach. Durch die bereits erwähnte steile Lernkurve werden viele Teams ihre große Upgrade-Welle sehr früh in der Saison bringen. Damit bleibt dann natürlich weniger Budget für die zweite Hälfte des Jahres übrig. Es bringt aber nichts, die Pfeile im Köcher zu lassen. Sonst droht man zu weit zurückzufallen.
Ferrari hatte schon beim letzten Rennen in Suzuka angekündigt, dass man für Miami ein großes Paket schnüren will. Wie die italienische "Corriere della Serra" nun berichtet, soll das halbe Auto neu sein. Und das ist hier nicht im übertragenen Sinne, sondern wortwörtlich gemeint: Ferrari bringt zum vierten Rennen mehr als 50 Prozent neue Teile an den SF-26.
Ein Fokus der Ingenieure lag demnach auf der Gewichtsreduzierung. Die rote Göttin schleppte zu Saisonbeginn noch ein paar Kilo Übergewicht mit sich herum. Nach der Diät sollte das Auto alleine durch das Abspecken direkt ein paar Zehntel schneller sein. Dazu kommen natürlich noch jede Menge neue Aerodynamik-Bauteile.

Der rotierende Heckflügel ist nun endlich einsatzbereit.
Macarena-Flügel vor Miami-Debüt
Darunter befindet sich angeblich auch ein komplett überarbeiteter Frontflügel. An der Nase selbst soll sich aber nichts ändern. Auch am Unterboden, am Halo und der Hydraulik wurden größere Modifikationen vorgenommen, wenn man den Berichten aus Italien glauben darf. Das Hauptziel der Aero-Abteilung lag offenbar darin, den Luftwiderstand des Autos zu senken.
Dabei helfen soll auch der rotierende Heckflügel, der schon bei den Bahrain-Tests im Februar erstmals ausprobiert wurde. Er kam bisher in den Rennen nicht zum Einsatz, was sich aber in Miami ändern dürfte. Das interessante Bauteil soll in den letzten Wochen noch einmal überarbeitet worden sein. Der Flügel, der von den Fans den Spitznamen "Macarena-Wing" bekommen hat, wiegt etwas mehr das Standard-Teil. Dank der Diät hat Ferrari aber jetzt offenbar den Spielraum für den ersten Einsatz.
Wichtig für Miami wird auch das Thema Kühlung. Die ersten Rennen des Jahres in Melbourne, Shanghai und Suzuka wurden bei moderaten Temperaturen ausgetragen. In Florida kann es Anfang Mai aber schon richtig heiß werden. Die Ingenieure stehen vor der neuen Herausforderung, die neuen Hybrid-Komponenten nicht überhitzen zu lassen. Mit dem gestiegenen Elektro-Anteil ist das Thema dieses Jahr noch komplizierter. Man darf gespannt sein, ob alle Teams ihre Hausaufgaben für Miami erledigt haben.

Beim Filmtag in Monza durfen die beiden Ferrari-Piloten maximal 200 Kilometer abspulen.
Filmtag wird zur Test-Session
Um erste Messdaten mit dem Upgrade-Paket zu sammeln, hatte Ferrari für Mittwoch (22.4.) einen sogenannten Filmtag auf der Grand-Prix-Strecke in Monza angemeldet. Hier bekamen die Fahrer ein erstes Gefühl für die neuen Teile. Und die Ingenieure konnten überprüfen, ob alle Werte mit den Simulationen übereinstimmen.
An die Temperaturen, die in Miami erwartet werden, kam Ferrari bei dem Probelauf aber nicht. Das Quecksilber blieb den ganzen Tag über einen Tick unter der 20-Grad-Marke. Allerdings können die Techniker auch bei niedrigeren Temperaturen erkennen, wie gut die Kühlung funktioniert, so dass in Miami keine bösen Überraschungen lauern.
Mehr als 200 Kilometer durften die Piloten dabei aber nicht abspulen. Die Distanz ist durch das Reglement limitiert. Außerdem kommen bei einem Filmtag nicht die Reifen zum Einsatz, die auch bei den Grand-Prix-Wochenenden gefahren werden. Stattdessen stellt Pirelli den Teams eine spezielle Demo-Spezifikation für Filmtage zur Verfügung.












