Red Bull hat in Miami ein großes Upgrade-Paket aus dem Hut gezaubert. Nach dem durchwachsenen Saisonstart schlug das Facelift ein wie eine Bombe. Max Verstappen raste mit seinem runderneuerten RB22 bis in die erste Startreihe. Mit der verbesserten Pace verbesserte sich auch die Laune des vierfachen Weltmeisters.
"Vor diesem Wochenende hatte ich nicht das Gefühl, dass ich die volle Kontrolle über das Auto habe. Ich wusste nie, was passiert. Ich habe mich mehr wie ein Passagier gefühlt. Als ich hier ins Auto gestiegen bin, hat es plötzlich geklickt. Dass es für die erste Startreihe geklappt hat, war aber dennoch eine Überraschung", strahlte der Niederländer.
Auch Teamchef Laurent Mekies fielen mehrere Steine vom Herzen, dass man das Ruder noch einmal herumreißen konnte: "Wir wussten, dass wir nach Japan ein paar Hausaufgaben mit nach Hause nehmen mussten. Die Fahrer konnten nicht ans Limit gehen. Deshalb haben wir alles auf links gedreht. Noch ist nicht alles gefixt. Aber es geht definitiv in die richtige Richtung."

Antonelli und Verstappen stehen in Miami in der ersten Reihe. Beide hatten bisher keine guten Starts.
Fortschritte auf allen Ebenen
Verstappen erinnert sich noch mit Grausen daran, wie sich sein Dienstwagen vorher anfühlte: "Es war komplett unvorhersehbar. Die Balance hat von Unter- auf Übersteuern gewechselt. Von einer auf die andere Session hat sich plötzlich alles geändert. Nichts hat funktioniert. Ich denke, dass wir jetzt das meiste verstanden haben. Ich kann jetzt endlich so fahren, wie ich das will."
Auch beim Energie-Management machte Red Bull Fortschritte. Als neuer Motorenhersteller sind die Prozesse in Milton Keynes noch nicht so eingespielt wie bei der etablierten Konkurrenz. "Unsere Lernkurve fällt deshalb etwas steiler aus als bei den anderen. Aber wir leisten da wirklich gute Arbeit. Es wird mit jedem Mal besser", lobte Verstappen.
Ein Element, das ebenfalls zur Red-Bull-Wiederauferstehung beigetragen hat, ist der Heckflügel. Wie bei Ferrari rotiert der Flap des neuen Leitwerks im Geraden-Modus ein halbes Mal um die eigene Achse. Das reduziert den Luftwiderstand und erhöht den Top-Speed auf den Vollgaspassagen.

Die Red-Bull-Version rotiert andersherum als die Ferrari-Variante.
Wer hatte die Idee zuerst?
Ferrari hatte seine Version des sogenannten "Macarena-Flügels" schon bei den Wintertests in Bahrain erstmals ausprobiert. Da stellt sich natürlich die Frage, ob Red Bull die Idee einfach schnell kopiert hat? Mekies dementiert diese Theorie mit Nachdruck: "Unsere Jungs haben das erfunden, ohne dass sie den Ferrari-Flügel vorher gesehen haben. Natürlich werden wir nie erfahren, wer die Idee zuerst hatte. Wir haben aber schon am Ende des letzten Jahres an diesem Flügel gearbeitet."
Schaut man sich die Funktionsweise der beiden Flügel genauer an, so erkennt man auch einige interessante Unterschiede im Detail. So dreht sich der Ferrari-Flap mit der vorderen Kante nach vorne. Der Red-Bull-Flügel rotiert über die hintere Kante. Der Mechanismus wird beim Verstappen-Auto über einen zentralen Aktivator gesteuert. Bei Ferrari sitzt die Technik in den Endplatten.
Da stellt sich nur noch die Frage, warum Red Bull den Flügel nicht schon früher einsetzen wollte, wenn die Entwicklung schon im vergangenen Jahr begonnen hat? Auch hier sorgt Mekies für die Auflösung: "Nach dem mittelmäßigen Saisonstart hatten wir erst einmal andere Prioritäten. Deshalb konnten wir den Flügel erst hier in Miami zeigen. Es ist aber ein faszinierendes Stück Technik."












